Bright Spotlight: Handys

Es wird mal wieder Zeit für ein „Bright spotlight“. Und ja, tatsächlich werfe ich dieses positive Schlaglicht auf Handys.

Ich will hier nicht die Allgegenwärtigkeit dieser „mobile devices“ loben oder übersehen, dass sie auch problematische Seiten haben. Das ist anderswo bereits zur Genüge thematisiert worden.
Warum ich heute das Loblied auf Handys singe, hat vor allem mit einer Funktion zu tun: Der Möglichkeit, Videos aufzunehmen.

Ich selbst nutze diese Funktion kaum. Fotos ja, die nehme ich gerne mit, sowohl Schnappschüsse als auch Bilder im RAW-Format. Die haben mittlerweile in manchen Bereichen eine Qualität, die System- oder Spiegelreflex-Kameras nahe kommen. Und sie sind viel handlicher, immer dabei und schnell einsatzbereit.

Womit wir bei den Videos sind.

Absolutistische, faschistische und antidemokratische Staaten neigen ja dazu, uns ein X für ein U vorzumachen. Wenns sein muss, machen sie uns auch ein RG für ein IT vor. Oder auch mal ein AP für ein IT. IT steht hier für „Inländischer Terrorist“.

Wem nicht das Herz blutet, wenn er die Trump’schen Schergen der ICE bei ihren Tötungsaktionen sieht, der hat keins. Renee Good (RG) und Alex Pretti (AP) waren, das zeigen die Videos der Handys, keine Terroristen, sondern Menschen, die von ihrem Recht auf Meinungsäußerung Gebrauch gemacht haben. Vielleicht einfach auch von ihrem Recht auf pure Existenz. Dieses Recht sprechen autokratische Staaten regelmäßig anderen Menschen ab.
Die „Immigration and Customs Enforcement“ wurde 2003 als Reaktion auf 9/11 im Rahmen der Homeland Security gegründet. Was als nachvollziehbarer Akt inländischer Selbstverteidigung startete, hat sich unter Trump von einer Verwaltungsbehörde zu einer bewaffneten Strafverfolgungsbehörde gewandelt, die wie eine Sondereinheit willkürlich angewendeter Gewalt agiert. Deren Führer in SS-artigen langen Ledermänteln posieren. Wie sich die Bilder doch immer gleichen.

Aber auch das ist mittlerweile anderswo ausreichend diskutiert und nachzulesen. Ich wollte ja ein Spotlight installieren.

Während in traditionell totalitären Systemen wie beispielsweise in Russland oder in Nordkorea Unrecht auf der Straße geschehen kann, weil die Unterdrückungsmaschinerie über Jahrzehnte perfektioniert wurde, haben Neo-Faschisten wie die Mitglieder der Trump-Regierung eins noch nicht geschafft: Den Leuten gleich nach der Zivilcourage die Handys abzuknöpfen.

Und deshalb können wir alle mitverfolgen, wie Unrecht, Willkür und öffentliche Hinrichtungen auf Amerikas Straßen geschehen. Und wir können einschätzen, welche Lügen uns dieses System auftischen möchte. Wie es uns weismachen will, dass wir unseren Augen nicht trauen sollen. Obwohl wir alle die Handy-Videos gesehen haben, aufgenommen von denen, die live vor Ort waren.

Wem vertrauen wir – unseren Sinnen oder den Worten derer, die die Symbole der Unmenschlichkeit auf ihren Fahnen tragen?

Ich bin so froh, dass Handys uns die Wahrheit zeigen.

Peter Teuschel

P.S. Und wer jetzt argumentiert, dass auch Handys KI liefern – geschenkt. Die Tötung von Renee Good und Alex Pretti war keine KI.

4 Responses
  1. Den ersten Transvestiten meines Lebens habe ich auf Moskaus Straßen gesehen, den größten Respekt vor Diversität und Verschiedenheit habe ich in Moskau erfahren…in deutschen Großstädten sieht man graue Masse in dunklen Wintermänteln mit eingezogenem Kopf. Wo ist wahre Diktatur? Morgen wird das Handy weggenommen und dann?

    • „Wo ist wahre Diktatur?“

      Stellen Sie sich in Berlin auf die Straße und singen ein Lied gegen die Regierung. Dann machen Sie das selbe in Moskau.
      Dann werden Sie wissen, wo wahre Diktatur ist.

      • Da sage ich nur „Schwarz-Kopf“-Affaire! Ein Mini-Beispiel. Mittlerweile ist der Rentner gestorben.
        Ich hoffe, Sie haben einen vorzeigbaren Morgenmantel.
        Bevor man ein Land/Staat/Regierung „hasst“ und angreift, sollte man das Land wenigsten einmal besucht haben. Andere Länder andere Sitten!

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Teuschel, vielen Dank für Ihren Beitrag. Diktatoren sind es mir nicht wert, dass ich mich mit ihnen befasse. Ich male lieber. Solange es irgendwie geht – kreativ sein als Gegengewicht zu Unterdrückung und Meinungsverbot. LG von KK

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