Rentner-Rocker, Dada-Rapper – Heino and Eddie on tour

Nachdem unsere jungen Musiker offenbar zunehmend schwächeln, rollen jetzt zwei echte Altmeister das Feld von hinten auf.

Da ist zum Einen Trendsetter Heino. Nicht nur für men in black war er mit seiner coolen Sonnenbrille Vorbild, auch mit seinen zart-dezenten Naturbeobachtungen (Schwarzbraun ist die Haselnuss, Blau blüht der Enzian) bewies er Sinn für subtile Farbmystik und ist somit auch als legitimer Vorläufer der blue man group anzusehen.

 

Die letzten Jahre hatte er ja in stiller Meditation im Schweigekloster verbracht, um mal Jungspunde wie Fanta 4, Ärzte und Konsorten ran zu lassen. Kaum aber hatten sich die Klostertore wieder hinter ihm geschlossen, ging er schnurstracks zum Tollwood und kaufte sich einen Totenkopfring. Und zwar einen schwarzen, damit der zur Lederjacke passt.

Denn Heino war nie weg vom Fenster. Er hat nur Anlauf genommen.

„Mit freundlichen Grüßen“ lautet das neue Album, in dem er alles gecovert hat, was nicht bei drei in der CD-Hülle war. Neben Reaktionen wie Verwirrung, Verärgerung und Verzückung hat er sich gleich mal einen neuen Download-Rekord gesichert: In den ersten drei Tagen nach Erscheinen wurde sein Album so oft gedownloadet wie kein anderes deutsches Album zuvor.

Auf diese Weise wurden jetzt einige Lieder so unbekannter Interpreten wie Nena oder Rammstein mit dem Heino´schen Brandzeichen versehen, einer Art Adelsprädikat deutscher Singkultur.

Danke, Oberrocker Heino

 

 

Nachdem der Düsseldorfer Heino auf diese Weise den Rentner-Rock-Reigen eröffnet hatte, ließ sich natürlich auch unser bajuwarisches Urgestein nicht lange bitten:

Lange Jahre hatte Edmund Stoiber sich ja  mehr dem Sprechgesang verschrieben und als legitimer Nachfolger von Ernst Jandl  dadaistische Meisterwerke hervorgebracht. An dieser Stelle sei nur voller Ehrfurcht des Problembären gedacht:

 

 

Von Heinos vitaler Verve quasi mitgerissen, gab Ed Stoiber jetzt sein OK für eine congeniale Vertonung eines Stückes aus seiner Rapper-Phase. „Als Texter fühle ich mich vom Komponisten absolut verstanden“ wird der ehemalige bayerische Ministerpräsident zitiert. Jonny Königs Stück „Stoiber on drums“ ist auf youtube ein echter Hit.

 

 

Heino und Edmund – die musikalische Nord-Süd-Achse ist somit wieder im Gleichgewicht.

[Obwohl unser Stoiber ja noch mal einen drauf gesetzt hat. Sein Vorschlag, das Kanzlerduell zwischen Merkel und Steinbrück solle von Stefan Raab moderiert werden, groovt ja auch ganz schön.]

Danke, Oberdada Eddie

Peter Teuschel

2 Responses
  1. Stoiber ging als „blondes Fallbeil“ in die Geschichte ein, nachdem er im Zuge des CSU Parteitages im September 1979 verkündete: „Wir haben in der Vergangenheit nicht deutlich gemacht, dass Nationalsozialisten in erster Linie Sozialisten waren und dass Nationalsozialisten Leute waren, die im Großen und Ganzen kollektivistische Lösungen angestrebt und durchgeführt hatten.“ Aus Spiegel: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/zeitgeschichte-das-scheitern-eines-alpha-tiers-a-473512-2.html

    So herrlich ich die Idee vom Schlagzeuger finde, einen Text so genial zu unterlegen… der Herr Stoiber hätts wahrlich nicht sein müssen….

  2. Schau an, mit dem normal sich verhaltenden Stoiber lässt sich sogar Musik machen.
    Wann kommt der Oettinger-Rap?

    Rammstein ver-heino-t klingt übrigens durchaus … interessant.

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