Wir pfeifen auf den Gurkenkönig

Sorry, aber der Titel musste einfach sein. Christine Nöstlingers gleichnamiges Buch und auch den Film von Hark Bohm habe ich als Kind geliebt!

Aber hier gehts es nicht um den zwielichtigen Monarchen aus dem Keller, sondern um die real existierende Gurkenkönigin, genauer um deren Verhältnis zur Gurkenprinzessin.

Was es nicht alles gibt, werden jetzt wohl einige sagen und mir ist es genau so gegangen.

Aber dann kam folgende Meldung aus Biblis:

Eklat beim Abschied der Gurkenkönigin

Was war passiert?

Die scheidende Gurkenprinzessin, Bianka Muhs, hatte den feierlichen Akt der Verabschiedung der Gurkenkönigin dazu genutzt, in ihrer Abschiedsrede schwere Vorwürfe gegen diese vorzubringen. Unter andem war auch von Mobbing die Rede.
Die Vorwürfe drehten sich, soweit dies aus den Pressemeldungen ersichtlich war, vor allem um mangelnde Unterstützung und fehlende Präsenz der Königin. Die Gurkenprinzessin fand eine Befürworterin in Jasmin Heiderich, ihres Zeichens Bürstädter Sonnenbotschafterin. Diese hängte der scheidenden Prinzessin zuletzt gar eine selbstgemachte Schärpe um, die sie als „wahre Gurkenkönigin“ darstellte.

Na und? werden jetzt wiederum einige einwenden. Was ficht uns das an?

Gehen dem Teuschel schon die Themen aus?

Nicht doch. Nachdem das Schlagwort Mobbing immer häufiger und immer leichtfertiger dahingeschrieben in der Presse auftaucht, möchte ich die Gelegenheit nutzen, hin und wieder die einzelnen Meldungen daraufhin abzuklopfen, ob wir es hier mit „echtem“ Mobbing zu tun haben oder aber mit einem der Fälle, in denen dieser Begriff falsch verwendet wird.

Zur allgemeinen Definition von Mobbing darf ich zunächst mal auf mein Posting verweisen.

Also: Mobbing bei den Gurkenmonarchen? Oder Zickenkrieg? Oder ein ganz „normaler“ Konflikt?

Die zeitliche Dimension könnte stimmen. Die Gurkenmonarchie sieht eine Regentschaft von einem Jahr vor, Zeit genug also, um nachhaltig zu mobben.

Dann: einmal wöchentliche „negative soziale Handlungen“ muss man für die Bezeichnung Mobbing fordern. Wie oft haben Königin und Prinzessin miteinander zu tun? Ich weiß es nicht, bin aber skeptisch, ob das Gurkenregieren ein so zeitintensiver Job ist, dass einmal pro Woche schikaniert werden könnte.

Überhaupt: Gibt es Mobbing denn nicht nur am Arbeitsplatz und in der Schule?
Richtig ist, dass es nur für diese beiden Bereiche definiert ist. Taucht der Begriff andernorts auf, beispielsweise im Sport oder in der Politik, darf man zunächst mal misstrauisch sein.
Ich sage nicht, dass es mobbingartige Strukturen nicht auch außerhalb von Schule und Arbeit geben kann, aber da müssen die Argumente dann schon sehr gut begründet sein und die Kriterien den bereits vorliegenden Definitionen entsprechen.

Zurück zu den Gurken. Der Vorwurf der mangelnden Unterstützung kann für sich genommen durchaus als Mobbinghandlung gelten. Bei systematisiertem Mobbing ist dies aber meist eingebettet in andere, direkt das Opfer schädigende Verhaltensweisen.

Mit am Wichtigsten ist die Frage, ob das Opfer isoliert und alleine, somit weitgehend wehrlos ist.

Hier bin ich beim Gurkenkonflikt sehr skeptisch. Die Prinzessin erhielt wohl die ganze Zeit über Unterstützung und (zumindest moralischen) Beistand von der Sonnenbotschafterin. Die Rache an der Königin war ja auch medienwirksam geplant und zeigt, dass von Wehrlosigkeit kaum die Rede sein kann.

Also sind durchaus Zweifel angebracht, ob es sich hier tatsächlich um Mobbing gehandelt hat oder ob, wie so oft, dieser Begriff fehl am Platz ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Meldung vom Mai 2011:

Plötzlich Prinzessin: Gurkenkönigin per Annonce gefunden [wie wir als in der Gurkenmaterie jetzt schon Erfahrene wissen, ein schlampiger Titel; nicht die Königin, sondern die Prinzessin wurde gesucht und gefunden]

Nicht so sehr die Tatsache, dass die spätere Gurkenprinzessin per Annonce gesucht wurde (ein richtiger Andrang um dieses Amt scheint nicht zu herrschen) ist bemerkenswert, sondern der Hinweis, dass Bianka Muhs bereits „Erfahrung mit Mobbing“ hatte und sich im Rahmen einer Theatergruppe mit einem Stück gegen Mobbing engagierte. Man kann also davon ausgehen, dass sich die ehemalige Abiturientin mit dem Thema bereits vor ihrer Amtszeit als Prinzessin auseinandergesetzt hat.

Schwierig, denn jetzt höre ich schon wieder einige sagen: Klar, da ist jemand, der sich gerne in der Opferrolle sieht und das Mobbing-Thema für sich instrumentalisiert.

Ich bin mir da nicht so sicher. Persönlich glaube ich, dass Bianka Muhs durchaus Mobbing-Elemente im Verhalten der Gurkenkönigin entdeckt hat, dass dies aber nicht ausreicht, um von echtem, systematisiertem Mobbing zu sprechen.

Nach ihrem Abitur hat die ehemalige Gurkenprinzessin jetzt ein Jura-Studium begonnen. Vielleicht eine neue Anwältin, die sich auf Mobbing spezialisiert?

Peter Teuschel

 

2 Responses
  1. Für mich liest sich das eher so, dass der WVB (angeblich) gemobbt habe und nicht die Gurkenkönigin selbst. Ihr wurde von der Prinzessin lediglich mangelndes Engagement vorgeworfen. Oder?
    Und warum hab ich jetzt Appetit auf Spreewaldgurken? Könne Sie mir das mal fachmännisch erklären? =))

    • Hmm, vielleicht ja beides. Die Spitze mit der Schärpe geht wohl gegen die Königin, und der WVB hat auch sein Fett weg bekommen.
      Sieht mir nach ner heftigen Abrechnung aus.

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