Offener Brief an Konstantin Wecker

 

Lieber Konstantin Wecker,

ich schreib jetzt einfach mal im Du. Weil das, was ich sagen will, ist per Sie nicht so schön zu formulieren.

Dein Post auf facebook über die unsäglichen Anwerfungen aus der rechtsdeutschverqueren Szene ist wunderbar. Ich kann jeden Satz nur unterstreichen.

Bis auf einen: „Da hilft nur noch ein Psychiater.“

Lieber Konstantin Wecker, ich bin Psychiater. Seit fast 20 Jahren in München niedergelassen. Du wirst es (vielleicht) nicht mehr wissen, aber Du hast vor einigen Jahren das Geleitwort zu einem Buch von mir geschrieben: „Schattenreich“ heißt es und ich habe darin Gedichte meiner Patienten herausgegeben, den Erlös einem guten Zweck („BASTA„) gespendet.

Und das bringt mich zum Thema: Bitte setz meine lieben Patienten, die an Depression, Angststörung, Schizophrenie, Traumafolgen und solchen wirklich schlimmen Dingen leiden, nicht gleich mit Pegida und Konsorten.

Das haben die wirklich psychisch Kranken nicht verdient!

Zumindest ich will keine verdrehten Stänkerer, Hassmailschreiber und geifernde Montagsdemonstrierer behandeln. Denn die sind nicht psychisch krank. Die sind fehlgeleitet oder böse oder dumm oder frustriert. Im besten Fall sind sie einfach nur deppert. Aber das ist keine Krankheit. Das kann man nicht behandeln. Da muss man anders drauf reagieren.

Vielen Dank, dass Du Dir treu und vielen von uns ein Vorbild bleibst!

By Monster4711 (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

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Peter Teuschel
17 Responses
  1. Als Patentin Ihrer Praxis danke ich für diesen einfühlsam geschriebenen Offenen Brief an Konstantin Wecker. Es ist schwer genug, wenigstens ein Minimum an gesellschaftlcher Akzeptanz zu erreichen, wenn das Seelchen einen Knacks hat und man dazu stehen möchte ..

  2. Lieber Hr. Dr.Teuschel,

    Ich glaube, ich muss mir doch mal einen „Teuschel“ unter den Weihnachtsbaum legen. 🙂

    Für den Beitrag ist m. E. der Stilbruch vom „Sie“ zum „Du“ durchaus auch unangekündigt völlig gerechtfertigt.

    Schlimm genug und unfassbar, was gerade in der Welt geschieht.
    Noch schlimmer, dass sich menschliche Dummheit und Borniertheit so verbreiten kann.

    Die Leute sind nicht krank, sie leiden ja nicht an sich und für sich schon gar nicht.
    Sie lassen leiden und das mit einer erschreckenden und grotesken Intoleranz.

    Dass sie dabei genauso hinterhältig, feige hinter ihrer Tastatur versteckt nicht besser sind als jeder Rassist, Dhihadist, Pegidist und was für ISTEN es noch so gibt, die die Würde des Einzelnen so massiv mit Füßen treten, für sich selbst jedoch unbesehen einfordern, scheint ihnen dabei auch nicht bewusst zu sein und wahrscheinlich auch nie werden.
    Um jemanden zu töten, im Namen seiner Religion oder festen Überzeugung bedarf es keines Sprengstoffgürtel oder Kugelhagels.

    Vielen Dank, das Sie ein wahrhaftiges Sprachrohr für die wirklich psychisch Kranken sind!

    Sophie

  3. Ganz unabhängig von Ihrem Offenen Brief oben, lieber Herr Teuschel: Konstantin Wecker ging mir schon immer auf den selben. Koksende Weltverbesserer sind für mich unglaubwürdig, ob sie nun Wecker oder Friedman heißen.

    • Das tut gut. Danke!
      Konstantin Wecker hat so viele Anhimmler … da kam ich mir schon ganz allein vor … so mit meiner Skepsis-Falte, die meine Stirn immer dann ziert, wenn sich Etablierte in ihrer Wanne voll von selbstbeweihräuchernder Großmütigkeit baden.

  4. „Koksender Weltverbesserer“ ! Was für eine seltsame, diffamierende, unqualifizierte Äußerung ! Im Übrigen geht es darum nicht, also auch noch Themaverfehlung.
    Lieber ein Weltverbesserer als ein Weltverschlechterer.
    Lieber ein pazifistischer Utopist, als ein faschistoider Realist.
    usw…..
    Aber ihr Wortspiel, Herr Nunhofer, mit dem Wecker hat wirklich Niveau: Grundschulniveau !

  5. Dank Dir auch Osterbiene, für den Kommentar!! Ich komm` mir nämlich vor wie ein beschissener Moralist, wenn ich sowas schreibe. Aber irgendwas muß man doch sagen gegen diese Weltvergifter…
    War mir wichtig Dein kurzer Kommentar!

    • @jazzfeeling

      Das bist Du unter Garantie nicht, auch wenn es sich so anfühlen mag.
      Von einem Psychiater (Christian Nunhofer) erwarte ich zumindest in der Öffentlichkeit mehr Empathie und Toleranz.
      Sein Worte sind schlichtweg diskriminierend.
      Vielleicht hat er keine Suchtpatienten, weil er ihnen ohnehin keine zweite Chance geben würde, da sie für ihn alle unglaubwürdig sind.

    • osterhasebiene langnase Antworten

      Ein Moralist bist Du ganz bestimmt nicht, jazzfeeling. Den Job machen andere. Es war genau die richtige Reaktion. Ich fühle genauso! Ja, gegen Weltvergifter sollte man sich deutlich abgrenzen und das Positive und Schöne schützen.

  6. Danke! Heute vor sechzig Jahren blieb Rosa Parks einfach sitzen! Sie antwortete auf die Anordnung des Busfahrers, ihren Sitzplatz für einen weißen Fahrgast zu räumen, mit NEIN !
    Dazu fällt mir ein Lied von Konny Wecker in den Sinn:
    „Sag Nein !“

    • Es hat mich sehr gefreut, dass Sie diese Frau erwähnen, die den Mut aufbrachte, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren. Zur damaligen Zeit war das ein riskantes Unterfangen und es hatte oft
      schlimme Folgen für diese Person. Dazu gehört wirklich Mut und vielleicht sogar der Wille, das eigene Leben in Gefahr zu bringen oder sogar zu opfern. Sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung einzusetzen, hat vielen Menschen das Leben gekostet.
      Es sind oft einfache Menschen, wie Rosa Parks, die ein Gespür dafür haben, wann die Zeit gekommen ist, sich gegen Ungerechtigkeiten, die seit Generationen vorbehaltlos hingenommen und akzeptiert werden, zu wehren. Das macht Hoffnung und es ist ein Glück, dass es eben nicht nur hoffnungslose oder zynische Menschen gibt, die sich mit allem abfinden oder über alles höhnen.
      Ich werde oft gefragt, warum ich immer (ohne Ausnahme) von meinem Wahlrecht Gebrauch mache, wo doch ohnehin alles sinnlos wäre, die Parteien würden eh nur ihre persönlichen Interessen vertreten, die Politiker wären korrupt (und vieles mehr). Ich sage dann immer, dass es als Frau meine Pflicht wäre, denn es gab eine Zeit, da war es den Frauen nicht erlaubt zu wählen, sie hatten kein Wahlrecht und es musste erst von den Frauen erkämpft werden. Der nächste Schritt war, dass immer mehr Frauen Politikerinnen wurden und öffentliche Ämter bekleiden. Wenn ich also von meinem Wahlrecht Gebrauch mache, dann erweise ich diesen Frauen, die das Wahlrecht einst für mich erkämpften, auf gewisse Weise meinen Respekt, den sie auch verdienen. Es ist meine Art an sie zu denken und sie für das, was sie getan haben, zu respektieren.
      Die meisten Menschen sind verlegen und manche machen mich auch hinter meinem Rücken lächerlich für diese Äußerungen, aber es ist meine Überzeugung, für die ich mich auch nicht schäme.

      Als Sie also an Rosa Parks erinnert haben, da habe ich mich gefreut, dass es Menschen gibt, die ähnlich empfinden wie ich. Man erweist damit diesen Menschen die Ehre, die ihnen auch gebührt.

  7. Liebe Osterhasebiene-Langnase
    Mit solch einer offenen und herzlichen Rückmeldung auf meinen Kommentar habe ich gar nicht gerechnet und mich sehr darüber gefreut. Ihre herzlichen Grüße möchte ich gerne erwidern und
    dazu sagen, dass es mich freut, wenn Sie sich durch meine Kommentare manchmal angesprochen fühlen. Es ist angenehm ein Teil dieser schwarzen Herde zu sein und der respektvolle und offene
    Umgang miteinander gibt mir persönlich das Gefühl, nicht unerwünscht zu sein.

  8. osterhasebiene langnase Antworten

    Liebe Frida, ich weiß nicht genau warum, aber bei Ihren Kommentaren bekomme ich ganz oft feuchte Augen, weil ich so berührt bin. Vielleicht liegt das daran, weil sie so authentisch sind, dabei so unaufdringlich und schlicht. Mir persönlich gibt das sehr viel. Ich freue mich immer sehr, Texte von Ihnen zu lesen und empfinde das als großes Geschenk. Ich wünsche Ihnen, dass Sie niemals denken, unerwünscht zu sein und freue mich auf (hoffentlich) noch viele Kommentare von Ihnen.

  9. Ich finde es sehr prägnant,
    das sich Konstantin Wecker sehr gut mit mir identifizieren konnte.
    „Aber in vielen dieser Texte habe ich mich und mein Suchen durchaus wieder gefunden,in der „Totgeburt „genauso wie im „Lebensbaum“.
    Ich habe schon immer einen Hang zum Kosortentum gehabt,
    schade das es prominente Nachahmer gibt !

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