Vom Feuer träumen

„Ich lese jeden Morgen Zeitung. Hauptsächlich wohl deshalb, weil ich rauskriegen will, was auf mich zukommen könnte. Nicht, dass es mir allzu gut gelungen wär, es abzuwenden.“
(Cormac McCarthy: Kein Land für alte Männer. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2008)

Das hier ist Jadin Bell:

Bild: facebook

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Er entschloss sich am 19.1.2013, den Spielplatz seiner ehemaligen Grundschule aufzusuchen, um sich dort zu erhängen. Knapp zwei Wochen später starb er an seinen Verletzungen. Er war 15 Jahre alt.

Einen Abschiedsbrief hinterließ er nicht, aber man geht davon aus, dass er, wie so viele andere vor ihm, Opfer von Bullying (Mobbing in der Schule) wurde. Jadin war schwul und gerade in USA ist anti-gay-bullying ein ernstes Thema.

Begeht ein Kind Suizid, stehen die Eltern sicherlich unter einer der schlimmsten Belastungen, die man sich vorstellen kann.

Jadins Vater, Joe Bell, entschloss sich mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch das ist kein Einzelfall. Um dem tragischen Tod des eigenen Kindes zumindest etwas entgegen zu setzen, das auch nur eine Spur von Sinn ins Leben bringt, gingen in der Vergangenheit einige Eltern, deren Kinder durch Bullying ihr Leben verloren, in die Offensive. Ziel dieser Aktionen war, etwas gegen diese immer noch weitgehend unterschätzte Grausamkeit unter Kindern und Jugendlichen zu unternehmen, zu informieren, aufzurütteln.

Joe Bell entschloss sich zu einem Marsch durch die USA. Durch diese Aktion wollte er auf den Suizid seines Sohnes und die Begleitumstände aufmerksam machen:

Bild: facebook

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Vor vier Tagen, am 9.10.2013, wurde der 48jährige Bell auf der Straße von einem Lkw erfasst. Er starb noch an der Unfallstelle.

Im Weltall soll es nach Ansicht von Physikern, die sich mit so etwas auskennen, eine Temperatur von etwa minus 270 Grad Celsius haben.
Ich glaube, manchmal gerät unser Planet irgendwie ins Schlingern und driftet durch diese Unwucht ein Stück weit hinein in diese Kälte. Dort draußen wird unser Suchen nach Sinn in Eis gehüllt, das in tausend scharfe Splitter zerspringt, sobald die Erde wieder auf ihren alten Kurs einschwingt.

Helfen Träume?
„Es war kalt, auf dem Boden hat Schnee gelegen, und er ist an mir vorbei- und immer weitergeritten. Hat kein Wort gesagt. Er ist einfach vorbeigeritten, und er war in eine Decke gehüllt und hatte den Kopf gesenkt, und wie er vorbeigeritten ist, hab ich gesehen, dass er Feuer in einem Horn trägt, so wie die Leute das früher gemacht haben, und sehen können hab ich das Horn wegen dem Licht innen drin. Hatte so ziemlich die gleiche Farbe wie der Mond. Und in dem Traum hab ich gewusst, dass er vorausreitet und irgendwo da draußen in der ganzen Dunkelheit und Kälte ein Feuer machen will, und wenn ich dann dorthin komme, ist er da.“
(Cormac McCarthy: Kein Land für alte Männer. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2008)

Peter Teuschel

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