Hochgeschwindigkeitspsychiatrie

Psychiater im Einsatz

Manchmal werden ja in der Medizin richtig sinnvolle Studien gemacht. Also nicht so Sachen für Nerds mit Krankheiten und Therapie und so. Sondern echt wichtige Untersuchungen. Die auch was aussagen.

Zum Beispiel erschien Ende letzten Jahres in den USA eine Studie mit dem Titel „The need for speed“. Untersucht wurden dabei die Fahrgewohnheiten von Ärzten – differenziert nach Facharztgruppen. Grundlage der Untersuchung waren Strafzettel, die die Ärzte wegen Geschwindigkeitsübertretung bekamen. Über 5000 Fachärzte wurden zwischen 2004 und 2017 wegen zu schnellen Fahrens belangt.

Wer sind nun die Raser unter den Fachärzten?

Vorneweg eine Spezialität der Kardiologen: Sie wurden am häufigsten gestoppt, während sie in Luxusautos unterwegs waren. Die Kardiologie scheint ein einträgliches Fach zu sein – zumindest in den USA.

Bei den extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen dagegen lagen alle etwa gleichauf – mit einer Ausnahme: Die häufigsten High-Speed-Delikte hatten die Psychiater.

Warum nur waren die amerikanischen Facharztkollegen gar so eilig unterwegs?

Zu dieser Frage äußert sich die Studie nicht.

Es kommt ja Verschiedenes in Frage:

  • Psychiater haben zwar keine Luxusautos, aber mehr PS als alle anderen.
  • Psychiater müssen ständig irgendwo hin. Ganz dringend.
  • Psychiater sind zu doof, um zu checken, wo die Blitzer stehen.

Ich persönlich neige zu einer anderen Erklärung: Wir Psychiater wissen um die Wichtigkeit von Achtsamkeit und work-life-balance. Wir tendieren zu Gelassenheit und Ausgeglichenheit. Wir wollen unsere Zeit mit möglichst Sinnvollem verbringen: Mit Familie, Beziehungen, Kultur. Wir schätzen Ruhe und Muße.
Und deshalb wollen wir so schnell wie möglich runter von dieser inhaltsleeren, langweiligen und Zeit verschwendenden Autobahn. Koste es, was es wolle. Zur Not auch einen Strafzettel.

Peter Teuschel

Der Bericht im Ärzteblatt

Die Originalstudie

Radlerbild © Peter Teuschel

Grafik ©bmj

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