Buchrezension: „Fettlogik überwinden“

Dem einen oder anderen werden die Comics von erzählmirnix ein Begriff sein. Auf diesem Blog erscheinen seit Jahren ausgezeichnete, weil stets einem Grundbedürfnis nach Logik folgende Comics der folgenden Art:

ignorant

Hinter dem Pseudonym erzählmirnix verbirgt sich die Verhaltenstherapeutin Nadja Hermann. Sie hat im Netz mittlerweile einige Berühmtheit erlangt, weil sie sich mit Verve in bestimmte höchst neuralgische Themen gestürzt hat, z.B. die Gender-Thematik. Nicht belegte Aussagen, verschwörungstheoretische Einstellungen, dumme Argumentationen nimmt sie mit Vorliebe aufs Korn und entlarvt diese in ihren Comics.

Vor einiger Zeit kam dann noch ein anderes Thema hinzu, das zunächst ebenfalls in den Comics, jetzt aber in einem Buch seinen Niederschlag fand: Das Thema Übergewicht und Abnehmen.

Das Buch heißt „Fettlogik überwinden“ und ist ein veritabler Mythenschredder für alle Halb-, Un- und Schrägwahrheiten zu diesem Thema.

Dass Reduktion von Übergewicht zu den eher schwierigen Unterfangen gehört, werden die meisten Menschen bestätigen können, die mit diesem Thema befasst sind. Neben unzähliger Literatur, Diätanweisungen, Abnehmpillen prägen vor allem bestimmte Einstellungen die Szene. Meist geht es darum, ob es besser ist, einem „schlanken Schönheitsideal hinterherzulaufen“ oder sein Übergewicht zu akzeptieren und sich „trotzdem schön zu finden“. Dass bereits diese beiden Formulierungen an der Sache vorbei gehen, ist unter anderem Thema von „Fettlogik überwinden“.

Nadja Hermann knöpft sie sich alle vor, die Mythen und Einstellungen, die oft von Generation zu Generation überliefert und ungefragt übernommen werden und hinter denen sich im besten Fall mangelnde Informiertheit verbirgt und die im schlechtesten Fall als Ausreden für ein gesundheitsschädigendes und das Leben verkürzendes Verhalten dienen.

Wie sieht es zum Beispiel mit Aussagen wie den folgenden aus:
– Ohne Sport kann man nicht abnehmen.
– Mein Übergewicht beeinträchtigt mich nicht.
– Tägliches Wiegen ist schlecht.
– Wer abnehmen will, sollte mehr Obst essen.
– Bevor ich abnehmen kann, muss ich erst herausfinden, warum ich dick bin.

Na? Stimmt das oder nicht?

Übrigens: Wem würden Sie ein Buch zu diesem Thema eher abkaufen? Einer Frau, die selbst sehr viel Gewicht abgenommen hat oder einer Wissenschaftlerin, die den Mythen mit massenhaft Studien zu Leibe rückt?

Das ist der wahre Clou von „Fettlogik überwinden“: Hier trifft beides zu! Es ist ein überaus ehrlicher und detaillierter Erfahrungsbericht einer wirklich dramatischen Gewichtsabnahme. Und es ist eine Sammlung von Studien, die zu jedem Thema eindeutige Aussagen treffen.

Ehrlichkeit, wissenschaftlicher Ansatz und glasklare Logik machen dieses Buch zu einer unwiderstehlichen Mischung.

Jeder, der mit diesem Thema befasst ist, sei es als Therapeut, Angehöriger, Freund oder als Betroffener, sollte dieses Buch lesen.

Erfreulicherweise gibt es auch eine Website zum Buch, auf der man mitdiskutieren kann.

Also: Fettlogik überwinden ist eine eindeutige Kaufempfehlung!

 

stoffw

Peter Teuschel

10 Responses
  1. Danke für die Rezension! Der Titel steht schon seit einer Weile auf meiner Merkliste der Bücherei, ist aber permanent verliehen. Macht nix – warten steigert die Vorfreude. Nach dieser Empfehlung hoffe ich nun, nicht enttäuscht zu werden 🙂

    Nur ob es dann hilft… 🙁

  2. *flüster* Der Nachname ist Herrmann. Und das fiel mir jetzt nur auf, weil ich aus ihrem Vornamen ständig „Tanja“ machen will und deshalb schon x-mal nachgeschaut habe…

  3. Hallo Herr Teuschel, vielen Dank für die schöne und informative Rezension! Ich habe schon mehrfach darauf verwiesen, wenn ich anderen Menschen das Buch weiterempfehle. Mittlerweile habe ich selbst auch eine Rezension online, zu lesen hier:

    http://www.nrw-alternativ.de/2016/08/04/dr-nadja-hermann-fettlogik-%C3%BCberwinden/?logout=1

    Am Ende des Textes verlinke ich auf Ihre Rezension – für alle, die mehr wissen wollen.

    Freundliche Grüße
    K. Angenent

  4. Hallo,
    nachdem ich sowohl das Buch „Fettlogik überwinden“ als auch das Buch der „Fettlöserin“ Nicole Jäger gelesen habe, habe ich festgestellt, dass viele Dinge sehr unterschiedlich gesehen werden. Allerdings glaube ich, dass es nicht unbedingt gesund ist, eine Gewaltkur mit 5oo Kalorien zu machen. Nicht jeder hat so viel Ahnung von Ernährung, dass er dabei keine Mangelerscheinungen bekommt, und außerdem ist es sicher besser, sein Verhalten generell umzustellen, was die Ernährung und Sport angeht, damit es auch langfristig klappt. Die meisten haben wohl nicht die extremen Gewichtsklassen der „Fettlöserin“ (340kg) oder der Nadja Hermann (15o kg), so dass 1-2 Pfund Abnahme pro Woche durchaus ausreichend sind,um in angemessener Zeit zu einem vernünftigen Gewicht zu kommen. Ich habe keine Lust, mich so intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen, dass ich Expertin sein würde und auch keine Lust, ständig zum Arzt zu rennen zwecks Blutuntersuchung. Abgesehen davon finde ich die Theorie der „Fettlöserin“, dass Fettzellen auch Giftstoffe enthalten, die dann bei einer Diät abgebaut werden und die Nieren und Leber belasten, durchaus einleuchtend, und dass man auch deswegen keine Gewaltkur machen sollte. Es sind ja auch schon extrem Dicke gestorben, weil sie zu schnell abgenommen haben. Aber Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was für ihn der richtige Weg ist.
    Silke

    • Das finde ich jetzt interessant: Sie tendieren lieber dazu, einer nach wie vor sehr übergewichtigen Person zu glauben, die nachweislich seit sie ihr Buch unter die Leute gebracht eher zu- als abgenommen hat als einer Person, die auf Idealgewicht abgemommen hat und ihr Gewicht seit 2 Jahren konstant hält? Und wenn Fettleibige sterben weil sie zu schnell abnehmen dann müsste ja jeder Magenbandträger oder jeder mit operativ verkleinertem Magen sterben, weil er zu schnell abnimmt und seine Nieren und die Leber zu stark belastet sind von den Giftstoffen. Zumal Frau Herman auf keiner Seite ihres Buches empfiehlt, nur 500 kcal pro Tag zu essen sondern beschreibt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend so wenig gegessen hat. Vielleicht sollten Sie das Buch nochmal lesen, denn offensichtlich haben Sie es nicht richtig verstanden.

      • Danke für die Antwort. Auch ich habe beide Bücher gelesen. Das der Fettlöserin zuerst und ich war generell begeistert vom Motivationsschub den sie mit ihrer schonungslosen Schreibweise bei mir ausgelöst hat, so dass ich alles was es zum Thema Abnehmen auf Youtoube incl. aller Nahrungsmitteldokus geguckt habe und mit Hilfe des Fettlogik-Buchs am Ende dann der Knoten platzte und ich endlich den Schlüssel zum Abnehmen und dauerhaften Halten meiner Abnahme gefunden habe. Nämlich eine Radikalbetrachtung all meiner Ernährungsgewohnheiten, der Kalorien und der Zusammensetzung meiner Nahrung und meiner Problemstellen dabei. Vor allem die Mengen waren bei mir das Problem. Ich habe mir geschworen, dass ich nichts mehr mache, was ich nicht mein Leben lang durchhalten kann und auch keinen Cent mehr fürs Abnehmen sei es für Weightwatchersprogramme oder sonstige Dinge bis auf vielleicht ein Premium-Abo einer Kalorienzähl-App. Und das funktioniert super. 30 kg sind seitdem schon weg, und es folgen die restlichen noch ganz entspannt. Dass Nadine Hermann sich immer diese 500 kcal vorhalten lassen muss finde ich armseelig, weil das keinesfalls den Inhalt des Buches wiederspiegelt. Mir hat diese Information, dass sie es eine zeitlang bettlägrig ohne Gehrinarbeit mit 500 kcal geschafft hat, gezeigt, dass das Defizit je nachdem wie man es in seinen Alltag integrieren kann so hoch sein kann wie man es selber geregelt bekommt und dass der Mythos des Du musst mindestens xy kcal zu Dir nehmen während einer DIät Humbug ist. Ich selber hab es zwischen 600 und 1300 kcal ausprobiert. Es funktioniert und es stellt sich bei Defizit ein gewisses Fastenhoch – hohe Konzentrationsfähigkeit, gute Laune etc. ein. Und es ist vor allem eine Sache guter Essensplanung um ein relativ hohes Volumen bei kleiner Kalorienmenge zu sich zu nehmen und vor allem möglichst viel Eiweishaltige Kost, weil die den Heißhunger weniger triggert wie Kohlehydrate, was nicht heißt, dass es bei mir während der Abnahme auch Nudeln, Reis und Kartoffeln gibt. Nur eben genau gewogen und berechnet um die Kontrolle zu haben. Hierdurch habe ich gelernt, welche Portionsgrößen und Zusammenstellungen der Ernährung günstig sind für mich. Es war harte Arbeit, die allein durch lapidares Lesen des Buches nicht alleine getan ist. Man muss sich schon genauer mit dem was man tut auseinandersetzen und bereit sein, sein Verhalten zu hinterfragen, zu ändern und Gewohnheiten umzustellen. Ich bin ein absoluter Genußmensch. Koche unheimlich viel und gerne, trinke gern guten Wein und ein gutes Bier und habe 1000 Ideen für Essen im Kopf. Das zeigt, dass ich nicht asketisch am Reiswäffelchen nagen will bis an mein Lebensende. Mit dem Wissen aus Frau Hermanns Buch bin ich endlich da wo ich seit 30 Jahren hin wollte. Bei einem leichteren Lebensgefühl, weniger Schuldgefühlen und Hass für meinen Körper und auf dem Weg schlank zu sein. Das intuitive Essen klappt zwar immer noch nicht ganz aber es wird besser, man darf nur die Achtsamkeit nicht verlieren und in die alten Muster zurückzufallen. Seien es sich einschleichende größere Portionen oder die hochkalorischen Gewohnheiten von früher wieder zu aktivieren. Ich danke jedenfalls der Autorin für dieses Werk und würde sie am liebsten feste umarmen und ihr eine Medaille verleihen. Aktuell höre ich das Buch von Mareike Awe und kann jetzt schon sagen, dass sie wenig Ahnung hat von den echten Problemen eines stark übergewichtigen Menschen und dem was ein solcher tun muss um schlank zu werden. Ein paar Mudras und der WIlle sich zu akzeptieren und seinen Körper zu lieben und Meditation für intuitives Essen reichen meiner Meinung hier keinesfalls aus. Es ist nur ein kleiner Schritt auf dem langen Weg in ein gesundes Essverhalten. Vorher steht auch der Weg dahin und vor allem eine Abnahme des zu Viel und hierbei gibt es nur eindeutige Ehrlichkeit, den eindeutigen Willen es wirklich anzupacken und schonungsloses Abwiegen und berechnen der Kalorienzufuhr um die Abnahme von 1 kg = 7000 kcal herbeizuführen immer wieder und wieder und sich selber so zu motivieren den Marathon zu laufen und nicht nach kurzer Zeit aufzugeben und während des Laufs das zu lernen, was gesundes Essverhalten ist um nach dem erfolgreichen Lauf das neue Leben mit dem neuen Eßverhalten weiter zu führen und das Gewicht zu halten. Alles andere, was alle versprechen – iss intuitiv und bewusst dann nimmst du schon irgendwann ab. Das sind idiotische Pläne. Schließlich bin ich mit intuitivem Essen da gelandet wo ich war – bei 50 kg Übergewicht und einer unnatürlichen Esssucht. Dass unsere Fettlöserin jetzt auf Comedy macht und sich nicht weiter um ihre Gesundheit kümmert bzw. mit der im Buch beschriebenen Weise mit 80 noch nicht ihr gesundes Gewicht erreicht hat tut mir unendlich leid. Sie sollte sich aus eigenem Interesse unbedingt mal mit dem Fettlogikbuch beschäftigen und die Motivation wieder aufbringen weiter zu machen, sonst werden wir auch ihren 50. Geburtstag nicht mit ihr feiern können. Leider sind das Fakten, die ich erst durch das Buch von Fr. Herrmann gelernt habe und die mich innerlich sehr getroffen haben. Es geht nicht um Schönheit beim Abnehmen es geht um ein leichteres, gesundes, selbst bestimmtes und möglichst wenig Krankheiten im Alter die einen bettlägerig oder bewegungseingeschränkt dahinvegetieren lassen.

  5. Ich habe Fettlogik jetzt mal ganz durchgelesen. Irgendwie weiss ich nicht, ob ich das Buch schlimm oder weniger schlimm finden soll. Eine Frau hat abgenommen – durch straightes Hungern – und missioniert jetzt.
    Sie ist besessen von ihrem Bauch und macht so Fotos in Serie, mit Datum und BMI.
    Und dann findet sie eine Menge Argumente GEGEN Dicke. Aufgefallen ist mir, dass sie Studien von 1997 zitiert – warum nimmt sie nix aktuelles? Sie guckt sich Filme von Magenverkleinerungs-OPs an – mit dem expliziten Ziel, sich vor Fett zu ekeln.
    Wie gesagt, ziemlich obsessiv mit Plänen, Kalorienzählen und Dickenbashing .
    Aber dann in den letzten Kapiteln erzählt sie, dass es bei ihr mit intuitivem Essen nicht hinhaut. Sie kann ihr Gewicht nicht halten, sie nahm ständig zu und war morbid adipös mit vielen Gesundheitsproblemen. Die Beobachtung, dass Ärzte nix sagen, ihr auch nicht helfen wollten, die haben wir hier ja auch schon diskutiert. . Da tut sie mir dann wieder Leid,und ich denke, nun ja, alles nicht so böse gemeint,
    …..
    Eine kritische Kritik, die mein Unbehagen sehr gut in Worte fasst, ist die hier: http://candybeach-editorial.blogspot.com/2017/02/ausgelesen-fettlogik-uberwinden-von.html

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