Haudrauf der Woche: die Sportredaktion von sky

Endlich wieder Champions League!

Nachdem wir uns in München von der traumatisch verlaufenden Endspiel-Pleite gegen Chelsea halbwegs erholt haben, geht es mit neuer Hoffnung und neuem Spaß wieder los.

Dazu gehört auch eine gelungene Berichterstattung während des Spiels und natürlich Interviews mit Spielern, Trainern und den so genannten Experten nach dem Abpfiff.

Allerdings hat der Profifußball und die dazu gehörige Medienlandschaft auch schwierige Themen.

Beispielsweise wurde in den letzten Wochen ausgiebig diskutiert, ob sich schwule Bundesliga-Profis outen sollen oder nicht. In der Regel hört man hier die Meinung, dass das für den Betreffenden fatal wäre. Und wirklich, rund um das Thema Fußball scheint die (männliche) Welt irgendwie stehen geblieben zu sein. Da ändern auch schwule Fanclubs und angeblich aufgeklärte Berichterstattung nichts daran.

Deshalb hat Vieles, was sich so rund um den Fußball im TV abspielt, auch etwas Stammtischhaftes und rückständig Machoartiges.

Ein gutes Beispiel hierfür war die Berichterstattung der ersten CL-Runde im Pay-TV-Sender sky. Da saßen dann neben dem sky-Redakteur die Experten (natürlich nur Männer) in bequemen Stühlen und plauderten über das Abschneiden der Bundesliga-Teams.

Alles gut, alles lustig, schau ich gerne an.

Aber dann betraten zwei Frauen das Studio. Beide so vom Typ „Assistentin“.
(Kennt das noch jemand? Bei frühen Shows der Fernsehgeschichte hatte jeder Quiz- oder Talk- oder sonstwie-Master eine Assistentin. Diese diente lediglich als attraktives Accessoire. So etwa wie die Helferin eines Magiers, die das Publikum durch Dekolleté und Minirock vom Gemauschel des Zauberers ablenken soll.)

Eine der beiden Damen im dunklen  Business-Outfit trug ein Tablett mit vier Wassergläsern. Neben jedem der prominenten Herren blieb sie stehen und die andere der beiden Model-Kellnerinnen stellte vor jeden ein Glas auf den Tisch. Natürlich hätte dafür auch eine Dame gereicht, da es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, mit der einen Hand ein Tablett zu halten und mit der anderen das Glas abzustellen.

Nachdem im Verlauf der Sendung jede Menge Spielzusammenfassungen, Ausschnitte und Interviews eingeblendet wurden, hätte die Versorgung mit Trinkwasser auch unauffällig während dieser Redepausen erfolgen können. Der Auftritt war also gewollt und inszeniert.

Attraktive Frauen als schmückendes Beiwerk für selbstgefällig räsonierende Ex-Fußballer und Sportreporter. Aber nicht nur attraktiv: Durch den Einsatz von zwei Damen für einen Arbeitsvorgang wurde auch der Eindruck erweckt, dass die beiden von dieser einfachen Tätigkeit schon an den Rand der Belastbarkeit gebracht wurden. Dadurch wurden sie als Dummerchen hingestellt, die zwar hübsch, aber denkbar unpraktisch sind. (So nach dem Motto mancher Blondinenwitze: Wie viele Blondinen sind nötig, um ein Glas Wasser zu servieren?)

Ich möchte nicht als Verfechter von political correctness missverstanden werden. Aber ich denke, gerade ein moderner Sender wie sky könnte und sollte dem oben erwähnten tumben Machismo etwas entgegensetzen. Eine Zuweisung der Geschlechterrollen wie in der CL-Sendung passt leider wie der Schlüssel ins Schloss zur Gesinnung all derer, die beim Thema Fußball in steinzeitlich anmutende Primitivität zurückfallen.

Schwulenfeindlichkeit oder Frauen-Diskriminierung sind einfach nur dumm und echte Fußball-Fans sollten sich klar davon abgrenzen.

Das möchte ich hiermit tun, indem ich der Sportredaktion von sky für ihren Beitrag zum Rollenverständnis des prähistorischen Mannes den „Haudrauf der Woche“ verleihe.

Peter Teuschel

 

 

3 Responses
  1. Fußball ist halt leider immer noch rassistisch, sexistisch und homophob, so traurig das ist.
    Diesbezüglich sind auch die Öffentlich-Rechtlichen nicht besser als Sky; wenn Sie mal schauen, wo die Kamera hin und wieder bei Übertragungen „hängen bleibt“: Brüsten. Vielen Brüsten. Mit ab und zu Frauen dran. Hübschen Frauen.
    Hässliche gehen anscheinend nicht in Stadien…

    • Eine geschätzte Leserin Antworten

      Sehr schön ausgedruckt!
      Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Und leider Gottes sieht nicht nur vor der Kamera so aus.
      Auch „hinter den Kulissen“ spielt es sich genauso ab. Das VOR der Kamera spiegelt nur das Bild des Unternehmens. Leider!
      Oftmals schäme ich mich, genau wegen solchen Situtaionen/Beiträgen zu erwähnen, dass ich ein Teil dieses Unternehmens bin.

      Viele Grüße
      Eine geschätzte Leserin

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