Eine neue Cannabis-Psychosen-Studie

Bild©Peter Teuschel

Eine aktuelle Studie aus Augsburg beschäftigt sich mit der Frage, ob nach der Legalisierung von Cannabis vermehrt psychotische Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Konsum der Droge auftreten.

Untersucht wurden Diagnosen neu aufgenommener Patienten an 6 schwäbischen Bezirkskliniken, die einen Zusammenhang mit Cannabis hatten.

Danach wurden etwa doppelt so viele cannabisinduzierte Psychosen diagnostiziert wie vor der Legalisierung.

Das heißt jetzt nicht zwingend, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Legalisierung und Anstieg der Psychosen besteht. Die Autoren diskutieren daneben auch andere Einflussfaktoren, z.B. :

  • die Patienten geben eher zu, dass sie konsumiert haben, weil sie weniger Stigmatisierung zu befürchten haben.
  • die Ärzte achten mehr darauf, ob Cannabis als Ursache einer Psychose in Frage kommt, weil sie jetzt besonders sensibilisiert dafür sind.

Die Studie versteht sich als ein Beitrag, den Zusammenhang zwischen Cannabis, dessen Legalisierung und dem Auftreten von psychotischen Störungen weiter ins Bewusstsein zu rücken.

Auch ohne eindeutige Kausalität zwischen Legalisierung und Zuwachs an cannabisinduzierten Psychosen ist der Zusammenhang zwischen der Droge und dem Auftreten von Psychosen an sich unstrittig. Besonders für die Altersgruppe der 16- bis 21-Jährigen bedeutet das Kiffen ein nicht geringes Risiko, in psychotisches Erleben abzugleiten.

Ausgeprägter Konsum vervierfacht das Risiko, mäßiger Konsum verdoppelt es bereits.
Hier habe ich mich schon einmal zum Thema geäußert.

Nebenbei: Die Reaktion auf solche Meldungen im Internet ist ein gutes Beispiel für den Zustand „unserer“ sozialen Medien. Die einen reagieren gereizt auf alles, was nach Wissenschaft klingt, die anderen auf alles, was Legalisierung von Drogen in Frage stellt. Was nie fehlen darf: Der Hinweis, dass ja auch und vor allem Alkohol seine Schattenseiten habe. Whataboutismus als unbedingter Reflex, ein interessantes psychobiologisches Phänomen.

Die Bereitschaft, auf alles, was auch nur im Ansatz mit einem zu tun haben könnte (also alles, was es gibt), mit größtmöglicher Entrüstung und persönlicher Gekränktheit zu reagieren, hat Hochkonjunktur. Wobei „Kränkung“ als Begriff sicher von sehr vielen Erzürnten abgelehnt werden würde. Sie nennen es Traumatisierung (und meinen das ernst).

Immer wenn solche Begriffe inflationär verwendet werden ( auch „Mobbing“ ist dafür ein Beispiel), verwässert sich dieser Begriff für tatsächlich Betroffene. Patienten mit echter Traumatisierung sehen sich umringt von einer Schar Möchtegern-Traumatisierter, denen dieses Label nichts anderes ist als ein austauschbarer Modebegriff mit reizvollem Opferstatus-Effekt.

Ups, jetzt bin ich vom Cannabis zu einem ganz anderen Thema gekommen. Und ich glaube, man merkt, wie sehr mich dieses nervt.

Gut so.

Peter Teuschel

7 Responses
  1. Marika hatte eine entzückende Freundin, eine Psychologie Studentin, die wegen regelmäßigem Cannabis Konsum schon mit Anfang 30 psychisch erkrankt ist. Es tut so weh zu sehen, was aus diesem Mädchen geworden ist. Man kann gar nicht oft genug auf die potentielle Gefährlichkeit von Cannabis hinweisen!

    • Liebe Gaby,
      es ist immer das gleiche Thema: Wenn man mal jemanden kennt, den es erwischt hat, sieht man so etwas mit anderen Augen. Um so mehr nerven mich die Schwätzer, die „gscheid daher reden“.

  2. Ja, das sehe ich ganz genauso.
    Ich würde mir wünschen, dass Leute das Leben ernster nehmen und begreifen, dass das Glück und der innere Frieden täglich irgendwie errungen werden müssen. Hat man es aber einmal raus, kann das Glück zum Selbstläufer werden. Einfach so. Das funktioniert, wenn man beharrlich ist. /
    Cannabis aber versucht den kurzen Weg zu nehmen, und zwar einen der einem nichts abverlangt und genau deswegen weit weg vom Sinn des Lebens führt. Alle Leute, die ich gekannt habe früher, die viel gekifft haben, hatten neben ihrer soooo lässigen Seite, eine, die absolut knallhart und egoistisch war. Und mit so welchen, wollte ich nix zu tun haben. –
    Ich glaube, dass nur Naturvölker mit Cannabis etc umgehen können. Wir Deutschen usw sollten Bier saufen, wenn man Bedarf hat… vllt schon kulturell bedingt alles…

  3. „… Immer wenn solche Begriffe inflationär verwendet werden …“: _endlich_! sagt jemand das richtige: ganz, ganz grossen Dank!

  4. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die nie eine Affinität zu Drogen hatten. Allerdings gebe ich zu, unter eine Essstörung zu leiden, ebenso unter einer kPTBS und einem Religiösen Traumasyndrom. Meine Sucht, mehr zu Essen als ich brauche, kann auch damit zu tun haben, dass ich leider jeden Abend 75 mg Amisulprid einnehmen muss, um psychisch stabil zu bleiben. Essen kann auch eine Sucht sein, und ich schaue mir das an. Ich will nicht davor davon laufen. Tatsächlich hatte ich zwei sehr narzisstische Eltern und ein sehr schweres Entwicklungstrauma. Ich bin manchmal auch süchtig nach Anerkennung und Bewunderung, was aus der Emotionalen Vernachlässigung durch meine Eltern stammt. Seit ich aber die Zusammenhänge kenne und mir über die Ursachen dieser Süchte bewusst bin, kann ich viel achtsamer mit mir und den anderen Menschen umgehen. Zur Zeit schaue ich mir gerne die Videos von Julia Krawitz und Prof. Ashok Riehm auf Youtube an und lese die beiden Bücher „Champions Mindset“ von Prof. Riehm und „PTBS“ von Pete Walker. Ich male wieder öfter und meditiere beim Malen über die Themen „Hunger, Kälte, Einsamkeit und Schmerz.“ Ich habe vor, meine Esssucht und die nichtstofflichen Süchte Schritt für Schritt zu besiegen. Ich habe einen guten Bekannten, der mir schon einige Male von seinen Drogenerfahrungen berichtet hat. Er hat jetzt im Alter von 57 Jahren sehr starke Verfolgungsängste, und er sieht und hört seit vielen Jahren Dinge, die außer ihm niemand sieht und hört. Vor wenigen Tagen hat er sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik aufnehmen lassen. Als Laie kann ich nicht beurteilen, inwieweit sein Erleben mit seinen langjährigen Drogenerfahrungen zu tun. Cannabis war da nur eine von vielen. Vielen Dank für das Zusenden Ihres Artikels. LG von KK

  5. Ich bin seit 35 Jahren trockener Alkoholiker und auch chronisch psychisch krank, daher nehme ich Psychopharmaka und damit geht es mir sehr gut!
    Allerdings habe ich Beschwerden und Schmerzen des Bewegungsapparates und Magenprobleme , so dass ich keine Schmerzmittel einnehmen kann!
    Leider konnte mir mein behandelnder Orthopäde auch nicht die Frage beantworten, ob ich Opiate gegen meine Schmerzen einnehmen kann es dadurch aber nicht erneut eine Sucht ausgelöst wird! Denn auch wenn ich 35 Jahre trockener Alkoholiker bin, heißt das ja nicht, dass zu.B. Opiate nicht erneut eine Sucht auslösen können!

  6. Immer wenn solche Begriffe inflationär verwendet werden ( auch „Mobbing“ ist dafür ein Beispiel), verwässert sich dieser Begriff für tatsächlich Betroffene. Patienten mit echter Traumatisierung sehen sich umringt von einer Schar Möchtegern-Traumatisierter, denen dieses Label nichts anderes ist als ein austauschbarer Modebegriff mit reizvollem Opferstatus-Effekt.

    Möglicherweise wurde deshalb gerade die Hilfe für Betroffene von sexuellem Missbrauch eingestellt.

    https://beratung-bonn.de/fonds-sexueller-missbrauch-wird-eingestellt-wegfall-einer-existentiellen-hilfe-fuer-betroffene-sexualisierter-gewalt/

    Ich denke, es braucht Therapeuten wie Sie, die dort das Highlight auf ein sehr wichtiges Thema setzen, auch wenn ich es jetzt gewechselt habe.

    Liebe Grüße

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