Haudrauf der Woche: Jan Feddersen (taz)

Zugegeben, manche bezeichnen es als ein typisches Sommerloch-Phänomen.

Mich hat aber die im Netz geführte Debatte um die sexuelle Orientierung von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) aus einem bestimmten Grund sehr unangenehm berührt.
Natürlich stehen Politiker immer in der öffentlichen Beobachtung und auch in der Schusslinie von Journalisten, die um jeden Preis auffallen wollen.

Hier zunächst das Zitat von Peter Altmaier aus der BILD-Zeitung, an dem Feddersen andockt:

»Ich bin ein sehr geselliger und kommunikativer Mensch. Doch der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet und allein durchs Leben gehe. Deshalb kann in den Archiven auch nichts über eine Beziehung stehen. Ich hadere nicht mit meinem Schicksal. Wenn es anders wäre, wäre ich längst verheiratet oder in einer festen Beziehung. Aber ich hatte und habe immer eine kleine Zahl guter Freunde, mit denen ich über alles reden kann.«

 

 

Der betreffende Artikel der taz ist nicht mehr im Netz nachzulesen, wohl aber das Zitat, in dem Feddersen über Altmaiers sexuelle Gesinnung spekuliert:

„Das klingt alles so uneigentlich, so vage: untypisch Altmaier. Also beginnen wir hier mit der Dechiffrierung, die sich notgedrungen mit Fragen behelfen muss: Spricht Altmaier so, weil in der CDU gute Laune und Nichtverehelichung nicht zusammengehen dürfen? Stellt er sich moralisch für den Bundestagswahlkampf auf, um das Thema des Nichtverheiratetseins nicht angeheftet zu bekommen — vor allem nicht durch krass konservative Wähler? Oder meidet er eventuell das Thema H … und das schlimme Sch …-Wort, weil er keine Lust haben könnte, der erste offene H … seiner Partei im Bundesministerrang zu sein?

Auch Bild am Sonntag hat sich nicht getraut, die direkte Frage zu formulieren: »Herr Minister, bei aller Liebe zu Gorleben und zur Endlagerfrage, aber: Sind Sie sch …?« Da die taz weder outet noch dementiert, gleichwohl den Sprechton verstopfter Flöten nicht schätzt, hätten wir gern Erläuterung. Denn irgendwie passt dieses pseudobarocke Schwurbeln nicht zu diesem Minister: Er, die einzige gute Idee, die Merkel noch hatte, hat es nötig, so zu hüsteln und zu brüsteln? Kaum zu glauben.“

Hier scheint mir doch eine Grenze überschritten.

Ein öffentliches Spekulieren über die sexuelle Orientierung eines Menschen erinnert mich doch sehr an Schmähschriften und das Verbreiten von Gerüchten in sozialen Netzwerken. Derlei schreibt man meist Teenagern zu – sowohl was die mobbende Absicht betrifft als auch die sexualisierte Themenwahl.

Ähnlich sah es wohl auch die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl. Sie ließ den entsprechenden Artikel von Feddersen aus dem Netz nehmen und schrieb:

„Politisch wie moralisch ist die sexuelle Orientierung eines Menschen irrelevant. Sie ist Privatsache. Entsprechend sollte sich die taz weder an Zwangsoutings noch an Gerüchten über die sexuelle Orientierung beteiligen.“

 

 

Für die pubertär-pöbelnde Attacke gegen die persönliche Freiheit, die sexuelle Orientierung wie auch deren Offenlegung selbst zu bestimmen, erhält Jan Feddersen von mir den „Haudrauf der Woche„.

Peter Teuschel

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