Rüdiger Dahlke: Mobbing-Opfer sind wahnsinnig

Eva Pichler von der Mobbing-Selbsthilfegruppe Graz hat mich auf einen Artikel hingewiesen, den der Arzt und Therapeut Rüdiger Dahlke im „Fachforum Mobbing“ veröffentlicht hat.

Der Tenor des Artikels: Mobbing-Opfer sind verrückt.

Hier einige Auszüge:

„Unter Mobbing Leidende kommen praktisch immer als Hilfesuchende und arme Opfer. Sie wollen im Außen die üble Nachrede abgestellt wissen und würden am liebsten mit Hilfe von Polizei oder Firmenführung wieder für Ordnung sorgen lassen und die übel über sie Redenden streng bestrafen oder am besten entlassen und damit aus ihrer Umgebung entfernt sehen.
Sobald ich versuche, ihnen klar zu machen, wie sehr das Problem bei ihnen selbst liegt, reagieren sie in der Regel unwillig bis ungläubig und stellen ihr „Ja, aber….“ dagegen. Sie sind enttäuscht, denn sie suchten einen bedingungslosen Verbündeten und finden stattdessen einen Therapeuten, der ihnen klarmachen will, dass sie es sind, die sich getäuscht haben.“ 

Genau diese Menschen habe ich nahezu jeden Tag vor mir sitzen. Sie suchen in der Tat einen Arzt bzw. Therapeuten, der auf ihrer Seite steht. Nach Dahlke sollte ich ihnen klar machen, dass sie sich getäuscht haben. Tja.

„Die einfachste Mobbing-Therapie besteht folglich darin, ein Mobbing-Opfer davon zu überzeugen, es müsse lediglich aufhören, über andere schlecht zu reden und zu denken.“ 

Ihr Chef brüllt Sie ohne Grund jeden Tag an? Die Kollegin verbreitet Gerüchte über Sie? Ihre Arbeit wird geringgeschätzt, behindert, abgewertet, zerstört?
Mensch, hören Sie doch auf, von anderen schlecht zu denken!

„Gelingt es, den Angestellten dazu zu bringen, sich um seine Arbeit zu kümmern und diese mit Hingabe zu erledigen, ist der erste Schritt getan.“ 

Also Schluss mit dem ganzen Jammern und Klagen. Arbeit ist die Lösung! Was? Das Problem ist eben, dass man Sie nicht arbeiten lässt? Ach was, alles Projektion:

„Der Grundvorwurf der Opfer lautet: Die reden schlecht über mich. Das ist eine Form von Projektion, wie sie sich aus dem noch wichtigeren Gesetz der Polarität ergibt. Alles hat demnach zwei Seiten, eine lichte und eine dunkle.“ 

Ähh, ja, aha.
Verstehen Sie nicht? Ich auch nicht, aber vielleicht wirds jetzt deutlicher:

„Die von Mobbing Betroffenen spinnen sich meist völlig in die eigene – oft erfundene beziehungsweise zusammen gereimte – Wirklichkeit ein, die die anderen zu Alleinschuldigen und sie selbst zu völlig unschuldigen, ja unbeteiligten Opfern macht. Sie wirken auf mich oft wie eingesponnen in ein Gespinst aus Rationalisierungen und Pseudobegründungen. Jeder Wahn wirkt für den „Wahn-Sinnigen“ echt und real.“  

Na? Jetzt kapiert? Von wegen Mobbing, ist doch alles Wahn! Ihr Opfer erfindet (nach Rüdiger Dahlke) eure eigene Wirklichkeit bzw. reimt euch da was zusammen, was nicht der Realität entspricht.

„Andererseits können Projektionen tatsächlich Wahncharakter im psychiatrischen Sinn annehmen, bereits im alltäglichen Sinn haben sie etwas Wahnhaftes. Der wirkenden Wirklichkeit unangemessen, sind sie unreal, obwohl sie sich dem „Wahn-sinnigen“ als überaus real und stimmig darstellen.“

 

Ist das jetzt endlich klar? Ihr werdet doch gar nicht gemobbt, ihr seid einfach wahnsinnig!

„Es geht überhaupt im Leben darum, unsere Projektionen als solche zu erkennen und zu bearbeiten. Projektionen umfassen die zusammen gesponnenen Wahrheiten, die helfen, die Welt so zu sehen, wie es dem eigenen Ego in den Kram passt. (…) Die Zurücknahme der Projektionen beinhaltet dagegen die Übernahme von Verantwortung für das, was ist.“ 

Ein luzider Moment in Dahlkes Pamphlet. Das kann man so gelten lassen. Aber was hat das mit Mobbing zu tun?

„Natürlich sind – wie immer – auch körperliche Aspekte zu berücksichtigen. Da es sich bei Mobbing- Opfern in aller Regel um sehr gestresste Patienten handelt, empfehle ich ihnen durch die Bank für genügend Wohlfühlhormon Serotonin in ihrem System zu sorgen, aber nicht mit Serotonin- Wiederaufnahme-Hemmern, sondern mit der ebenso natürlichen wie harmlosen Rohkostmischung „Take me – Glücksnahrung“, die sich uns seit Jahren diesbezüglich sehr bewährt. Es wäre auch hilfreich, wenn er nicht zusätzlich auf einer Störzone schläft und dort weitere Energie lässt. Die Erfahrung zeigt die Neigung sogenannter Problemfälle, noch obendrein alle möglichen Verschärfungen ihrer Situation geradezu anzuziehen. Darin zeigt sich wieder das Resonanzgesetz.“

Störzonen. „Take me – Glücksnahrung“. ROFL.

Mir war Rüdiger Dahlke bisher kein Begriff. Nach diesem unsäglichen Artikel, bei dem nicht nur alle möglichen psychiatrischen und psychodynamischen Begriffe wild durcheinander gemischt werden, sondern auch noch die Opfer-Erfahrung als Wahn dargestellt wird, musste ich erst einmal ein wenig nachforschen. Ich bin aus allen Wolken gefallen: Der Mann hat massenweise Bücher geschrieben, über „Krankheit als Symbol“, die „Psychologie des Geldes“, „Wege der Reinigung“ und „Essens-Glück“, „Störfelder und Kraftplätze“, den „Mythos Erotik“ und „Zauberworte der Heilung“.

Mein Eindruck nach dieser Reise in die düsteren Gefilde der Vergewaltigung der Medizin durch esoterische Verblasenheit: Hier inszeniert sich jemand als Guru.

Rüdiger Dahlke (Bildquelle: amazon.de)

Rüdiger Dahlke
(Bildquelle: amazon.de)

Ich wünsche allen Mobbing-Opfern, dass sie solche Texte wie den zitierten Artikel als das durchschauen, was sie sind: Zynisch und lebensfern.

Peter Teuschel

Wer sich den ganzen Artikel zu Gemüte führen möchte, bitte schön:

http://www.fachforum-mobbing.de/fachartikel-downloads/

 

80 Responses
  1. Wär das kein Haudrauf-Kandidat?

    Btw. Bei psiram und den entsprechenden scienceblogs ist der Herr auch kein Unbekannter…

      • Siehe meine Antwort zu gnaddrig
        Vielleicht sollten Sie Kollegen behandeln, die Menschen 7Jahre unrechtmäßig wegsperren, Gefälligkeitsgutachten machen um unliebsame Steuerberater zu „eliminieren“.
        Ach ja, wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei auf sich selbst. Ich für mich habe das Problem noch nicht gelöst.

        • Das Wegsperren ist zunächst kein psychiatrisches, sondern ein politisches/juristisches Thema – siehe unseren „Wegsperr-Kanzler“ Gerhard Schröder. Die Gefälligkeitsgutachter sind meistens nicht psychisch krank, sondern machtorientiert und/oder geldgierig. Und das mit den drei Fingern ist ein beliebter Spruch, nach dem man aber an nichts und niemandem Kritik äußern dürfte. Schwierig …

          • Natürlich sind die Gefälligkeitsgutachter im herkömmlichen Sinne nicht krank, eher krininell. Ob sie mit ihren „Gut-achten“ noch Realitätssbewusstsein haben wäre aber doch eine interessante Frage. Richter stützen sich beim „Wegsperren“, mangels eigener Fachkompetenz, auf die „Aussagen“ der Psychiater, nicht auf die der Toilettenfrau.
            Kritik ist immer möglich. Die drei Finger auf sich selbst dienen der eigenen Selbstkritik und dem Schutz vor Projektionen. Ein uraltes Thema: Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge siehst du nicht. Matthäus 7, Also ein altes, und noch NICHT einmal ein „bescheuertes“ esoterisches Thema
            Aber Projektion ist bequemer als Eigenverantwortung und Selbstkritik. Und die Kommentare zu dem Thema „Dahlke“, ach es lohnt sich eigentlich nicht zu so viel Unseriösität und Nichtwissen etwas zu sagen.

    • der Artikel ist schon etwas älter, Aber trotzdem: Falls dem guten Mann daraufhin ein sogenannter „shiitstorm“ um die Ohren geflogen ist, hat er hoffentlich alles und jede(n) mit Fug und Recht wegen Verleumdung (neuerdings Mobbing genannt-aber nur am Rande erwähnt) verklagt. Jawoll !! Die Kirche muss ja schließlich im Dorf bleiben. Wo kämen wir da hin, müsste man sich an der eigenen Nase fassen!!!

  2. Angesichts dieser Worte von Ihnen, Herr Dr. Teuschel:
    Mein Eindruck nach dieser Reise in die düsteren Gefilde der Vergewaltigung der Medizin durch esoterische Verblasenheit: Hier inszeniert sich jemand als Guru.

    bleibt einfach wirklich NICHTS mehr zu sagen…..
    außer vielleicht
    AMEN!

    DANKE DANKE DANKE – und diese Rezension zu Dahlke kriegt jetzt jeder per Link, der mir wieder mit dem esoterischen retraumatisierenden Schwachsinn kommen will!

  3. Vermutungen lassen sich anstellen das das bisschen, was man beim Mobbingopfer Verstand oder auch Gehirn nennt und sehr, sehr gut Funktioniert, entweder nie Existierte oder vertrocknet durch ist, durch das schreiben solcher Artikel.
    Er tut mir leid. Denn schon der Film von James Dean sagt:“ Denn Sie wissen nicht was Sie tun.“
    Ich bin für den „Jahreshaudrauf 2014“.

    • Der Herr Dahlke müsste doch früher oder später auch auf What’s the harm? schaffen.

      Wenn ich mir vorstelle, nach einem Unfall schleppt man sich mit letzter Kraft zum Arzt, den Kopf unter’m Arm, die Zähne extra in ’ner Plastiktüte. Und statt Schmerzmittel und Wundversorgung gibt’s erstmal nen Anschiss, dann das Kommando „Jetzt fünf Runden um den Platz, dann 20 Liegestütze, 20 Klimmzüge und 20 Kniebeugen. Dann melden Sie sich wieder, aber gefälligst sauber und vorschriftsmäßig angezogen, nicht so verlottert wie grad jetzt!“…

      Das ruft nach einer Hall of Fame!

      • Hans Peter Dürr – Quantenphysiker, Nobelpreisträger sagte einmal sinngemäß: GBemessen am heutigen Stand der modernen Physik ist die Medizin auf dem Stand des Mittelalters.
        Ihr Beitrag ist auf den (wissenschaftlichen Stand der Steinzeit oder früher)

        • Was UNTER ANDEREM aber eben auch daran liegt, dass die Medizin physikalische Prinzipien einschliesst, aber nicht Physik die Medizin.

      • hallo gnaddrig!
        ja, das ist perfekt ausgedrückt – was sie schreiben….
        genau so ist es….
        eigentlich unfassbar…. was sich herr dahlke herausnimmt…
        man fragt sich tatsächlich, ob er noch realitätsbezug hat,
        oder schon in seinen höheren esoterische sphären abgedriftet ist…
        und damit megamäßig geld verdient…

  4. Die fröhlich hüpfenden Endorphinchen seiner Glücksnahrung scheinen den kognitiven Apparat des Gurus zur einzig wahrhaftigen Erkenntnis überhaupt gebracht zu haben: „Alle wahnsinnig außer ich.“ So einer ist tatsächlich gegen Mobbing gefeit. 🙂
    Haudrauf auf Dauer, aber doll!

  5. Umpf. Yay. Super.

    Der läuft frei rum und schreibt Bücher und mich wollen sie stationär…

    Das ist doch ein Fall für ein Dauer-Abo des Haudrauf… O.o

  6. Mir ist ganz schlecht geworden beim Lesen.
    Und so etwas wird als Therapeut auf Mobbing-Opfer losgelassen?

    Ich hab Anfang des Studiums mal ein Buch von ihm gelesen („Krankheit als Weg“) und war danach gründlich bedient.

  7. Zum Guru taugt er nicht, der Rüdiger Dahlke. Ich habe einige Bücher von ihm gelesen , es war nicht alles schlecht am Anfang, da hatte er schon seine Berechtigung, auch um wachzurütteln. Dann hat er scheinbar irgendwann verlernt sich zu hinterfragen, seine Bücher schossen auf den Markt wie Salven aus einem Maschinengewehr, da konnte er dann wohl selber nicht mehr mithalten, das wurde zu geistiger Onanie und ist jetzt nichts anderes als Nabelschau geschmückt mit psychologischer Flickschusterei.
    In seinem einzigen luziden Moment, wie es Herr Teuschel zu Recht nennt, schreibt er von “zusammen gesponnenen Wahrheiten”, das trifft`s schon sehr gut und könnte man als Überschrift über seinen Vortrag ( oder was auch immer das sein sollte ) stellen und damit wäre ALLES gesagt, denn dieser Artikel ist einfach zu dämlich, zu lächerlich und zu verwirrend um einen “Haudrauf” zu verdienen.
    Der Weise kennt sich selbst, sagte Lao Tse. Dieser Mensch aber hat sich völlig verirrt. Man sollte ihm einige Stunden Supervision spendieren, vielleicht wollen Sie das ja übernehmen Herr Teuschel ? Nein lassen Sie ihn lieber weiterhin dummschwätzen, der verläuft sich freiwillig. FREIWILLIG: dazu passend noch ein Satz vom Philosophen Andre Comte-Sponville,
    “Der freie Wille ist bloß die Unkenntnis der auf uns wirkenden Ursachen, die uns daran hindert, uns ihnen zu stellen.”

    • Eine aufschlussreiche Zusammenfassung. Ich selbst kann mir über Rüdiger Dahlke kein Urteil erlauben, außer dem Mobbing-Text kenne ich seine Bücher nicht. Die Selbstdarstellung ist natürlich sehr esoterisch. Aber jemandem einen Wahn zu unterstellen, der eine Opfer-Erfahrung gemacht hat, ist nicht mehr esoterisch, das hat noch einmal einen ganz anderen Beigeschmack.

      • Der hier besprochene Text von Herrn Dahlke ist schlicht unprofessionell. Sowas kommentiere ich nicht einmal.

        Dass es aber Menschen gibt, die den Kontakt zu esoterischen Heilslehren suchen ist Fakt. Wir können aufklären, sind aber zumeist machtlos. Den der Wunsch nach einem „Wunder“ ist zumeist übergroß.

  8. Ja, einfach unglaublich was da der – Kollege – zusammen geschrieben hat.
    Ich muss zu meinem „Selbstschämen“ zugeben, das ich mal vor Jahren bei Amazon drei Bücher (gleichzeitig) von ihm bestellt hatte. Dahlke wurde mir empfohlen, man stelle sich vor. Aber keines davon habe ich zuende gelesen, weil selbst mir als medizinischer Laie das alles zu „platt“ war.
    Was ich jedoch schon verstanden hatte war, das da jemand mit so’n Eso-kram unterwegs ist, um mit Effekthascherrei möglichst schnell viel Geld zu machen.
    Das glaube ich auch in diesem Fall. Der wartet vermutlich darauf, das ihn jemand Empörtes vor ein größeres Publikum zerrt, so daß er sich dort promoten kann. Täte ich nicht so denken, würde ich Ihnen den Vorschlag machen bei der Huffpost anzufragen, ob ein Interesse besteht, Sie und Hrn. Dahlke zu einer Diskusion zum Thema Mobbing in die Redaktion einzuladen.

    Da gibt es noch so einen feinen Herrn, der mit esotherik im Bereich Psychotherapie unterwegs ist. Recht erfolgreich vermutlich und hat ebenfalls schon viele Bücher auf den Markt geworfen hat. Sein Name ist Robert Betz

    Wenn es Sie Hr.Dr. Teuschel nach Lesestoff verlangt bei dem Sie nicht ruhig bleiben können, Ihnen ihr Arzt und Therapeuten Alltag zu schnöde wird, sind beide Herrn eine echte Empfehlung. 😉

  9. Ich denke, dass Mobbing-Opfer zu brav und nett sind – sie soilten zurück schlagen.
    Auf einer Geburtstagsfeier, als da massiv über eine nichtanwesende Frau gelästert und geschimpft wurde – war mir kotzelend. Das Blatt wendete sich sofort, als diese Frau erschien – jetzt ging es gegen andere Nichtanwesende.
    Also habe ich gesagt – “ ich gehe jetzt, da könnt ihr über mich herziehen“ Das war das letzte mal, dass ich bei diesen Leuten zu Gast war.
    Einfach gehen – das ist immer noch das Beste, denn solche Tratscher kann man nicht überzeugen. Im Arbeitsvertrag geht das nicht. Aber man kann zurück schie8en – das mögen Mobber gar nicht. Ich denke, meine Aussage mit dem Neid – solcher Schlechtredner ist die richtige Analyse. Man darf niemals leiden – denn das nährt deren orgastisches Vergnügen am Mobben. Man muss zurück schlagen.
    Mobbingopfer sollten laut und deutlich sagen, was sie von solchen Neidhammeln halten und zwar sofort. „Du bist wohl neidisch“ – oder „Das ist der Neid der Besitzlosen“ . Nur nicht schüchtern sein. immer zurück schlagen und möglichst früh – damit die Auseinandersetzung schnell beendet wird. Die Mobber sind voll auf ihr Opfer konzentriert – vergessen sich selbst und sind deshalb auch total unfähig. man/frau erkennt sie schnell. – aber bei denen ist viel Stoff zum Mobben zu finden. . . weil sie eben sich gar nicht um sich selbst kümmern.

  10. liebe rosenzierde!
    leider ist es eines der größten gesellschaftlichen stigmatisierungen, dass mobbingopfer sich „halt nicht wehren.“ das gegenteil ist der fall: sie wehren sich, und je mehr sie sich wehren, desto mehr werden sie mundtot gemacht und mittels weiterem fortgesetzten psychoterror emotional, sozial, beruflich destabilisiert.

    Mobbing ist in jedem Fall eine Form psychischer Gewalt, die vom Betroffenen als Trauma erlebt wird, welches schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. (siehe „Mobbingleitfaden zur Prävention und Intervention“ – Fonds Gesundes Leben).

    Siehe: DAS Vorurteil
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/das-vorurteil/

    Beste Grüße, Eva Pichler, Gründerin SHG Mobbing Graz

    • Liebe Frau Pichler,
      danke für Ihre Worte. Es war nicht einmal das Wehren, sondern ich fragte andere, was ich falsch mache, wie ich argumentieren sollte, denn, dass da etwas schief läuft, war mir klar. Anfangs sprach ich ruhig, wurde allerdings immer lauter. Ich sprach mit dem Betriebsrat, weil ich Angst hatte, tatsächlich völlig auszurasten. Mein Chef hatte die Gabe durch Menschen durchzusehen, nicht nur bei mir auch bei anderen. Luft zu sein, macht mürbe. Aber außer, da kann man nichts machen oder die Zeit wird es heilen, kamen keine vernünftigen Vorschläge. Ich habe gekündigt, weil ich endlich wieder arbeiten und nicht die ganze Zeit bei der Arbeit behindert werden wollte. Ich sagte mir, lieber mit wenig in Pension gehen als mit 60 tot sein. Ich bin jetzt 53 und versuche mein Leben so zu gestalten, dass es für mich, aber auch für andere sinnvoll ist. Denn Geld für Anwesenheit zu bekommen (das war einer der Vorschläge), ist mir zuwenig Lebenszweck.
      Ich habe mich nie als hilfloses Opfer gesehen, aber oft wußte ich nicht, wie ich mir Gehör verschaffen kann.
      Beste Grüße
      Elisabeth Taler
      ps. ich bin gerade zu einem Dahlke Vortrag eingeladen worden und habe mir den Artikel durchgelesen. Nein, Danke. Im Zuge der Resonanz habe ich verschiedenste Verhaltensweisen versucht, schließlich bin ich in Resonanz mit meinem Chef und habe ihn auch wie Luft behandelt, besser gefühlt habe ich mich nicht.

    • Liebe Frau Pichler,

      danke!!, das stimmt! Ich war mal selbst betroffen und ich habe mich gewehrt. Dann das Übliche: Alles genau notieren mit Datum und Uhrzeit, Betriebsrat einschalten und durchhalten. Ich war fast soweit vor’s Gericht zu gehen. Der BR riet mir es eher zu lassen, da dann alles neu aufgerollt wird und das Ganze emotionale Erleben noch mal durchlaufen wird und ich solange an dieser Position hätte verharren müssen. Das hätte ich aushalten müssen. Ich war bereits zu dieser Zeit schon recht entkräftet, ABER NICHT KRANK GESCHRIEBEN. DAS hätte dem Chef und den entsprechenden KollegInnen so gepasst! Die hätten sich draufgestürzt wie auf ein Festessen. Insbesondere in sehr einfach strukturierten Köpfen werden simpelste Erklärungsmuster geschaffen und GEPFLEGT. Dem „peinlichen“ Übel wurde durch die Personalabteilung mit einem für mich schlechter ausgefallenen Kompromiss „gelöst“. Aber ich war den unreifen, blutleeren und mit Minderwertigkeitsgefühlen ausgestatteten Chef los, den auch die „Barbie“-Kolleginnen mit ihren (u.a.) falschen Wimpern und seine feige-verlogenen leitenden Angestellten nicht mochten. Aber sie hielten zu ihm!! Ganz klar. Meine Chancen vor Gericht wären daher eher gering gewesen. Die anderen Kollegen gaben mir zwar Recht, aber hätten im Ernstfall gekniffen.

      Viel Erfolg bei Ihrer wichtigen Aufgabe.

  11. Sehr geschätzte Frau Taler!
    Vielen Dank für Ihr Feedback und Ihre Zeilen.
    Ich darf Ihnen mein aufrichtigstes Mitgefühl aussprechen, für all das, was Sie erleben mussten.
    Ihre Schilderung geht im Wesentlichen völlig konform mit der unzähliger anderer Mobbingopfer 🙁 .
    Fatalerweise bleibt als „Alternative“ (die eigentlich gar keine ist 🙁 ), nur, sich aus dem Psychoterror-Geschehen zu nehmen, auf eigene Kosten von Existenz, Pensionsverlust und mit dem „Superbonus“, auch noch krank zu sein. Es ist eine Seuche unserer Zeit, dass so etwas ungeahndet passieren darf!!!! Währen die Mobbingtäter fest auf ihren Sesselchen sitzen, weiter ihr Gehalt kassieren, und schon den nächsten „abschießen“, GESCHÜTZT von den Vorgesetzten (!), die oft auch aktiv mitmobben/mitbossen, werden Mobbingopfer noch fertiggemacht – zuerst durch die innerbetrieblichen „HILFEN“!!
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/f%C3%BCr-innerbetriebliche-anlaufstellen/
    danacht leider ider Regel durch stigmatöse Behandlung ärztlicherseits – siehe:
    http://www.aerzte-exklusiv.at/index.php?id=184&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5231&cHash=7fcefaa10a5ba0fa711d54c64a103ed8
    Ist es denn ein Wunder, dass jeder 5. Suizid auf Mobbing zurückgeht?
    Falls Sie mithelfen wollen, in unserem Netzwerk, melden Sie sich gerne: shg-mobbing-graz@gmx.at oder auf Facebook: Anti-Mobbinggesetz für D !
    Herzlichst und verbunden
    Eva Pichler

  12. Hallo Herr Dr. Teuschel,
    ich bin ebenfalls ein Mobbing- bzw. Bossing-Opfer. Ich wurde direkt vom Hautgeschäftsführer „gebosst“. Das war interessant. Der Vorteil hierbei war, ich kannte meinen Feind. Na ja, und der Nachteil liegt auf der Hand. Niemand, wirklich niemand, hat mich unterstützt. Selbst mein direkter Vorgesetzter nicht, geschweige denn die Mitarbeitervertretung. Im stillen Kämmerlein wurde mir verstohlen auf die Schulter geklopft, aber sobald der Boss nur in der Nähe war, war ich die Persona non grata.

    So kam es, wie es kommen musste. Ich habe den Geschäftsführer verklagt, den Prozess gewonnen und meinen Job verloren.

    Nun bin ich zu Hause und befinde mich aktuell in diesem Vakuum zwischen „endlich frei“, „was wird aus meinem Leben?“ und „dieser A.. hat mir meinen Lieblingsjob, meine Lebensaufgabe genommen“.

    Ich bin mittlerweile natürlich zu krank, um eine solche Herausforderung noch einmal zu meistern.

    Und dann lese ich von diesem Herrn Dahlke. Ich wünsche anderen Menschen i.d.R. nichts schlechtes (weil ich ja so „nett“ bin, halt ein „typisches Mobbingopfer“;), aber die Vorstellung, dass Herr Dahlke – nur für ein paar Wochen – dem Druck ausgesetzt wird, den ich erleben durfte, macht mir richtig Spaß. Und schon geht’s mir besser. Danke, Herr Dahlke.

    Gruß
    Eine, die sich gerade neu entdeckt.

    P.S.: Von einem weisen, alten Herrn habe ich mal den Satz gehört:
    „Feige ist nicht der, der Angst hat, sondern der, der schweigt“…

  13. Liebe Nelly22!
    Tausend Dank für Ihre Zeilen! Sie sprechen mir aus der Seele – und ich denke, auch vielen weiteren Mobbingopfern! Es tut mir sehr leid, dass Sie Mobbing auch so schlimm erfahren mussten. Eine ziemlich – fast einzigartige – Besonderheit weißt Ihre Schilderung auf:
    DASS SIE DEN PROZESS GEWONNEN HABEN!
    Ich darf Ihnen sagen, dass dies äußerst selten ist – lt. Spiegel gewinnen in D nur ca. 5 % aller Mobbingopfer ein Verfahren.
    http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/mobbing-am-arbeitsplatz-koennen-gesetze-die-opfer-schuetzen-a-962565.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=
    Daher darf ich Ihnen nachträglich wirklich sehr aufrichtig und herzlich zu diesem durchschlagenden Erfolg gratulieren!
    Im Umkehrschluss kann ich mir vorstellen, dass man ein Verfahren wohl nur dann gewinnen kann, wenn das Mobbing so schwerstwiegend war, dass das Gericht wohl kaum eine andere Chance gehabt hat… und dass Sie dadurch natürlich gesundheitliche Schäden erfahren haben.
    Der Verlust des Arbeitsplatzes, die Erkrankung, auch die oft traumatisierende Erfahrung, mit welcher Vehemens sich Menschen GEGEN Menschen richten, Existensorgen etc.. all das kann natürlich niemals ein gewonnener Prozess aufwiegen. Dennoch darf ich Ihnen meine große Hochachtung aussprechen, dass Sie es auf sich genommen haben, vor Gericht zu ziehen, und diesem Menschen/dieser Firma mal bewusst gemacht haben, was sie aufführen – möge dies große Wellen schlagen!
    Viele „unserer“ Mobbingopfer sind zu krank, um Klage einreichen zu können, und den Prozess durchzustehen, bzw. haben keinerlei finanzielle Möglichkeiten dazu… Sie müssen sich kampflos geschlagen geben, ohne es auch nur versuchen zu können, oder aber.. sie verlieren den Prozess.
    Vlt. können Sie es doch ein bisschen mehr für sich schätzen, dass Sie DAS ALLES GESCHAFFT UND GEWONNEN HABEN! Denn ich finde es wahrlich grandios!
    PS: unsere Website hat ein Register: „Ihre Geschichte“ – wenn Sie mögen, können Sie Ihren Fall gerne (anonym) berichten!
    Allerbeste Grüße und eine gute Genesung,
    Eva Pichler, Gründerin Selbsthilfegruppe Mobbing Graz
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at

  14. Nachtrag:

    FÜR NELLY 22

    In dieser Zeit der universellen Täuschung, ist die Wahrheit zu sagen ein revolutionärer Akt.
    George Orwell

  15. Liebe Frau Pichler,

    vielen, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Das war Balsam für meine gebeutelte Seele!

    Aber ich muss etwas gerade rücken:

    Ich habe den Prozess nicht durch einen Urteilsspruch gewonnen, sondern der Arbeitgeber hat dem Vergleich zugestimmt, den ich bzw. mein Anwalt gefordert habe/hat. Der Vergleich wurde dann dem Arbeitsgericht vorgetragen und bewilligt, denn er hatte es in sich:

    Ich habe dort alles, wirklich alles zurückgefordert, was mir genommen wurde (z. B. Zurücknahme der lächerlichen Anweisung, dass ich einen täglichen Tätigkeitsbericht abliefern musste, Zurücknahme der wilkürlich festgelegten Arbeitszeit, die nur für mich galt, Freistellung, Abfindung, gutes Zeugnis usw.).

    Der nächste Schritt meinerseits wäre nämlich eine Klageerweiterung wegen „Mobbings“, und zwar in diesem Fall hochoffiziell mit anwaltlicher Unterstützung, gewesen. Da unser Geschäftsführer mich (wie in der ganzen Zeit) hier unterschätzt und damit nicht im Traum gerechnet hat, ist er ganz schnell zurück gerudert. Einen Tag vor dem Gerichtstermin ist er eingeknickt und hat alles zurück genommen. Denn wir reden hier von einem großen kirchlichen Träger, und das hätte ein wirklich schlechtes Image abgegeben, wenn dieser Träger wegen Mobbings in der Presse erschienen wäre…

    Also habe ich gewonnen.

    Ich bin in der glücklichen Lage, durch meinen Mann, meine Freunde und ein hervorragendes Netzwerk von Ärzten und Anwälten (und, nicht zu vergessen, meine Rechtschutzversicherung!) die dringend notwendige Unterstützung bekommen zu haben.

    Jetzt, wo alles vorbei ist, glaube ich aber, dass ich in dem Moment, als ich den Kampf aufgenommen habe, auch ohne dieses Netzwerk bis zum Letzten gekämpft hätte. Denn damit rechnen Mobber nicht, dass die „Opfer“ stark sind. Und dieses Gefühl des Triumphs ist unbeschreiblich!

    Ja, es hat sich gelohnt.

    Viele Grüße und Dank für George Orwell

  16. Es ist schon traurig, dass Herr Dahlke sich so äußert. Aber es ist nicht so, wie dieser schreibt. Für alle die, die Hilfe suchen, egal als Betroffener, Angehöriger, Freund, Kollege ubd Vorgesetzter = „Der Mobbingberater “ , erscheinen im Windsor Verlag, istceine echte Alternative!

    Informieren Sie sich bitte!

  17. …man darf diesen Mann doch keinesfalls ernstnehmen, er braucht wahrscheinlich Hilfe, es sind sind klare Anzeichen von Demenz, ich hoffe er bekommt recht bald gute medizinische Hilfe, man weiß ja, solche Patienten sind dann für Ihr Umfeld irgendwann zu anstrengend.

  18. osterhasebiene langnase Antworten

    Rüdiger Dahlke – das ist so ein Thema… ich habe fast alle seine Bücher gelesen. Er hat teilweise wirklich sehr gute Ansätze wie Schattenarbeit, Polarität, Resonanzgesetz ect. Er hat sich jedoch mittlerweile seine eigene „Insel“ gebaut (TamanGa) und stilisiert sich zunehmend zum Guru, das ist wohl wahr. Seine Ernährungsphilosophie produziert geradezu neuen Schatten, denn sie leugnet den freien Willen des Menschen. Dahlke hat mir eine Zeit lang als „Ersatzreligion“ gedient, aber das System ist zu geschlossen und „hochglanzmäßig“, die Realität blendet er mehr und mehr aus und schafft sich „seine“ eigene Gegenwelt – das kann auf Dauer nicht gut gehen…

    • Wie gesagt, ich habe nichts gegen Herrn Dahlke und seine Bücher, denn ich kenne weder ihn noch diese. Die Aussagen über Mobbing-Opfer fand ich aber abwegig und kontraproduktiv. Die Guru-Attitude hat mir ebenfalls nicht gefallen. Vielleicht ist ja manches von seinen Aussagen hilfreich und sinnvoll.

      • osterhasebiene langnase Antworten

        Was ich bei Herrn Dahlke und der esoterischen Weltsicht allgemein in Hinsicht auf Mobbing für wenig hilfreich halte, ist die Betonung der eigenen Schuld an der Situation. Das gilt auch für andere Krankheiten. Diese Folgerung ergibt sich aber logisch aus der hermetischen Philosophie (wie innen so außen), die radikal nach dem „warum“ fragt und die totale Eigenverantwortung verlangt, was ja im Grunde nicht verkehrt ist. Das kann aber ein äußerst harter Weg sein und verhindert oft, dass Hilfe von außen angenommen wird. Auch Mitgefühl mit den Leidenden kann so verhindert werden. Es gilt „Nur die Starken kommen in den Garten“. So erkläre ich mir auch, wie es zu der Aussage von Herrn Dahlke kommt, dass Mobbing nur eine wahnhafte Vorstellung und leicht durch eigenes Verhalten (positiv über andere zu denken) abzustellen sei. Hierbei wir aber die systemische Komponente nicht berücksichtigt, dass das Opfer unter bestimmten (menschenunwürdigen) äußeren Gegebenheiten überhaupt keine Chance haben kann, die Situation zu seinen Gunsten zu verändern. Das ist dann aus esoterische Sicht aber wieder eine selbstverschuldete karmische Verstrickung, die das Opfer gewählt hat, um in seiner Inkarnation bestimmte Aufgaben zu lösen…Also dieser Ansatz ist wirklich in der Praxis oft mehr hinderlich als hilfreich.

        • EndlichimKorridor Antworten

          Ich habe jetzt diesen Beitrag aufgerufen. Das geht ja über die zitierten Absätze noch weit hinaus. Leider nicht als exotische Einzelmeinung eines „Guru“. Ähnliche Thesen tauchen in verschiedenen Varianten immer wieder auf. Das betrifft etwa die Darstellung von Mobbing-Opfern, die es ja nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch bei behördlichen und gerichtlichen Verfahren gibt, als selbstverschuldete Querulanten. Deshalb wollte ich meinen – obwohl medizinisch laienhaften – Eindruck davon zur Diskussion stellen

          Mir fiel zu Beginn die süffisante Formulierung auf:

          „Unter Mobbing Leidende kommen praktisch immer als Hilfesuchende und arme Opfer.“

          Die Opfer-Täter-Umkehr folgt am Fuße:

          „Sobald ich versuche, ihnen klar zu machen, wie sehr das Problem bei ihnen selbst liegt,… “

          Woher weiß er das? Kennt er die den Vorfällen zugrundeliegende wirkliche Wirklichkeit? Oder wird ganz einfach eine axiomatische Annahme des Therapeuten, der ihnen klarmachen will, dass sie es sind, die sich getäuscht haben. in den Raum gestellt?

          „Betroffene meinen viele gute Gründe und manchmal sogar Beweise zu haben, dass das Problem draußen liege“.

          „Meinen“ Betroffene nur, viele gute Gründe zu haben, oder gibt es nicht vielleicht doch wirklich ursächliche äußere Umstände? Egal, der Therapeut weiß:

          „Die Darstellung des Opfers wäre eine „Projektion: Sie wirkt wahr, echt und wirklich, ohne es tatsächlich zu sein.“ Und „Projektion ist sicher der mit Abstand am weitesten verbreitete Wahn.“

          Es wurde nicht dargelegt, welche Erfahrung dieser Therapeut als Angestellter in der Privatwirtschaft oder Antragssteller bei Ämtern gesammelt hat, um so genau zu wissen, dass Alltagsbeobachtungen und Schlußfolgerungen von Mobbing-Opfer typischerweise wahnhaft sind. Ist ein Gemobbter prinzipiell zu keiner rationalen Überlegung fähig?

          „Die einfachste Mobbing-Therapie besteht folglich darin, ein Mobbing-Opfer davon zu überzeugen, es müsse lediglich aufhören, über andere schlecht zu reden und zu denken. Dann dauert es nicht mehr lange und auch die Umgebung muss – nach dem Resonanzgesetz –aufhören, schlecht über sie zu reden.“

          Dieses Resonanzgesetz habe ich in vierzigjähriger Berufs- und Behördenpraxis in der weit überwiegenden Mehrzahl der mir bekannten Fälle weder selbst erlebt noch bei Dritten beobachten können. Häufiger das Gegenteil, daß bei sich einem einseitigen Rückzug Konkurrenten und Gegner dadurch bestätigt sehen und den Druck verstärken

          Und jetzt kommt die – hier primär privatwirtschaftliche, aber ebenso gesellschaftliche – Anpassungs- und Unterwerfungsstrategie: Zuerst die einseitige „moralische“ (!) Schuldzuweisung bei gegenseitigem Verhalten:

          „Also wieder dieselbe Situation: keiner kümmert sich um seine eigenen Belange und auch nicht um die des anderen. Der Angestellte, der seine Arbeit vernachlässigt und seinem Chef nicht zuarbeitet, ist in diesem Fall in der moralisch noch viel problematischeren Situation, denn er wird für beides bezahlt. Er nimmt also Geld, dass er – aus Sicht seiner Seele – gar nicht verdient hat.“

          Eine völlig einseitige obrigkeitshörige Sicht. Der sozial abhängige, arbeitsbereite und seine Zeit zur Verfügung stellende Untertan mit minimalem Einfluß auf die Firmenorganisation soll wegen Mißständen in einer „moralisch problematischeren Situation“ sein als der den Arbeitsablauf bestimmende Obertan! Freilich ist ein Psychiater kein Betriebsrat – aber ist er Vertreter der herrschenden Zustände?

          Aber es wird noch besser: Die spinnen – die Gemobbten

          „Die von Mobbing Betroffenen spinnen sich meist völlig in die eigene – oft erfundene beziehungsweise zusammen gereimte – Wirklichkeit ein… Der wirkenden Wirklichkeit unangemessen, sind sie unreal, obwohl sie sich dem „Wahn-sinnigen“ als überaus real und stimmig darstellen.“

          Die Firme hat immer Recht? Das Amt hat immer Recht? Das Gericht hat immer Recht? Die Partei hat immer Recht? Und: Niemand hat die Absicht, jemanden zu mobben, der nicht selbst daran Schuld trägt. ???

          „da sich die Lästermäuler praktisch nie in den Griff bekommen beziehungsweise ausschalten lassen, sind die Opfer oft zu einem Versuch in Richtung Eigenänderung bereit.“

          Es ist wohl vertretbar, dass ein sozial Abhängiger sein äußeres Verhalten den äußeren Umständen anpasst, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine sonstige Konfrontation voraussichtlich eine weitere Verschlechterung seiner Gesamtsituation bringen würde. Hier geht die Eigenänderung aber wesentlich weiter in Richtung Selbstkritik:

          „Nur selten lässt sich das vermeintliche Oper direkt überzeugen, dass seine eigene Haltung unrealistisch und damit unwahr ist. …“

          Jede Sichtweise ist irgendwo subjektiv, unvollständig und vielleicht fehlerhaft, aber ist sie deswegen unrealistisch und unwahr? Ist sie deshalb unbeachtlich? Hier geht es nicht mehr darum, auf Grund einer kritischen Analyse der eigenen Situation und Sichtweise Konsequenz für weiteres Vorgehen zu ziehen, sondern zum inneren Nachvollzug fremder Sichtweisen.

          Ich habe es in der Medizin nur zum Patienten gebracht, aber nach langjähriger Lebenserfahrung habe ich beobachtet, dass es für ein Mobbing-Opfer zu allererst wichtig ist, sich innerlich von den Bewertungen der Mobber freizumachen. Wer gemobbt „mea culpa, mea maxima culpa“ jammert, trägt nur noch schwerer an der Belastung und kann kaum klaren Kopfes Entscheidungen treffen. Das bedarf einer kritischen Distanz, zu fremden Zurufen und Haltungen. HIER könnte ein Therapeut helfen.

          „Und uns und unsere Einstellung und Haltung können wir natürlich immer ändern.“

          Kann und soll man aus der Haut fahren und seinen eigenen Charakter ändern?

          „Selbst wenn wir außen Dinge ändern können, sind die Ergebnisse überschaubar und kaum je vergleichbar mit denen eigener innerer Schattenarbeit. Hätte derselbe Patient an seiner Arbeitsstelle die Macht, seine ihn mobbenden Rivalen hinauszuwerfen, wäre das Problem zwar fürs erste beseitigt. Die eigene innere Problematik würde aber über kurz oder lang auf jemand anderen wechseln.“

          Grau. Freund, ist alle Theorie, vor allem wenn sie von der axiomatischen Annahme ausgeht, nicht objektive äußere Umstände, sondern die „eigene innere Problematik“ wäre der Urgrund alles Übels.

          „Wer, anstatt mit der Außenwelt zu kämpfen, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten in seiner Innenwelt sucht, hat auf Dauer leichtes Spiel, seine Probleme in den Griff zu bekommen.“

          Sagen Sie das einmal an der Tankstelle, wenn Ihre Kreditkarte nicht mehr gedeckt ist.

          Und jetzt wird die am Alltagserleben aufbauende Sicht des Opfers zur „Projektion“ mit zusammen gesponnenen Wahrheiten erklärt. Freilich kann diese Sicht fehlerhaft sein, können Wahrnehmungen und daraus gezogene Schlußfolgerungen von Patienten und Ärzten unrichtig sein. Heißt das aber, daß man deswegen keine eigene Analyse der Situation anstellen soll, um nicht als – jetzt in den allgemeinen Bereich übertragen – als vorurteilsbeladener Verschwörungstheoretiker da zustehen? Alles nur Zufall und Eigenverursachung?

          Und jetzt kommt das große Finale:

          „(Projektionen) gestatten, in der Rolle der armen Opfer zu bleiben, ohne Verantwortung zu übernehmen.…Die Zurücknahme der Projektionen beinhaltet dagegen die Übernahme von Verantwortung für das, was ist.“

          Es soll also der Gemobbte die Verantwortung für das Mobbing übernehmen. Eigentlich eine Zumutung sondergleichen. Und vor allem im Grunde eine Gesellschaftsanpassung ohnegleichen. Denn so läuft es ja. Als Bürger muß man die Folgen der Politik einer Regierung bezahlen, auch wenn man sie nicht gewählt und im Rahmen seiner Möglichkeiten dagegen Stellung bezogen hat. Aber trägt man dann eine moralische Verantwortung dafür? Bin ich für einen Zustand moralisch verantwortlich, der gegen meinen Willen von außen herbeigeführt wurde?

          Also: Nicht aufbegehren, sondern „Take me – Glücksnahrung“, verzehren, „die sich uns seit Jahren diesbezüglich sehr bewährt.“

          Ist das die Hilfe, die wir suchen?

          ((PS: Optische Absetzung der Zitate ist mir nicht gelungen, eventuell nachbessern)

          • Diesen Kommentar finde ich gut. Er setzt sich wenigstens auf eine zivile Art und Weise mit dem Artikel von R. Dahlke auseinander.
            D. betont immer wieder, es gehe NIE um Schuld. Die wird aber sehr oft in seine Aussagen „hineininterpretier“. „Wahn“ im geannten Zusammenhange ist sicher nicht der Begriff, der psychiatrisch verwendet wird. Lt. Duden bedeutet Wahn, in der nicht psychiatrischen Bedeutung, die es ja auch gibt (!!!) irrige Annahme, falsche Vorstellung.
            Aber natürlich sieht ein Psychiater vorrangig hier „seine“ Definition. Dann gelangt er ganz schnell auf eine Schiene die nicht mehr hilfreich ist.
            Wir hatten einen Kollegen, der hatte immer „Streit“ mit seinen Patienten, war ständig am Kämpfen mit ihnen, schrieb Bewscherdebriefe über sie. „Seine“ Patienten beschwerden sich ständig über ihn auch schriftlich. Er fühlte sich von ihnen „gemobbt“.Seine „Einsichtsfähigket“ – er bekam sehr viel Unterstützung – blieb bei Null. Als er öffentlich im Park an einen Baum pinkelte, dafür kritisiert wurde, war natürlich wieder das Opfer. Seine Sichtweise wurde von keinem einzigen im Team geteilt. Na ja, so kann man zum Mobbing-Opfer werden, wenn doch alle gegen einem sind.
            Ich habe in dreissig Jahren Arbeit mit Abhängigen nie erlebt, dass es jemand schaffte da raus zu kommnen, ohne die „Opferrolle“ aufzugeben und Eigenverantwortung für seine Sucht zu erleben. Darunter waren zutiefst traumatisierte, die je nach Einzelfall all die vielen hier genannten bösen Dinge im Aussen erlebten, oft hundertmal schlimmer, als die hiergeschilderten Mobbingopfer. Die Rolle des Opfers ist eine Falle. Damit meine ich NICHT, es gab all diese Vesrahltensweisen gegen sie nicht. Doch, es gab sie.
            Aber es geht nicht um SCHULD, sondern es geht darum, dass ich für meine Leben, für meine Situation die Verantwortung übernehme. Wie dies im Konkreten dann ausschaut ist etwas ganz anderes. Wenn mich ein böser Mensch irgendwo eingeschlossen hat, dann ist es meine Verantwortung, alles zu tun da raus zu kommen. Ich kann auch jammern, dass keiner mir hilft,
            so lange bis ich verdurstet bin.
            Mir geht es auch gar nicht darum Herrn Dahlke zu verteidigen. Doch fand ich die Art der Kritik teilweise
            „unterste Schublade“, „Kneipengegröle“. Und dann fand ich viel Unkenntnis.
            Und jemanden bedauern, ihm Medikamente geben und das wars ist keine Hilfe. Sie überdeckt das Elend nur.
            Hinter „Mobbing“ steckt viel Abwertung des anderen. Deshalb sollte in dieser Diskussion auf Abwertung verzichtet werden, vor allem auf den Vorwurf, den man bei ihm kritisiert.
            Ach ja, das Tankstellenbeispiel kann ich leider nicht
            nachvollziehen

  19. … ja, das zeigt, dass wie auch immer man es dreht und wendet, man immer auf die psychotischen Denkstrukturen eines Herren Dahlke stösst und letztendlich die diskreditiert, die wIrkliche Unterstützung bräuchten….Aber er bekommt eine Menge Aufmerksamkeit und alles wird zu einem lukrativen Geschäft(Bücher, Vorträge etc).

  20. Unglaublich das Ganze. Das da sich R. Dahlke hinstellt und seine wo und wie auch immer gewonnenen „Erkenntnisse“ (besser: Erleuchtung) als „Weisheiten“ verbreitet, ist ja schon an sich überflüssig. Das sich dafür aber auch noch ein „FACH“forum als Veröffentlicher anbietet, ist das Andere. Denkt dieses FACHforum bei der Veröffentlichung derartiger Inhalte gar nicht an seinen Ruf, bzw. Glaubwürdigkeit? Als Fachforum hat man doch eine fachliche Verpflichtung, also auch Seriosität bzgl. fachlicher Inhalte. Durch das Veröffentlichen solcher Texte stempelt sich so ein Forum doch selbst in die unprofessionelle Nicht-ernst-zu-nehmen-Ecke ab.
    Die Bezeichnung „Fach“ soll echtes Fachwissen suggerieren, wird aber in vielen Disziplinen deutlich überstrapaziert. Oft verbergen sich dahinter ungenügende Kenntnis, mangelhaftes Halbwissen oder unrichtiges Pseudowissen. Es ist ziemlich anstrengend geworden in einer Welt der sogenannten Informations- und Wissensgesellschaft die Spreu vom Weizen zu trennen. Egal ob Print oder Internet, das wirklich fundierte Wissen ist leider unterrepräsentiert. Der Markt bietet so alles Mögliche, das besser nicht veröffentlicht gewesen wäre. In dem Wissens-Müll sollten sich Konsumenten eine sehr feine Nase zulegen, damit sie sich nicht ihre „Geruchs“nerven zerstören (und ihre Gehirnzellen). Halbwissen macht/hält dumm. Dann kann man bald von einer Verblödungsgesellschaft reden. Es bleibt nur zu hoffen, dass Leser und Betroffene, die derartige „Weisheiten“ lesen noch rechtzeitig den geistigen Schalter umlegen und sich ernst genug nehmen und nach wirklicher Fachkompetenz suchen. Egal ob Buch, Artikel, Fernsehsendung oder Fachmensch. Ist nicht immer einfach, aber ein Versuch wert.
    Wo keine Nachfrage … hat Dahlke & Co. keine Zuhörer.

    • Ich weiß nicht, welche Fachkompetenz Sie haben um diese Aussagen zu machen. Wie trennt man denn die Spreu vom Weizen, Wer oder was ist das/der eine und wer das/der andere? Glauben Sie wirklich, dass Ärzte, de nur noch nach witschaftlichen Geseichtpunkten handeln fachlich integer sind? Glauben Sie, dass Wissenschaftler die z.B. von der Phamaindustrie bezahlt werden objektive Daten/Fakten liefern?
      Hans Peter-Dürr, Quantenphysiker, Nachfolger von Werner Heisenberg am Max-Planck-Institut in München, Nobelpreisträger sagte einmal sinngemäß: Gemessen am Stand der heutigen Physik ist die Medizin auf dem Stand des Mittelalters. Sind das IHRE Fachleute?
      Man kann zu Dahlke – wer ist Co? – stehen wie man will: Welche Fakten können Sie den nennen?
      Wer, der hier z.B. über Esoterik herzieht weiß denn, was Esoterik wirklich ist? Ich rede nicht von dem Haufen Schrott, der unter dem Namen gehandelt wird, jedoch nichts damit zu tun hat.
      Und – ich bin kein Esoterkiker.

  21. Guten Abend, Herr Dr. Teuschel!

    Entgegen der Meinung einiger meiner MitbloggerInnen empfehle ich Ihnen dringend (!)
    wohlwissend, dass Sie wenig Zeit zur Verfügung haben, sich mit Robert Betz und Rüdiger Dahlke
    eingehend zu beschäftigen. Beide sind nicht „unter ferner liefen“ zu verbuchen.
    Sie erreichen Menschenmassen!!! Und Psychiater sollten wissen, mit welchen „Hilfen“ sich Patienten unter anderem auseinandersetzen.

    Es boomt ein Eso-Markt, das wissen Sie.

    Mittlerweile weiß ich nicht mehr so recht, was ich von R.B und R.D. halten soll.

    Wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Zeit fänden, sich mit diesen beiden Vertretern auseinander zu setzen (immerhin sind sie ja eine „Art“ Konkurrenz für Ihre Berufssparte).

    Wäre schön, aber davon gehe ich aus, dass Sie nicht vorschnell urteilen.

    Freue mich auf Ihre Einschätzung. (Zeit sollten Sie sich bitte nehmen).

    Beste Grüße
    Bernadette

    • Naja, wenn ich mir so die Berichte über beide bei Wikipedia durchlese, werde ich die Lektüre doch noch etwas aufschieben.

      „Die wesentliche Quelle für die Entwicklung und Legitimation seiner Therapiemethode liegt laut Betz „in (s)einem alten Wissen als Lehrer, das nicht aus diesem Leben stammt“.[7]“
      „Im Jahresbericht 2012 der Fachstelle für Sektenfragen der Schweiz wird Robert Betz’ psychotherapeutischer Ansatz in dem Artikel PsychologInnen auf esoterischen Abwegen von Regina Spiess und Jürg Treichler[8] kritisch hinterfragt, weil er eine „esoterische Methode ohne wissenschaftlich anerkannte Grundlage“[9] darstelle.“
      „Es gibt mehrere problematische Thesen bei Robert Betz. Eine ist seine „Opferrollen-Theorie“, nach der ein Opfer selbst dafür verantwortlich sei, psychische und körperliche Gesundheit zurückzuerlangen. Betz spricht in dem Zusammenhang (auch sinngemäß) von „selbsterzeugte(m) Leid“.[21][22] Außenstehende sollen sich außerdem in die Leidenssituation eines Opfers nicht einmischen. „Helfen und retten wollen schwächt den anderen meist und verlängert sein Leiden.“[23] Nach Betz ist „jede Krankheit (…) ein Segen und hat eine einzige klare Ursache“.[24] “

      Offensichtlich haben beide Autoren ein ganz besonderes Verhältnis zu Opfern.

      Für ein eigenes Urteil fehlt mir aber wirklich die Kenntnis der Bücher und dafür – Sie schreiben es – einfach die Zeit.

    • Eines finde ich hier an der Diskussion sehr spannend und bezeichnend. Da geht es um die Verteidigung von Mobbingopfern gegen einen Artikel von Herrn Dahlke. Doch wie sieht diese Verteidigung aus: Aus meiner Sicht zum Teil reines Mobbing!!! Ja, ja, der Spliter und der Balken.
      Finder das erbärmlich, aber auch bezeichnend, dass mit Diffamierung auf eine (angebbliche)
      Diffamierung reagiert wird.

        • Stimmt, Herrn Dahlke wird es nicht belasten. Stellungnahme ja, unqualifizierte, diffamierende Äußerungen nein. Wenn ich schon kritisiere, dann sollte ich soviel Anstand haben, es sachlich zu tun. Und wer entscheidet, was ein „Fachs“arikel ist?
          Erinnert mich an die Fußballweltmeisterschaft. Da gab auch unendlich viele „Fach“leute. Na ja, Jogi hats nicht gestört und die Mannschaft holte dem Titel.

  22. Wenn man einen Großteil der hier veröffentlichen Artikel sorgfältig betrachtet, wird einem sofort bewusst, woher Mobbing, das heisst Gewalt, eigentlich ihren Nährboden bezieht.
    Die meisten Kommenatoren hier schieben ihren (vielleicht noch so geringen, jedoch immer vorhandenen) Anteil an der Gewalt in der Welt einfach beiseite oder versuchen zumindest, ihn hinwegzuwischen. Dabei tun Sie mindestens dem Herrn Dahlke Gewalt an.
    Dieser sagt nämlich nicht: Die Opfer sind die eigentlichen Täter, sondern vielmehr: Wir haben alle Täter/Opfer Aspekte in uns, die es unter anderem AUCH zu berücksichtigen gilt, bei der Mobbing-Analyse und dessen ursächlicher Ergründung. Und das auch nicht zuletzt deshalb, weil die Opfer von heute die Täter von morgen werden könnten. Es ist eine Spirale.
    Diese ach so dummen Gurus, diese ach so dummen Esoteriker sind nicht das Problem von Rüdiger Dahlke, sondern seinen Brandmarkern.
    Es entgeht scheinbar auch der allgemeinen Aufmerksamkeit, dass die Art und Weise, wie die herausgenommenen Zitate des Betreffenden hier aufeinanderfolgen, der Bestätigung der eigenen Meinung dienen soll. An einem möglichst objektivem Beurteilungskriterium geht das völlig vorbei!

    • Kann diesen Beitrag voll unterstreichen. Den meisten scheint es wirklich nicht um Objektivität zu gehen, um Sachlichkeit. Stattdessen erlebe ich hier überwiegend ein Klima, das für mich Mobbing-Charakter hat. Dies bestätigt im Grunde genommen das was Herr Dahlke meint.

  23. Gute Abend beisammen,

    Meiner Erfahrung nach ist es sehr bedenklich jemanden der sich als als Opfer fühlt, gerade weil Sie die Erfahrung gemacht haben, als selber Schuld zu betiteln. Es ist meiner Erfahrung eine gewisse art der Hilflosigkeit die sich im Laufe der Zeit bei den Therapeuten eingestellt hat, wenn das was sie vermitteln wollen nicht angenommen wird. Das liegt halt an der art und weise wie man jemanden etwas vermittelt und zwar mit liebe und Mitgefühl. Nur jemand der sich angenommen fühlt wird sich öffnen und dann kann der Person geholfen werden. Man muss immer bedenken, das Wörter immer als Trigger fungieren können z.b. Opfer ( Niemand will ein Opfer sein ), deswegen ist Opfer oder Wahnsinnig auch sehr schlecht um einem Hilfesuchenden zu betiteln und es verstärkt sogar noch die Opferhaltung.

    Das Wahnhafte kommt durch die Angst die entsteht weil man eine oder mehrere Erfahrungen gemacht die dies bestätigen. Es ist im Grunde nichts anderes als ein Schutzmechanismus ( vorsichtig sein Haltung um Gefahren frühzeitig zu erkennen ). Wenn jemanden der ein Mobbingopfer ist als Wahnsinnig betitelt , dann hat dieser in einem Heilberuf nichts verloren. Wenn jemand in einer Opferhaltung durch Leben geht, dann wünscht dieser Mensch sich nichts mehr als das dieser Alptraum aufhört und sucht nach Hilfe. Kommt man nun zu jemanden der sagt du bist selber Schuld daran, dann muss sich ja zwangsläufig ein Widerstand aufbauen. Das eine Opferhaltung in unserer Gesellschaft die darauf aufgebaut das der Stärke gewinnt, natürlich Probleme mit sich bringt das ist klar. Ein Schaf unter Wölfen wird wohl das erste sein auf das losgegangen wird.

    Das eine bestimmte Haltung dafür Verantwortlich ist um leichter gemobbt zu werden, das stimmt zu einem teil. Was ist allerdings mit Kleinkindern die geschlagen werden ? Es gibt da einfach verschiedenste Gründe wieso jemand zum Opfer wird bzw. wieso jemand gemobbt wird. Das kann sein das die Person nicht dem Schönheitsideal entspricht ( wie in der Gesellschaft vorgegeben ).Die Frage ist außerdem ob jemand der Täter ist, nicht selber in Wirklichkeit ein Opfer ist und deswegen zum Täter wird. Immer einem bestimmten Ideal entsprechen zu müssen ist ein art von Selbstverklaverei das unzufrieden macht. Unzufriedenheit ist eine Grundvoraussetzung für einen Täter.

    Vergebung heißt es auch immer ist der Schlüssel zur Heilung. Das stimmt auch, allerdings wird keinem gesagt wie man vergeben kann. Jemand der wütend ist weil er sich hilflos fühlt, der ist nicht bereit dem der einem Leid verursacht hat zu vergeben. Wenn jemand allerdings versteht wieso der Täter das getan hat, dann ist es schon wesentlich leichter zu vergeben. Das Problem ist allerdings, das man sich schon mal gar nicht darauf einlassen will, gerade weil der Täter Leid Verursacht hat und noch leid verursachen könnte. Das heißt unter anderem das selbst wenn der Wille zum vergeben da wäre immer noch die Angst das es nochmal passiert da ist und deswegen oft auch nicht vergeben werden kann ( sozusagen als Schutz vor zukünftiger Gewalt ).
    Das beste was man tun kann, ist herauszufinden was man wirklich will und darauf hinzuarbeiten.
    Vielleicht ist der Job auch nicht das richtige und man möchte in Wirklichkeit ganz was anderes.
    Nun kann man natürlich auch sagen das kommt dann einem fliehen gleich, aber manchmal ist einfach ein Neuanfang eine Neuanfang und keine Flucht vor etwas.

  24. osterhasebiene langnase Antworten

    R.Dahlke, Th.Detlefsen und viele andere, die ihre Lebenphilosophie auf der Grundlage der Hermetik aufbauen, sind öffentliche Personen und stellen sich mit der Veröffentlichung ihrer Bücher auch der allgemeinen Meinungsbildung zur Verfügung. Diese zu hinterfragen oder kritisch zu beleuchten hat absolut nichts mit Mobbing der Autoren als Person zu tun. Selbst dann, wenn die sogenannte Kritik nicht allen objektiven und wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, muss die Frage nach Sinn und Nutzen dieser Ansichten für bestimmte Bereiche (wie Mobbing) erlaubt sein. Hermetik ist eine Philosophie, die eben auch ihre Grenzen hat, bei ebenso vielen Möglichkeiten. Sie ist vor allem keine Religion, denn dazu fehlt der Gott oder das Transzendente. Jeder kann selbst entscheiden, welcher Weg für ihn richtig und sinnvoll ist.

    • Natürlich ist das alles erlaubt. Aber die Kritiker stellen ihre Kritik ja eben auch öffentlich aus, und dürfen genauso darüber kritisiert werden (wie eben in dem Kommentar, worauf Bezug genommen wird, geschehen!)
      Davon lebt so ein Forum, (solange niemand persönlich beleidigt wird!)

  25. Es ist sicher einfacher, die entsetzten Reaktionen von Mobbingopfern und deren Sprachlosigkeit und die spätere, damit verbundene Empörung (wenn sich deren Entsetzen gelegt hat) zu beschreiben und dann verächtlich zu machen, als sich auf ihr Leiden und ihre Ängste wirklich einzulassen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und Wege zu finden, mit den Angriffen und den Aggressionen der Umgebung besser fertigwerden zu können. Das erfordert Wissen, harte Arbeit, Mut und Ausdauer sowie Einfühlungsvermögen. Jemanden verächtlich zu machen, ihn damit zu schocken und sprachlos zu machen, das ist einfacher, unmenschlicher und allenfalls kontrovers.
    Dieser Mann beschreibt das Entsetzen und den Schock von Menschen, die in eine Therapie gehen und sich Hilfe erhoffen, stattdessen aber zu hören bekommen, sie wären selbst Schuld an dem was ihnen widerfährt und vielleicht sogar „wahnsinnig“. Man muss sich vorstellen, wie es einem Menschen ergeht, der psychologische Hilfe braucht, sich in die Therapie begibt mit der Hoffnung, einen Menschen zu finden, der ihm zuhört, ihn ernstnimmt und vielleicht auch etwas Trost geben kann. Dann wird er geschockt und seine Sprachlosigkeit, sein Entsetzen und die spätere Empörung wird verächtlich gemacht, das heißt, dieser Mensch wird erneut auf das Tiefste beschämt und gedemütigt.
    Natürlich muss ein Therapeut einem Patienten auch Dinge vermitteln, die ihn wirklich schockieren, Angst machen oder beschämen können, aber er wird es dann tun, wenn der Patient die nötige Stärke und Kraft dafür hat und auch die damit verbundene Einsicht in seine eigenen Schwächen und Verletzlichkeit. Es ist schwer und erfordert viel Erfahrung und Gespür für den richtigen Zeitpunkt.
    Wenn ein Mobbingopfer „wahnsinnig“ sein soll, dann bedeutet die Tatsache, sich in therapeutische Betreuung zu begeben einen weiteren „Beweis“ das „etwas mit ihm nicht stimmt“. Daher werden solche Menschen zusätzlich beschämt und suchen vielleicht keine Hilfe mehr.
    Wird ein Mensch (egal welchen Alters) über lange Zeit hinweg gedemütigt und erniedrigt, dann kann er auch zu einer „tickenden Zeitbombe“ werden. Die Amokläufe an Schulen (USA, Deutschland…), das jüngste Beispiel bei der Lufthansa (Germanwings) sind dann oft das grausige Ergebnis, die damit verbundene Wut und den aufgestauten Hass an Unschuldigen abzureagieren. Glücklicherweise gibt es nur wenige so extrem reagierenden Menschen, aber ich denke im Alltag oft daran, dass es besser ist, andere Menschen ernst zu nehmen, sie zu respektieren, auch dann, wenn sie leiden oder einen Verlust zu verkraften haben oder sogar gemobbt werden. Sie können ihre Wut, ihren Hass und ihren Schmerz über die Art, wie sie behandelt werden in Worten äußern, bekommen durch die Empörung des Therapeuten eine Bestätigung das sie unrecht behandelt werden und können dieses Leid dann in ihre seelische Struktur einfügen und es irgendwann vergessen oder als eine von ihnen gemachte Erfahrung nutzen.

  26. Du hast die Geschichte nicht kapiert und dein gejammere ist ein Paradebeispiel der von R.Dahlke angefechteten Opferhaltung. In meiner damaligen Schulklasse war ich auch von Mobbing betroffen. Nach mehrmaliger Bitte, mich auf einer anderen Schule zu schicken und Gesprächen blablabla setzte ich der Geschichte ein Ende, Indem ich dem Kollegen sowas von eine an die Rübe geballert habe, dass er weglaufen musste. Nun werden einigen Leute sagen „Gewalt ist keine Lösung“ und dem stimme ich 100% zu. Was dort aber in Wahrheit passiert ist, dass ich meine Angst überwunden habe. Seit dem Tag habe ich selten bis garnichts mehr mit „Mobbing“ zutun und wenn dann folgt ein ernstes Gespräch oder Ich trenne mich von besagter Person. Auch in der Firma War ich sehr beliebt, doch dieses Oberflächliche Bildzeitubgsgelaber ist mir irgendwann so zu Kopf gestiegen, dass ich die Firma verlassen musste. Heute habe ich auch „Probleme“ wie jeder andere auch, doch ich habe gelernt das eine Opferhaltung keinen Spaß macht und es gehört Mut seine Angst zu überwinden. Das ist eigentlich die ganze Message und R.Dahlke sagt nichts anderes.

  27. Menschen, die sich offen zu ihrem Leid bekennen, werden leider oft beschämt und es wird gemeint, sie würden jammern. Deshalb müssen sie hierfür viel mehr Mut aufbringen, weil sie diese Beschämung auf sich nehmen und es nur wenige Menschen gibt, die sie ernst nehmen und ihnen Mitgefühl entgegenbringen. Sie fürchten diese Beschämung zu Recht, überwinden aber dennoch ihre Angst davor, für ihr Leiden verhöhnt und tief beschämt zu werden. Gerade weil sie es vor sich selbst und in diesem Fall vor ihrem Therapeuten (oder einer anderen Vertrauensperson) eingestehen, zeigen sie sich besonders mutig und beweisen damit Stärke und gewinnen somit auch an Würde.
    Das ist aller Achtung wert und es ist nicht beschämend, wenn ein Mensch sich für seine eigene Würde einsetzt und diese verteidigt.

  28. Raimund Heigl Antworten

    @Jackson

    Das was dir da passiert ist, ist im Grunde nichts anderes, als von einem Pol zum anderen zu wechseln. Das heist im klartext die Opferhaltung hat dein persöhnliches Maxium erreicht ( der Erniedrigung ) und endet dann in dem anderen Extrem ( zuschlagen ). Das eine Opferhaltung nicht weiter hilft, soviel ist jedem Mobbingopfer auch klar, aber herauskommen tun sie nicht so einfach. Das zuschlagen ist im Grunde auch kein wirkliches herauskommen aus dieser Haltung, sondern eine reaktion von dem ich Gefühl ich kann nicht mehr ( was tiefste Hilflosigkeit ist und der einzige Ausweg ist ich schlag so fest zu das ich das nicht mehr mitmachen muss ). Natürlich kann man nun sagen das die anderen das dann nicht mehr machen. weil sie Angst haben aber Hass und Wut bleiben ( was im Grunde tiefste Hilflosigkeit ist ).

    Man wird nur zum Täter und nicht mehr zum Opfer, was im Grunde nur ein wechsel ist und keine dauerhafte Lösung des Grundproblems. Man ist in diesem Situation nicht neutral und das wäre im Grunde das Ziehl was es anzustreben ist. Klar ist ein Täter nicht mehr in der Opferhaltung und das fühlt sich als ehemaliges Opfer besser an, soviel ist klar, aber es ist trotzdem ist kein wirklicher Frieden da. Frieden kann nur entstehen durch Vergebung. Vergeben ist leichter wenn man versteht das die Täter im tiefsten inneren genauso hilflos sind auch wenn es im Außen anderes aussieht. Wenn ich zu anderen beonders fies und gemein bin, dann sieht niemand wie schwach ich in Wirklichkeit bin.Wenn ich besonders fies und gemein bin, dann sehen mich die anderen vielleicht als selbstbewust und stark und cool an, denn sie würden sich sowas niemals trauen. Dann akzeptieren sie mich vielleicht so wie ich bin und dann ist das ist das was ich eigentlich will. Wenn ich besonders fies und gemein bin, dann bekomme ich Aufmerksamkeit, da mich sonst keiner sehen würde und nicht gesehen werden ist furchbar, das ist wie nicht zu existieren. Diese Probleme enstehen z.b. durch Alleingelassen werden in in der Kindheit oder nicht ernstgenommen werden, was im Grunde auch eine art von alleinlassen ist und was noch schlimmer ist, das man nicht In Ordnung ist wie man ist. Daraus entsteht z.b. der Wünsch sich beweisen zu müssen auch mit Gewalt wenn nötig.

    MFG

    Raimund

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