Populismus in der Bütt: AKKs Gender-Attacke

Im Jahr 2018 wurde die neue Vorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer zur „Miss Homophobia“ gekürt. Hintergrund ist die deutliche Ablehnung der „Ehe für alle“, insbesondere aber die Vergleiche mit Polygamie und Inzest im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen.

Aktuell hat „AKK“, wie sie genannt wird, erneut einen sehr umstrittenen Beitrag zur Gender-Diskussion geleistet. Auf einer Karnevals-Sitzung ordnete sie Toiletten für das dritte Geschlecht folgendermaßen zu:

„Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.“

Jetzt kann man das als karnevalistischen Flachwitz empfinden, ähnlich den „Herrenwitzen“ vergangener Epochen. In ähnlicher Weise ist ja auch der Doppelname von AKK Thema „in der Bütt“ gewesen.

Aber genau darin, in der Verortung dieser Bemerkung auf eine Bühne der Ausgelassenheit und des zumindest bei Teilen der Bevölkerung so erlebten „Frohsinns“ sehe ich einen Teil des Problems.

Es führt ein feiner Pfad durch das unwegsame Gelände politisch korrekten und eben inkorrekten Gestrüpps. Der kürzlich verstorbene Karl Lagerfeld zum Beispiel war ein Meister politisch inkorrekter Bemerkungen. Man wusste stets, wofür und wogegen er stand, aber er wurde nicht beleidigend. Sein Stil in der Mode und im Leben insgesamt setzte sich in seinen Bemerkungen fort. Politisch unkorrekte Bemerkungen, die man nicht teilen musste, aber akzeptieren und goutieren konnte.

Was AKK im Karneval von sich gibt, ist dagegen stillos. Wer jetzt meint, das würde ja perfekt zu Fasching passen, dem widerspreche ich nicht.

Es handelt sich hier bestenfalls um eine politische Instinktlosigkeit, wahrscheinlicher aber eine kalkulierte erzkonservativ gemeinte Standortbestimmung. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich solche Bemerkungen eher bei Politikern der AfD erwartet als bei der Nachfolgerin von Angela Merkel.

Die öffentlichkeitswirksame Verunglimpfung sensibler Themen aus dem Gender-Bereich hat etwas Populistisches. Sie setzt sich nicht mit der Problematik auseinander. Jeder mag von diesen Themen halten, was er will, aber von der Vorsitzenden der CDU würde ich mir eine zumindest stilvolle Position erwarten. Die Problematik des dritten Geschlechts ist nur für Dumpfbacken ein Anlass zur Heiterkeit, nur für Menschen, die sich angstvoll in althergebrachten Positionen eingebunkert haben. Ich will diese Debatte hier nicht inhaltlich führen, mir geht es letztlich um etwas ganz anderes.

Einer Umfrage von vpnMentor zufolge wurden 73% der Befragten aus dem LBGTQ-Spektrum im virtuellen Raum Opfer persönlicher Angriffe, 50% wurden sexuell belästigt. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde ein Online-Leitfaden veröffentlicht, der die Bewegung in sozialen Netzwerken sicherer und geschützter machen soll. Ich darf ihn gerne hier verlinken.

Vor diesem Hintergrund des schwierigen Themas Cybermobbing sind Witze wie die von Annegret Kramp-Karrenbauer nicht nur flach, sondern gefährlich, weil sie ein Klima der Abwehr und der Abneigung gegen Menschen mit LGBTQ-Hintergrund fördern. Der konservative Standpunkt der Politikerin wird dadurch zu einem, hier wiederhole ich mich, populistischen, in dem er, abseits von sachlicher Diskussion, Vorurteile und Stereotype gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen als scheinbar legitimen Standpunkt etabliert. AKK vergiftet hier das soziale Klima, um, wie ich meine, am rechten Rand der Gesellschaft auf Stimmenfang zu gehen.

In der inszenierten Verteidigungsrede, die auf der Karnevalsbühne offensichtlich dazu gehört (man sehe mir bitte meine mangelnde Kenntnis solcher Gepflogenheiten nach) fiel dann der Satz, AKK „könne Kanzler“. Nachdem dieses Amt ja den Anspruch hat, alle Bürger gleichermaßen zu vertreten und niemanden aufgrund seiner z.B. sexuellen Orientierung auszugrenzen, bin ich gespannt, ob sich das bewahrheiten wird.

Peter Teuschel

Bild © Peter Teuschel

5 Responses
  1. Osterhasebiene Antworten

    1. hat die Kanzlernachfolgerin in spe wohl das Grundgesetz nicht ganz parat: Gleichheit der MENSCHEN, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Schutz von Minderheiten…
    2. die ur-christlichen Werte der MENSCHENliebe
    Narren sprechen die Wahrheit, da hat sie sich im Schutz der Narrenfreiheit selbst geoutet. Natürlich ist diese Idee der „dritten“ Toilette Schwachsinn in meinen Augen und trägt auch nicht dazu bei Frauen (oder andere Minderheiten) vor Idioten zu schützen. Was bei AfD und Co aber dominiert ist Angst. Und Angst wird zurzeit verbreitet wie ein Virus.

  2. In der E-welt ist nichts sicher, (fast) alles kann manipuliert werden. Dagegen kann man nichts machen. Es ist das Idealfeld fuer Mobber, Populisten …

  3. Lieber Herr Teuschel, Ich teile Ihre Meinung nicht. Um Mißverständnisse auszuschließen: Ich ergreife nicht Partei für Frau Akk, sie muß sich für mich erst noch beweisen. Ich bin aber der Meinung, daß man die Kirche im Dorf lassen sollte und nicht hinter jedem geschickten oder ungeschickten Joke ein Gefahr sehen sollte. Dies gilt für mich auch für Faschung, den viele als Möglichkeit sehen, Dinge zu sagen , zu denen sie sonst zu feige sind. Ich halte es hier mit Oliver Welke, Tagesthemen Fr, der Frauen mit fast nackten Brüsten zeigt und damit den blöden Teil von Fasching mit der Bemerkung kommentiert: Es sind noch Möpse da. Herrn Welkes kann man mit Sicherheit keinen Sexismus unterstellen. Dennoch wird es auch hier wieder ein paar Puristen geben…
    Im Übrigen glaube ich, daß mit dieser Bemerkung um die dritte Toilette, sich die Gedanken machen werden, die davon nichts wußten. Und: Für die Betroffenen könnte es beim Gang auf diese Toilette zunächst ein Spießrutenlaufen werden, solange keine Aufklärung stattgefunden hat.
    Ich finde daß vielerorts Diskussionen um des Kaisers neue Kleider geführt werden. Hier muß die Bezeichnung “ Mohrenkuß“ wegen Rassismus abgeschafft werden. Jetzt ist der Sarotti-Mohr dran. Ich denke nicht daran, unsere beiden Porzellan – S-mohren in die Tonne zu tretten, nur weil vielleicht jemand auf die Idee kommen könnte, wir wären rassistisch (sollen sie doch denken, was sie wollen).
    Und dann gibt es da noch einen Punkt: Die Deutschen wurden jahrelang als die „Krauts“ bezeichnet. Wir Deutsche haben dies unterwürfig und masochistisch wie wir sind ( ohne Stolz), kommentarlos ertragen. Das Positive an dieser Geschichte (abgesehen davon, daß es gesund ist), überzeugte Sauerkrautesser gibt es u.a. im Elsaß maßenhaft. Das Sauerkraut ist sogar schon lange in der gehobenen Küche angekommen. Also: Ich bin für eine entspannte, der Sache gerechtwerdenden Diskussion. Justina

    • Der Unterschied liegt für mich darin, dass Oliver Welke Witze über Frauen (oder Männer) macht, also über Mehrheiten, die das locker abkönnen. Glauben Sie, dass Welke solche Scherze über Minderheiten machen würde? Ich nicht, denn er ist Profi. Politisch unkorrekte Witze schätze ich sehr, denn die meist selbsternannte Sittenpolizei ist mir zuwider. Noch mehr zuwider ist mir allerdings, wenn eine anerkannt homophobe Politikerin Flachwitze über sexuelle Minderheiten ablässt. Das finde ich nicht witzig, sondern bedenkenswert und ja, gefährlich. Bei Mohrenkuss, Krauts usw. bin ich ganz bei Ihnen, das finde ich lächerlich.
      Natürlich ist das eine sehr subjektive Angelegenheit, aber vor dem Hintergrund eines Präsidenten Donald Trump ist meine Toleranz bei Witzen auf Kosten von Minderheiten, die ultrarechte Wählerschichten bedienen, nahe Null.
      Danke in jedem Fall für Ihren Beitrag, ich bin immer froh, wenn hier kontrovers diskutiert wird!
      🙂

  4. Nachtrag:
    1.) Frau AKK hat den Grünen und der SPD konstruktive Zs.arbeit angeboten. Auch dies könnte man als populistisch und als Versuch Stimmen abzugraben, bezeichnen.

    2.) In den Nachrichten im HR wurde heute von einer Schweigeminute für den verstorbenen Thomas Haller berichtet. Er wurde in Chemnitz für seine Verdienste (???) gewürdigt. Selbige bestanden darin, daß er als Neonazi eine rechtsradikale Gruppierung gegründet hat. Wird der Hr deshalb an den rechten Rand gerückt werden müssen? Wohl kaum. Dennoch wird es auch hier irgendwelche Irrgeleitete geben, die dies als Bestätigung ihrer eigenen fehlgeleiteten Gesinnung nehmen werden. Man wird immer und überall Rechtfertigungen für sich selber finden können, auch mit blöden Faschingsjokes. Justina

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