Sind Super-Mütter glücklich?

Multitasking-Frauen im Perfektionismus-Stress

Spricht man im Zusammenhang mit der Mutterrolle von Stress und psychischer Belastung, so assoziieren viele damit die Mehrfachbelastung moderner Frauen.

In der Tat leiden nicht wenige unter ihrem selbstverordneten Perfektionismus. Da werden drei Kinder versorgt, wird im Halbtagsjob Leistung gebracht, nach außen natürlich immer gepflegt und vital. Ein Freundeskreis will bedient sein, der Ehemann soll nicht klagen müssen und ein paar zusätzliche „Kleinigkeiten“ wie Elternbeirat, Yogagruppe und Betreuung der immer mehr pflegebedürftigen Oma kommen oben drauf.

Auf meine Frage, wie denn das auf Dauer zu schaffen sei, höre ich in der Praxis immer (wie aus der Pistole geschossen), dass die Beate (oder Petra oder Yvonne) das ja auch hinkriegen. Alle diese Patientinnen scheinen ein bis zwei Frauen zu kennen, für die die gerade geschilderte Lebensführung ein Klacks zu sein scheint.

Aber an dieser Stelle soll gar nicht von der Selbstüberforderung der Multitasking-Frauen die Rede sein, sondern von einem ganz anderen Phänomen.

Alles auf eine Karte: Die Super-Mütter

In einer aktuell veröffentlichten Studie aus den USA von Kathryn Rizzo et al. wurden 181 Mütter mit Kindern unter fünf Jahren zu ihrer Einstellung in Bezug auf die Mutterrolle und auch im Hinblick auf ihr Lebensglück und etwaige psychische Störungen befragt.

Eine Reihe der Fragen zielten auf das Rollenbild der Super-Mutter ab. Diese stellt ihr Muttersein über alles andere. Sie ist der Ansicht, dass die Mutter für das Kind wichtiger ist als der Vater. Sie glaubt, das Glück in ihrem Leben entstehe allein aus der Mutterrolle. Sie empfindet die Betreuung des Kindes als eine Herausforderung und als anstrengender als andere Formen von Arbeit. Sie geht davon aus, dass sie ihren Kindern ständig Stimuli bieten muss, um deren Entwicklung zu fördern. Sie opfert ihre eigenen Interessen dem Wohl des Kindes.

Mit einem Wort, sie setzt alles auf eine Karte: ihre Rolle als Über-Mutter.

In der Untersuchung von Rizzo zeigte sich, dass die Mehrheit aller Mütter mit ihrem Leben zufrieden war, obwohl einige über Stress und Unzufriedenheit klagten.

Allerdings zeigten 23% der Frauen Symptome von Depression. Schaute man sich diese Gruppe genauer an, so waren besonders viele der Frauen darunter, die diese Super-Mutter-Einstellung hatten. Besonders unzufrieden waren Frauen, die glaubten, von beiden Eltern sei die Mutter der wichtigere Teil für die Kindererziehung.

Anstatt glücklich und zufrieden waren die Super-Mütter frustriert und depressiv.

Die Frage, warum so viele Frauen versuchen, eine Super-Mutter zu sein, wo doch negative Auswirkungen für ihre Zufriedenheit und ihre psychische Gesundheit erkennbar waren, konnten die Autoren nicht beantworten.

Der uralte (und oft unbewusste!) Versuch, durch Hintanstellung eigener Interessen und Vernachlässigung eigener Bedürfnisse irgend eine Form von Belohnung oder Aufwertung zu erfahren, mündet meist in Frustration, Depression und Verbitterung.

Und meine ganz persönliche Erfahrung: Psychotherapeutisch ist den perfektionistischen Multitasking-Frauen besser zu helfen als den oftmals verbissen an ihrer Rolle festhaltenden Super-Müttern.

Quelle: The parenthood paradox.

Peter Teuschel

6 Responses
  1. Ganz schwierig.
    Als kleine Kinder schon am Anschlag, weil ihnen die Mama keine Grenzen setzt, sie andererseits durch ständige Animation überfordert.
    Außerdem baut sich ja eine riesige Erwartungshaltung auf, das was Tolles aus dem Kind werden muss bei so einer intensiven Bemutterung. Da sind Enttäuschungen vorprogrammiert.
    In den Fällen, in denen ich Zeuge war, zeigten die Kinder im Kindergartenalter schon Verhaltensstörungen, was zu einem „Mehr vom Gleichen“ bei den Müttern führte („Ich hab mich nicht genug angestrengt …“).

  2. was ich mich gerade frage: fällt unter das super-mutter-verhalten auch das allseits beliebte „kinder vergleichen“? frei nach dem motto; der jannik-eugen konnte schon mit 10 monaten laufen, wie sieht’s bei deiner klara-vanessa aus?. und klara-vanessas mutter fördert dann ihr kind zu tode, weil das arme mädel mit 12 monaten noch nicht soweit ist…

    • Da bin ich mir sicher. Das zeigt ja auch, wie ich-bezogen die Super-Mutter bei Licht betrachtet agiert. Es geht nicht um das Kind, sondern nur um die eigene Befindlichkeit.

  3. ich hab ja den eindruck, dass supermütter erst jenseits der 30 zu finden sind und sagen wir mal aus einer höheren bildungsschicht kommen…

  4. Mein Kevin hat ein MTP Problem!
    als kevin das licht der welt erblickte,war er schon so seltsam still.
    aber das lag jetzt ja nicht daran ,das mein mann im kreissaal gefilmt hat sondern,wir mussten oft die einstellung noch mal ändern,aber kevin wollte nicht schreien,auch nicht nachdem ich es ihm vorgemacht hab.
    das hat mich echt falten gekostet,und da ich keine lust hatte mich beim yoga zu verbiegen ,oder
    aufzuhören 2 schachteln filterlos zu rauchen,hab ich mir ne generalüberholung bei prof.“wir sparen an zeit,für wenig geld“ geleistet.
    jetzt schreit kevin endlich,aber leider nur zeitweise.
    irgendwie hat er wohl gar nichts von mir geerbt.
    Diagnose:multi tasking problem
    Lösungsansatz:sich einen „neuen braten“in die Röhre legen lassen.

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