Psychische Belastungen am Arbeitsplatz kaum erfasst

Die alljährlich erscheinenden „Gesundheitsreports“ (früher hießen sie „Krankheitsreports“) der Krankenkassen belegen einen seit Jahren immer mehr zunehmenden Anteil psychischer Störungen bei den zu Arbeitsunfähigkeit führenden Diagnosen.

So sieht die DAK im Jahre 2011 psychiatrische Diagnosen mit 13,4 % an vierter Stelle der am häufigsten zur Krankschreibung führenden Erkrankungen. Die Barmer nennt für das Jahr 2009 bereits 17,6 % psychische Störungen als Ursache einer Arbeitsunfähigkeit.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Meldung der Ärztezeitung, dass nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums im Jahr 2010 nur jede 90. Betriebsbesichtigung das heikle Thema „psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ neben den üblichen Parametern wie Schadstoffbelastung u.ä. zum Thema hatte.

Die Veränderung des Betriebsklimas an den Arbeitsplätzen weg vom Wohlfühlaspekt der Arbeit (ja, so etwas gibt es!) hin zu immer mehr Druck und einseitiger Ausrichtung an Zahlen und Daten ist in der täglichen praktischen Arbeit mit Patienten besonders nachdrücklich zu spüren.

Die Arbeitsschutzaufsicht scheint von diesem Thema überfordert. Psychische Befindlichkeit ist ein sehr schwer objektiv beschreibbarer und eben nicht direkt messbarer Parameter, der aber zunehmend im Fehlzeitenreport der Kassen eine Rolle spielt. Bei gleichzeitigem Arbeitsplatzabbau bei den Arbeitsschutzbehörden ist zu befürchten, dass auch in Zukunft eher die Sitzhöhe und der Bildschirmabstand gemessen werden, als dass auf Frust, Spannungen im Team und Überforderungsgefühle der Arbeitnehmer eingegangen wird.

Peter Teuschel

2 Responses
  1. ich bin fast versucht, diesen artikel an meinen chef zu mailen. aber solange die arbeitsplatz-verlust-angst am start ist un genährt wird, gibt man sich mit wenig geld, viel druck, null motivation und überstunden, die selbstverständlich sind (unbezahlt und unabgegolten) zufrieden. warum verstehen arbeitgeber nicht, dass ein zufriedener mitarbeiter besser arbeitet? solange ihm der job spaß macht (ich geh mal von mir aus).

  2. Das gehört auch zu den Dingen, die ich niemals verstehen werde.
    Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich mal davon aus, dass viele Chefs und Arbeitgeber schlicht nicht gut führen können. In manchen Betrieben kann man sehr schön verfolgen, dass diejenigen die Karriereleiter hinaufsteigen, die gute Zahlen liefern. Gleiches verlangen diese neuen Chefs dann auch von ihren Mitarbeitern. So reduzieren sich die Inhalte der Arbeit immer mehr auf messbare Produktion bei gleichzeitigem Rückgang menschlicher Aspekte.

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