
Bis vor 10 Jahren habe ich hier auf der Schräglage den „Haudrauf der Woche“ vergeben. Preisträger dieser denkwürdigen Auszeichnung waren Zeitgenossen, die sich durch unangenehme, abzulehnende oder zumindest nicht nachzuahmende Derbheiten auszeichneten.
In letzter Zeit hatte ich öfter das Bedürfnis, diese alte Prämierung wieder aufleben zu lassen, zu sehr drängen sich entsprechende Preisträger auf. Andererseits wollte ich auch nicht nur Negatives auf den Blog laden. Nach einigem Nachdenken habe ich mich entschlossen, sowohl positiv in Erscheinung tretende Zeitgenossen hier zu ehren als auch die Tradition des „Geht ja gar nicht“ fortzuführen.
Aus diesem Bedürfnis werde ich in unregelmäßigen Abständen Spotlights aufleuchten lassen. Helle und dunkle, oder um mich den allgegenwärtigen Anglizismen zu beugen, bright and dark ones.
(Der Ehrlichkeit halber habe ich hin und her überlegt, wie ich die beiden Kategorien benennen soll. Nachdem ich eine ganze Sammlung von unpassenden, uncoolen und unbrauchbaren Ideen hatte, habe ich meine Frau gefragt. Die sagte: „Mach halt Spotlights“. So einfach kanns sein. Einfach meine Frau fragen.)
Natürlich kommt an dieser Stelle gleich das erste Spotlight und ja, es ist ein dunkles.
Das Spotlight beleuchtet Hendrick Streeck, den CDU-Drogenbeauftragten der Regierung.
Ja, richtig, das ist der Hendrik Streeck, den wir aus der Pandemie kennen. Er hat damals die so genannte „Heinsberg-Studie“ vorgestellt. Diese regional begrenzte Untersuchung wurde von ihm als repräsentativ für Deutschland erachtet. Er war irgendwie immer so eine Art „Gegenentwurf“ zu Christian Drosten, dem Virologen, der uns alle durch diese schreckliche Zeit begleitet hat.
Streeck plädierte auch früh dafür, „mit dem Virus zu leben“, und das zu einer Zeit, als kein Mensch verlässlich sagen konnte, wie sich diese Seuche weiterentwickeln würde.
Er war häufiger Gast in Talkshows, und ich hatte oft den Eindruck, er sitzt da weniger als Virologe, als vielmehr mit einer politischen Botschaft. Mein Misstrauen gegen ihn wuchs mit der Zeit.
2024 verglich er in einem Interview den Umgang mit Ungeimpften während der Pandemie mit der Ausgrenzung von Juden und Homosexuellen. Spätestens da wurde klar, dass sich Hendrik Streeck in einer wie auch immer zu bezeichnenden Schräglage befand, die einen im Umgang mit ihm zur Vorsicht gemahnte.
Das aber nur als Einleitung. Warum ich jetzt ein „dark spotlight“ auf Hendrik Streeck richte, sind seine aktuellen Aussagen in der Sendung „Meinungsfreiheit“, dass man die Gabe teurer Medikamente „bei Hundertjährigen“ anders bewerten müssen als bei Jüngeren. Er bezeichnete damit Therapien bei sehr alten Menschen als ein Szenario, bei dem die Kosten-Nutzen-Abwägung eine andere sei. Irgendwie passt das für mich zu seiner damaligen Einstellung, „mit dem Virus zu leben“. Covid war ja in erster Linie eine Gefahr für Ältere …
Natürlich kam es in den letzten Tagen zu einem Dementi von Streeck. Es ginge ihm nicht darum „zu sparen, sondern den Menschen etwas zu ersparen“. Spätestens mit dieser Formulierung in bestem Politiker-Sprech wird für mich deutlich, dass der Kollege Streeck den Shift von der Medizin zur Politik endgültig vollzogen hat.
Wie auch immer diese Dementi formuliert sind, mit dem Gedanken, Geld in der medizinischen Versorgung älterer Menschen einzusparen, hat sich der Politiker Streeck ein sehr dunkles Spotlight verdient. Dass wir im Gesundheitssystem sparen müssen, mag sein, aber wer bestimmte Bevölkerungsgruppen als weniger behandlungswürdig einstuft als andere, der ist nicht mehr weit entfernt von inhumanen Denkmustern, bei denen das Leben des einen als weniger wertvoll angesehen wird als das Leben des anderen.
Ich kann nur (angelehnt an Faust) sagen: „Hendrik, mir graut vor dir!“
Peter Teuschel
P.S. Weiß jemand, welche seiner Befähigungen dazu geführt haben, dass Hendrik Streeck zum Drogenbeauftragten der Bundesregierung ernannt wurde?

Das „PS“ kann ich beantworten: Die gleiche Befähigung wie die, die Lauterbach zum Gesundheitsminister gemacht hat: Ein abgeschlossenes Medizinstudium – aber ansonsten keine Ahnung von jedweder medizinischer Praxis.
Nun, dann sollten Sie sich seine Vita mal persönlich anhören und dann höre ich Ihnen auch weiterhin gerne zu.
Das können Sie mitunter hier tun:
Sehr geehrter Herr Dr. Teuschel, ich schreibe deswegen einen Kommentar, weil ich überhaupt keine Ahnung von diesem Thema habe. Mir ist von Anfang 2020 an das Thema Pandemie einfach zu viel gewesen. Ich habe da zu gemacht, innerlich die Schotten dicht gemacht über einen sehr langen Zeitraum. Aus verschiedenen Gründen bin ich eine schwerst traumatisierte Frau, und ich habe ab 2020 versucht, einfach nur meine Arbeiten und meine Tätigkeiten auf die Reihe zu kriegen, ich war wegen meiner dysfunktionalen Familie und zahlreichen anderen Narzissten und Psychopathen so schwer traumatisiert und im Burnout. Das alles hatte mit der Pandemie und der damaligen Politik nichts zu tun. Ich habe nur versucht, mich und meine Existenz irgendwie zu schützen – was mir teilweise auch nicht wirklich gelungen ist. Der Name Streeck sagt mir schon was, auch ein gewisses Bild dazu, aber ich könnte jetzt nie so eine fachliche sachliche Meinung äußern wie Sie. Ich bin mehr mit Farben und Malerei beschäftigt. Ich bin überhaupt kein ignoranter Mensch, aber die ganze Pandemie hat mich völlig überfordert. Ich musste mich sozusagen ausklinken, um die schweren Traumatisierungen durch meine Herkunftsfamilie zu überleben. Trotzdem Danke für die Zusendung Ihres Beitrages. Also, ich habe keine Meinung zu dem Thema Streeck, einfach weil ich absolut keine Ahnung habe. Also halte ich lieber die Klappe. Nicht aus Dummheit, sondern aus kompletter Überforderung. LG von KK
Lieber Peter Teuschel,
ich kann Ihre Motivation durchaus verstehen, sehe darin jedoch das falsche Zeichen.
Es spaltet in Gut und Böse – genau die Fehler, die uns der FAUST aufweist.
Der Beitrag wertet auch Herrn Streeck ab, weil er möglicherweise nicht in der Lage ist, zu erkennen, Gutes zu wollen und dennoch Böses zu tun.
Der richtige Denkansatz, den ich für mich gefunden habe, liegt ganz woanders und das macht das erste Mal Sinn für mich in diesem Chaos.
https://www.nzz.ch/folio/das-gefaehrliche-streben-wenn-zu-viele-in-die-elite-aufsteigen-wollen-kollabiert-die-gesellschaft-ld.1885348
Und dann findet man Menschen in der Politik, die denken, gute Entscheidungen zu treffen über Menschengruppen, mit denen sie noch nie etwas zu tun hatten.
Bitte werfen Sie ihre High- und Darklights auf politische Entscheidungen, nicht auf einzelne Personen. Damit füttern Sie das ungehörte Eliten-Klientel.
… denn sie wissen nicht, was sie tun? Auf diesem Standpunkt stehe ich nicht.
Politische Entscheidungen werden von Menschen getroffen, und ich habe in der Regel auch Menschen im Blick. Ich weiß, was Sie meinen, Menschen wie z.B. Trump leben natürlich von Aufmerksamkeit und die würden wir ihnen gerne entziehen. Leider klappt das für mich nicht. Meine Kritik wendet sich ganz bewusst an den einzelnen, der Entscheidungen trifft. Die Geschichte lehrt uns doch, dass sich Menschen zu gerne verstecken hinter Befehlen, Zeitgeist, Staatsräson. Man kann seine Verantwortung aber nicht abgeben, das soll auch mein Bild mit dem Scheinwerfer symbolisieren.
Und würden Sie mir jetzt zustimmen, dass Ihre Erkenntis 10 Jahre zu spät kommen?
Mobbing ist normal, Fake News als Trump sind normal und in Europa mehr als Cannabis – eine medizinische Droge.
Vor 10 Jahren habe ich hier schon – sinngemäß – das gleiche geschrieben. Wäre ja schön, wenn das immer was bewirken würde. 😉
Ich zitiere Konstantin Wecker: „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“.
Können wir uns dann wenigstens darauf einigen, dass Sie Ihre Spotlights in der Überschrift nicht auf die Person an sich, sondern auf Ihre politische Funktion richten?
Auch wenn ich Herrn Streeck nicht persönlich kenne, ihn auch nicht aus seinen persönlichen Interviewsituationen zu schätzen weiß, empfinde ich diesen digitalen dichotomen Fingerzeig schon als diskriminierend.
Ich glaube nicht, dass Sie das nötig haben, bei all der berechtigten Kritik.
Ich kenne Herrn Streeck auch nicht persönlich. Natürlich bezieht sich öffentliche Kritik immer auf die Menschen in ihrer Rolle. Ich kritisiere ihn für seine im Rahmen seines öffentlichen Auftritts geäußerten Einstellungen. Das ist Kritik, aber keine Diskriminierung.
P.S. Würden Sie auch von Diskriminierung sprechen, wenn hier im dark spotlight „Vladimir Putin“ oder „Donald Trump“ stehen würde?
„P.S. Weiß jemand, welche seiner Befähigungen dazu geführt haben, dass Hendrik Streeck zum Drogenbeauftragten der Bundesregierung ernannt wurde?“
Er hat Medizin studiert, nicht mehr und nicht weniger.
Leider!