„Genesungshelferinnen“ in der psychiatrischen Tagklinik

Ein neues Modell

Die Fachhochschule Potsdam berichtet über ein interessantes Projekt.
13 Studierende des Fachbereichs Sozialwesen haben ein mit einem neuen Ansatz gestartetes  Therapiekonzept der im Jahre 2009 gegründeten psychiatrischen Tagklinik Charlottenstraße evaluiert.

In einer Tagklinik wird versucht, die Vorteile stationärer und ambulanter Behandlung zu kombinieren.
Tagsüber sind die Patienten in der Klinik und nehmen dort an verschiedenen Therapieangeboten teil. Abends fahren die Patienten nach Hause und übernachten daheim.
Tagkliniken eigenen sich demnach für Patienten, die von einer intensiven Therapie profitieren können, aber nicht so krank sind, dass sie stationär aufgenommen werden müssen. In vielen Fällen stellt die Tagklinik auch für stationäre Patienten einen Zwischenschritt zur ambulanten Behandlung dar, durch den sie ihre Belastbarkeit erproben können.

 

Die Besonderheit der in Potsdam eröffneten Tagklinik besteht in der Zusammensetzung des Personals. Neben den üblichen Berufsgruppen wie Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen und Pflegepersonal sind hier auch zwei so genannte „Genesungshelferinnen“ im Einsatz. Diese fest angestellten und im Team voll integrierten Frauen sind eine Psychiatrie-Erfahrene und eine Angehörige eines psychisch Kranken.

 

Für die Patienten stellen diese beiden Personen eine offenbar willkommene Möglichkeit dar, mit ehemals Betroffenen ihre Probleme und Ängste sowie auch ganz konkrete Planungen für die Zeit nach der Entlassung zu besprechen.

Zusammenarbeit im Sinne des Patienten

Die enge Verzahnung zwischen den üblichen professionellen Strukturen innerhalb psychiatrischer Einrichtungen mit externen Organisationen hat große Vorteile.
Ich selbst kann mich gut erinnern an die wertvolle Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen während meiner Tätigkeit im Suchtbereich. Der Besuch der Anonymen Alkoholiker, des Kreuzbundes oder des Blauen Kreuzes bereits während des stationären Aufenthaltes mit dem Knüpfen erster Kontakte mit ebenfalls Betroffenen erleichterte vielen Patienten den Übergang zur ambulanten Phase ihrer Behandlung.

Eine Einbeziehung Psychiatrie-Erfahrener sowie Angehöriger in den Klinikbetrieb wird hier und da bereits praktiziert, allerdings mehr in Form von Vorträgen, Diskussionsrunden und ähnlichem.

Die Erweiterung des Teams um Mitarbeiter aus diesem Erfahrungsspektrum ist mir allerdings neu. Aus der eigenen Erfahrung halte ich es für eine Bereicherung des Angebots gerade einer Tagklinik. Darüberhinaus sind solche Verbindungen immer eine gute Möglichkeit, gegenseitige Vorurteile abzubauen und zu gemeinsamen Anstrengungen im Sinne einer sinnvollen Patientenversorgung gerade im Nahtbereich zwischen stationärer und ambulanter Behandlung zu gelangen.

Einschränkend sei hinzugefügt, dass auch hier das größte Problem in der Finanzierung des Modells durch die Krankenkassen besteht, da nach den Worten des Ärztlichen Leiters der Klinik, Christian Kieser, gerade der ambulante Sektor nicht ausreichend finanziert wird.

Peter Teuschel

Fachhochschule Potsdam

Bericht in der Märkischen Allgemeinen

One Response
Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.