Mobbing vor Gericht: Aussichtslos?

Auf Spiegel Online ist ein guter Beitrag über Mobbing zu lesen:

 http://by6g1q.myraidbox.de/pifj

Trotz (fach)ärztlicher Diagnosen und stichhaltiger Atteste, dass an einem kausalen Zusammenhang zwischen der psychischen Schädigung und dem abgelaufenen Mobbing nicht gezweifelt werden kann, haben Betroffene in Deutschland kaum Chancen, vor Gericht einen Erfolg gegen ihre(n) Mobber zu erzielen.

Ich habe diesen Moment großer Enttäuschung mehrfach bei meinen Patienten miterlebt.
Es ist nicht nur die Erkenntnis, dass der oder die Täter ungestraft davon kommen, sondern die bittere Erfahrung, dass unser Rechtssystem, auf das wir uns all verlassen, im Falle von Mobbing versagt.

FuriousKeiner hat ein Interesse daran, dass eine Kultur der Fehlbeschuldigungen ins Kraut schießt und unschuldige und harmlose Arbeitgeber von bösartigen Mitarbeitern mit falschen Beschuldigungen vor den Kadi gezerrt werden.Matrix

So oder so ähnlich muss wohl die Angst oder der Gedankengang derer sein, die alles, was dem Richter an jahrelang angefertigten Aufzeichnungen („Mobbing-Tagebuch“) oder ärztlichen Bescheinigungen vorgelegt wird, als nicht stichhaltig abtun.

Ich glaube nicht, dass die meisten Mobbing-Opfer vor Gericht scheitern, weil sie ihre Anschuldigungen nicht ausreichend belegen.
Ich glaube, sie scheitern, weil die Gerichte in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht bereit und in der Lage sind, Mobbing als Sachverhalt zu denken.

Damit sind sie Teil einer Gesellschaft, die die Augen vor der zunehmend um sich greifenden Unmenschlichkeit im Arbeitsleben verschließt.

Peter Teuschel

P.S. Ein Kommentar von Tam Tam hat mir gezeigt, dass ich mich etwas missverständlich ausgedrückt habe:

– Vom Arbeitsplatz wegkommen per Gerichtsverhandlung: Sollte kein Problem sein, daher eher gute Aussichten!

– Das Mobbing als solches brandmarken, Bestrafung der Mobber einklagen: Sehr sehr schwierig bis wenig aussichtsreich.

Ich möchte jedem Mut machen, vor Gericht zu ziehen, um weg zu kommen und kaum einem, um „Gerechtigkeit“ zu erlangen.

Ich hoffe, dass der Unterschied klar geworden ist.

18 Responses
  1. Ich habe es noch vor mir. Leider, noch keine Erfahrung, aber ich hoffe es geht gut aus. Deshalb habe ich auch einen super tollen DOC und einen hervorragenden RA. Danke das es diese Menschen gibt und man Ihnen Vertrauen kann.

  2. Der WEG ist das ZIEL. Klage einzureichen, und es zu versuchen!
    Leider darf man nicht auf „Gerechtigkeit“ hoffen bzw. damit rechnen. Das ist das Allerverdammteste daran.
    Es gibt kaum Richter, die ein Anti-Mobbing-Gesetz wollen und sich dafür einsetzen..

    Wie bei allem auf der schönen weiten Welt – sie wird von GELD regiert.
    Mobbingopfer sind die beste Verdienstquelle. Denn sie brauchen ALLES:
    Ärzte, Psychotherapie, Rehabilitation, Medikamente, Mobbingberater/Coaches, nochmal Medikamente, dann Anwälte, vlt. Mediatoren, etc…
    Was würde da an Einkommensquelle wegfallen, wenn sich die Mobbingopfer reduzieren?

    http://www.myheimat.de/berlin/kultur/geschaeftsmodell-mobbingberatung-und-praevention-d2596928.html

    • Mir klingt das ein bisschen zu sehr nach Verschwörungstheorie. Zumindest ich selbst könnte als Arzt gut auf Mobbing-Opfer verzichten bzw. habe keinerlei Interesse daran, dass Mobbing weiterhin Patienten produziert.

      • lieber herr dr. teuschel!
        das ist auch unsere erfahrung, und bisher habe ich von allen, die sich WIRKLICH FÜR mobbingopfer einsetzen, noch nichts anderes vernommen.
        sogar ein eigener verein für mobbingprävention, leiterin ist juristin und mediatorin, ist GEGEN ein Anti-Mobbing-Gesetz. Keine Opfer mehr – dann ist die Einkommensgrundlage verringert oder kaum mehr vorhanden.
        so gut wie KEINE öff. geförderten Stellen arbeiten mit unserer SHG zusammen, bzw. WOLLEN eine Netzwerkpartnerschaft. Grund?
        Wenn DIE weniger Kontakte haben, kriegen sie weniger Förderungen und Subventionen. Ehrenamtliche Selbsthilfe bedeutet: Diese Vereine haben Angst, ihr Klientel zu verlieren. Deshalb wird ehrenamtliche SHG Arbeit GENERELL als Gefahr angesehen. Und das berichte nicht nur ich – das sagen auch die SHG zu anderen Themen. KEINER will mit Selbsthilfe ZUSAMMEN arbeiten – AUSSER wirklich engagierte Menschen mit Kleinstvereinen etc., die ebenfalls systemkritisch(er) sind und nicht im Förderungsstrom versuchen, so viele wie möglich dorthin zu bringen.
        Hab das auch lange nicht geglaubt.. Aber die mittlerweile 1,5 Jahre Erfahrung haben mich zum gleichen Schluss kommen lassen.
        Die Bürgerinitiative von Walter Plutsch wurde in großen Zügen abgelehnt von einer Dame in der Psychotherapie-Führungsriege.

        Auszug eines Schreibens von mir: Lesen Sie mal den Beitrag des Kölner Rechtsanwaltes (mEn hat er Recht):

        http://wbnw.de/pdf/Schultze_Mobbing_am_Arbeitsplatz.pdf

        Auszug:
        1. An alle Politiker und entsprechend einflussreiche Experten, wie etwa Gewerkschafter, Wissenschaftler u.a. richte ich die dringende Bitte: Hört endlich auf, Euch immer wieder erneut mit angeblich fortschrittlichen Ideen, Konzepten und Vorschlägen in Sachen Mobbing
        zu Worte zu melden. Dies ist Flickschusterei und dient nicht den betroffenen Arbeitnehmern/innen zur existenznotwendigen Selbstermächtigung, sondern nutzt allenfalls Ärzten, Thera-
        peuten und Rechtsanwälten, die Mobbingopfern ihre qualifizierten Dienste anbieten und die damit letztlich nur ihre eigenen Gewinne steigern.

        Meine Zeilen:
        Die erwähnte Bürgerinitiative von Herrn Walter Plutsch zur Einbringung eines gesetzlichen Schutzes vor Mobbing
        http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/BI/BI_00009/fname_162036.pdf wurde unseren Infos nach sehr von jemandem aus der Psychotherapeutenriege abgelehnt (!).
        Diesbezgl. gibt es auch ein Video von Herrn Plutsch bei youtube. (ab 7. min. diesbez.)
        https://www.youtube.com/watch?v=9adVyw68sHs

        Ich weiß, wenn man selbst MENSCH ist, kann man das gar nicht glauben….

        Aber.. es gibt wenige, die wirklich engagiert sind – und viele, die nur in Geld denken..
        Beste Grüße,
        Eva

        • Ein wenig muss ich Eva recht geben. Sogar selbsternannte SHG bei mir in der nähe lassen sich Ihre Tätigkeit versilbern. Man wird sogar über eine Betriebsseelsorge an die Dame verwiesen. Und wenn man nicht mehr weiter weiss, am Ende ist, sucht man jeden noch so kleinen Strohhalm, egal ob er was kostet oder nicht. Und es gibt sehr wenige, die diese Ansicht wie Sie Herr Dr. Teuschel oder ein paar wenig andere so unterstützen und sich einsetzen. Danke dafür.
          Nur eines möchte ich auch sagen und da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Auch ich wäre gerne ohne Mobbing gewesen, bzw. seine Folgen.
          Andererseits habe ich dadurch sehr nette Menschen kennen gelernt. Und sei es nur hier in diesem BLOG. Der nichts kostet, nur seine Meinung und seine Zeit zum lesen und zu schreiben.
          Vielleicht gibt es ja irgendwann auch einmal die Möglichkeit hier ein Forum zu erstellen.

        • Sehe ich von der grundsätzlichen Aussage her ein. Aber werfen Sie nicht alle in einen Topf.
          Das vergrault die Guten, den Bösen ist es ohnehin schnuppe.
          Ich weiß schon: Politische Aussagen müssen polarisieren und vereinfachen. Deshalb bin ich ja so froh, dass ich Arzt geworden bin und kein Politiker. 🙂 Und seit ich selbst intensives Ärzte-Bashing durch Politik und Medien am eigenen Leib erlebt habe, ist meine Toleranz in diesem Bereich auf ca.+-~0 gesunken.

      • Sehr geehrte Herr Teuchel,
        in der Frage der Mobbingbekämpfung darf es nicht nur bei bloßen Lippenbekenntnissen und Präventionsangebote bleiben.

        Der Gesetzgeber muss uns, seine Bürgerinnen und Bürger, beim Aufstellen von Mobbingschutzregeln auch alle gleich behandeln.

        Solange die Täter/Innen und Unternehmen ungestraft bleiben, wird weiter gemobbt werden!

        Sie müssen sich nicht rechtfertigen oder angesprochen fühlen.

        Verschwörungstheorie? Warum so abwertend?

        Wir lassen uns nicht schlecht reden, es ist geradezu ein Ansporn für ein Mobbing-Strafgesetz zu kämpfen!

        Mit freundlichen Grüßen
        Klaus-Dieter May

        • Lieber Herr May,

          es gibt zwei Grundregeln beim Bloggen:
          1. Schreibe nichts über Religion
          2. Schreibe nichts über Politik
          Ausgenommen sind natürlich religiöse und politische blogs.

          Nachdem ich nun aber schon mal gegen Regel 2 verstoßen habe, ein paar Anmerkungen zur „Verschwörungstheorie“:

          “ … nutzt allenfalls Ärzten, Therapeuten und Rechtsanwälten, die Mobbingopfern ihre qualifizierten Dienste anbieten und die damit letztlich nur ihre eigenen Gewinne steigern.“

          Ganz ehrlich gesagt kann ich diese Aussage nicht ernst nehmen. Bei den Ärzten ist es doch so, dass sich kaum einer mit Mobbing auskennt. Zu mir kommen Menschen oft von weit her, weil sich in ihrem Umkreis niemand findet, der ärztliche Kompetenz in diesem Punkt hat. Das sage ich nicht zur Selbstbeweihräucherung, sondern weil es Tatsache ist.
          Bei den Therapeuten ist es genauso. Wenn ich ein Mobbing-Opfer an einen geeigneten Psychotherapeuten vermitteln möchte, was meinen Sie, wie viele fallen mir da ein? Vielleicht einer oder zwei in ganz München! In anderen Städten ist es ebenso. Ich kenne Mobbingberater aus Berlin, die schon ganz verzweifelt sind, weil kein einziger mobbingkompetenter Therapeut zur Verfügung steht. Die schicken schon keinen mehr zum Therapeuten, weil sich die Fälle von Retraumatisierung häufen.
          Und dann: Wie soll ich als Arzt oder Therapeut meine Gewinne durch Mobbing-Opfer steigern?
          Wer das schreibt, hat keine Ahnung von der gegenwärtigen Situation bei niedergelassenen Ärzten oder er ignoriert sie. In der Kassenmedizin sind Sie weitestgehend budgetiert. Wenn Sie da im Monat 10 Mobbingopfer mehr behandeln, tun Sie das umsonst! Ausnahmen sind privat Versicherte und Selbstzahler. Aber die Plätze für diese Gruppen von Patienten sind in den Praxen gezählt.
          Wie es bei den Anwälten aussieht, kann ich nicht beurteilen. Aber die Erwähnung von Ärzten und Therapeuten, die auf Kosten der Gemobbten ihre Gewinne steigern, ist barer Unsinn.
          (Anders z.B. beim Thema Burnout. Da fallen mir mehrere Kollegen ein, die mit fragwürdigen Methoden Kasse machen.)
          Um es klar zu sagen: Auch ich bin für ein Anti-Mobbing-Gesetz. Aber politische Propaganda mit Bedienung alter Klischees ist nicht meine Sache.

          Schöne Grüße

          Peter Teuschel

          • ” … nutzt allenfalls Ärzten, Therapeuten und Rechtsanwälten, die Mobbingopfern ihre qualifizierten Dienste anbieten und die damit letztlich nur ihre eigenen Gewinne steigern.”

            „Aber die Erwähnung von Ärzten und Therapeuten, die auf Kosten der Gemobbten ihre Gewinne steigern, ist barer Unsinn.“

            Sehr geehrter Herr Teuschel,

            ich denke, Sie haben da irgendwas missverstanden, weder die Ärzte, Therapeuten noch Rechtsanwälte habe ich kritisiert, auch habe ich nirgends behauptet, sie würden damit ihre Gewinne steigern!

            Sondern nur allgemein Vereine und gewerbliche Hilfsangebote für Mobbingopfer.

            Das Angebot wird immer unüberschaubar, aber auch die Fachliteratur/Ratgeber ( 1998 ca. 200, 2014 über 1.800) rund um Mobbing.

            Ich bin nicht nur für ein Anti-Mobbing-Gesetzt, sondern auch für kostenlose Beratungsangebote, z.B. wie die Antidiskriminierungsstelle.

            Damit ich in Zukunft kein „Unsinn“ mehr schreibe, sollte ich mein Engagement wohl doch einstellen.

          • Lieber Herr May

            nein, Ihr Engagement steht für mich seit Jahren außer Frage!
            Das Zitat und damit der „Unsinn“ stammt von RA Schultze. Darauf bezog sich die „Verschwörungstheorie“.

  3. Fakt ist doch: Mobbingberatung boomt!

    Dadurch wird es für die Betroffenen immer schwieriger einzuschätzen, welches Angebot das Beste ist.

    Alle haben angeblich die Patentlösungen um erfolgreich dem Psychoterror zu entkommen, aber es gibt keine Patentlösungen.

    Eigentlich für die Hilfesuchenden ein „Teufelskreis“ , die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, der damit eventuell verbundene soziale Abstieg, Arbeitslosigkeit, Hartz4, Krankheit, Verlust des Arbeitslohnes u.v.m. Wer dann in großer Not Hilfe und Unterstützung sucht, muss dann auch noch recherchieren, welches Hilfsangebot ist seriös, was für Kosten werden entstehen etc. Das alles macht die Situation der Betroffenen leider nicht einfacher.

    Mobbingberatung: Es boomt – Masse statt Klasse? (Diskussionsbeitrag): http://www.myheimat.de/berlin/ratgeber/mobbingberatung-es-boomt-masse-statt-klasse-diskussionsbeitrag-d2597628.html

    • Für manche Mobbinberatungen kann ich den Vorwurf der Geldmacherei nachvollziehen – aufgrund einiger Berichte von Betroffenen in letzter Zeit. Es ist in meinen Augen ein schmaler Grad. Kompetente Beratung wird immer ihren Preis haben und das zu Recht. Geldmacherei ist abzulehnen. Wie sollen Betroffene das unterscheiden?
      Dazu eine kurze Anmerkung aus eigenem Erleben: Vor einigen Jahren wollte ich eine Fortbildung für Psychotherapeuten anbieten: „Mobbingkompetenz“. Mir schwebte eine Fortbildung vor mit einem „Gütesiegel“, mit dem die Therapeuten auch etwas anfangen können. Dazu kontaktierte ich eine große Krankenkasse mit der Bitte um Zusammenarbeit (wohlgemerkt: ich wollte kein Geld!:)). Es wurde mir signalisiert, dass kein Interesse besteht.
      Ich glaube nicht an die Verschwörung einer gut verdienenden Lobby. Ich glaube an die weit reichende Ignoranz der Menschen.

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