Anti-Mobbing-Strategien sind Strategien gegen – na?

Two young girls bullying other young girl outdoors

Bildquelle: Fotolia (© Monkey Business)

Ein Stuttgarter Gymnasium ist jetzt in die Schlagzeilen geraten.

Nach einer intensiven Unterredung mit Lehrkräften wurde ein zwölfjähriger Schüler von seinen Eltern zum Kinderarzt gebracht, der einen psychischen Ausnahmezustand feststellte. In der Folge kam es bei dem Schüler zu Schlafstörungen und Weinanfällen.

Was war passiert?

An der Schule war bei dem Zwölfjährigen die so genannte Farsta-Methode praktiziert worden. Diese kommt als eine von wenigen anderen Alternativen bei Mobbing-Vorfällen in der Schule zur Anwendung. Die Philosophie dahinter ist die Konfrontation eines Mobbers mit seinen (Un)taten mit dem Ziel, eine Verhaltensänderung zu erreichen. Es ist eine akzeptierte und bewährte Methode, für die klare Handlungsanweisungen existieren. Es gibt auch andere Herangehensweisen, zum Beispiel den so genannten „No blame approach„. Hierbei wird mit „sanften“ Mitteln versucht, beim mobbenden Jugendlichen Einsicht zu wecken, ohne große Anschuldigungen zu erheben.

Kennt man sich mit Mobbing aus, wird man die Farsta-Methode als gute Herangehensweise schätzen.

Immerhin ist dies einer der wichtigsten Unterschiede zu Mobbing am Arbeitsplatz, dass man bei Vorfällen in der Schule meist Zugriff auf den Mobber hat. Das sollte natürlich genutzt werden, um die Mobbing-Handlungen gezielt zu unterbinden.

Nach dem Vorfall in Stuttgart soll die Farsta-Methode laut Schulaufsicht in diesem Gymnasium nicht mehr angewendet werden.

Was ist da schief gelaufen?

Wie die Schule selbst eingeräumt hat, hat der betreffende Schüler „kein planmäßiges Mobbing im eigentlichen Sinne“ ausgeübt!

Und da stehen mir dann doch die Haare zu Berge.

Wenn ich als Schule schon eine Anti-Mobbing-Strategie habe (was sehr lobenswert ist!), dann muss ich natürlich auch über Mobbing informiert sein. Und es gibt mittlerweile ja wirklich einiges an Literatur, in der die Definition von Mobbing und die Abgrenzung gegen andere Konfliktformen nachzulesen sind.

Fatalerweise ist diese Einschätzung ja wohl auch erfolgt, der Junge hat nicht gemobbt, das wird jetzt auch zugegeben.
Warum dann eine für Mobbing-Fälle entwickelte Intervention angewandt wurde, bleibt die große Frage.

Ergebnis: Eine wichtige Methode zur Unterbindung von Mobbing an Schulen soll nicht mehr angewendet werden.

Leidtragende dieses Vorfalls sind (neben dem betroffenen Jungen) alle realen Mobbing-Opfer, denen mit diesem Unsinn ein Bärendienst erwiesen wurde.

Peter Teuschel

 

One Response
  1. Wie kann man sich Pädagoge „schimpfen“, und sich so verhalten? Ohne Voranmeldung aus der Stunde holen, eine laaaaaaaange Stunde warten lassen – wo einem Schüler wohl alles mögliche durch den Kopf geht… dann in ein fensterloses Zimmer – alleine mit einem bekannten und zwei völlig fremden Lehrern.. und dann voll die Presse angesetzt… mein Gott, was haben diese Lehrer jemals von Pädagogik verstanden? Ganz abgesehen davon, dass ein 12-jähriger, nach einer Stunde verängstigtem Warten ohnehin schon in einer Ausnahmesituation ist! Mir scheint, dass die Lehrer dies zum Anlass genommen haben, mal ihren ganzen Unmut der letzten 2 Wochen zentriert abgelassen zu haben… Wie kann einem sonst SO WAS als Pädagoge einfallen?
    Aber auch schlimm ist, dass sie offenbar meinten, RECHT zu handeln… Wenn ich zurückdenke.. als Kind… war es schon schlimm, wenn man mal richtig abschätzig vom Lehrer angesehen wurde, oder eine abfällige Bemerkung kam… Und dann geballte Ladung 3 gegen ein Kind… Gott sei Dank hat er Eltern, die dem nachgegangen sind – ordentlich und die Schule gewechselt haben! Das ist ein großes Glück!

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