Von Menschen und Engeln

Heute habe ich ihn mal wieder gehört. Den berühmten Satz. Von einer Patientin, die das erste Mal bei mir war. Sie mag ihren Partner noch, sie respektiert ihn, aber sie liebt ihn nicht mehr. Und sie möchte frei sein.

„Ich will ja niemandem weh tun.“

Ich verstehe das gut. Wer will das schon?

Meine Antwort darauf: „Wie wollen Sie denn durchs Leben kommen, ohne je jemandem weh zu tun?“

Wir haben dann darüber gesprochen, wie wichtig und menschlich integer es ist, so zu empfinden. Und wie schwer, das umzusetzen. Das größte Problem dabei ist folgendes: Um dem Anderen nicht weh zu tun, ihm nicht das „Nein“ zu sagen, das unserer inneren Wahrheit entspricht, verbiegen und verformen wir uns. Wir gehen alle möglichen Kompromisse ein, die anfangs vielleicht noch lebbar sind, später aber immer fauler werden. Das unehrliche „Ja “ zum Anderen, das nur unserem „schlechten Gewissen“ entspringt, wird immer mehr zum „Nein“ zu uns selbst.

Es ist doch so: Manchmal ist das „Nein“ zu anderen Menschen die einzige Möglichkeit, zu uns selbst „Ja“ zu sagen. Auch wenn es sich um Menschen handelt, denen wir nicht weh tun wollen.
Wir sollen niemanden absichtsvoll verletzen.
Aber wir können unser Leben nur als Menschen leben und nicht als Engel.

„Everybody hurts“:

 

Peter Teuschel

3 Responses
  1. Danke! …
    Das passt ziemlich genau auf meine Situation gerade…. 🙁 …
    Wie schön wäre es, wenn man nie einen Menschen verletzen müsste…

    aber das für sich selber gut sorgen und für sich und das eigene Bauchgefühl einstehen…muss wichtiger sein…

  2. osterhasebiene langnase Antworten

    Stimmt absolut. Ist aber unglaublich schwer. Es fühlt sich an wie Krieg und ist es auch, aber so ist das Leben eben. Im Himmel können wir dann Engel sein, aber zuerst müssen wir kämpfen für unser eigenes Leben. Das Paradoxe daran ist wieder mal, dass wir dadurch auch anderen die „Erlaubnis“ geben zu leben und für sich selbst zu sorgen. Und am Ende entsteht so am ehesten das, was wir auf dieser Welt als „Friede“ zu verwirklichen im Stande sind.

  3. Geht vielen so, einen der solche Dinge gut vertonen und in Worte fassen kann, möchte ich hier zitieren:
    „Zwischen Zärtlichkeit und Wut, fass`ich zum Leben wieder Mut.“ (Konstantin Wecker)

Leave a Reply

Kommentar verfassen