Privatrezept

Immer wieder stoße ich im Gespräch mit meinen Patienten an einen Punkt, an dem ich Ihnen nicht mehr helfen kann.

Nicht dass mir die Sachkenntnis ausginge. Oder dass ich keine Lust mehr hätte, mein Budget nicht ausreichen würde oder mir der Mut fehlen würde, auch unbequeme Wege mit zu gehen.

Gerade bei lang laufenden Arbeitskonflikten, die schon eskaliert sind und mit denen die Betroffenen bereits vor Gericht die vielfach zitierte Erfahrung machen, dass man dort und auf hoher See „in Gottes Hand“ sei, stoßen wir an Grenzen.

Keine Grenzen der Erkenntnis, der Tatkraft oder  der Entschlossenheit.

Nein, es gibt einfach etwas, das in diesen Fällen zu kurz kommt, das wir schmerzlich vermissen und von dem wir doch glauben, wir hätten ein Recht darauf.

Immer wieder stoße ich an diesen Punkt, an dem ich nicht mehr helfen kann.

Zwar kann ich das folgende Rezept ausstellen.

Aber wo kann man es einlösen?

gn3

 

 

 

 

 

 

 

 

Peter Teuschel

5 Responses
  1. In manchen Lebenslagen wünsche ich mir auch so ein Rezept. Manchmal hilft allein die Anerkennung, dass einem oftmals keine Gerechtigkeit widerfährt besser, als jede Medizin.

    • Das stimmt. Die Bestätigung, dass man nicht Recht bekommt, obwohl man Recht hätte, ist sozusagen der zweite Preis. Bitter bleibt es trotzdem, in erster Linie natürlich für die Betroffenen, aber auch für mich.

  2. Man könnte es schon einlösen.
    Da seine Wirksamkeit aber nach Ansicht einiger Richter nur bei Patienten nachgewiesen ist, die gleichzeitig an der Krankheit „Macht/Geld“ leiden, wird es oft nur diesen verschrieben.

  3. Der Punkt, an dem man nicht mehr helfen kann…

    Ja, das empfinde ich auch immer wieder sehr… Gerade in der Begleitung von Mobbingbetroffenen… Ein Mitarbeiter einer Krankenkasse, dem ich ein paar Visitkarten dalassen wollte, da er mich auf Mobbing ansprach, sagte: „Aber ihr (in der SHG) könnt ja auch nicht helfen.“

    Was soll man dazu sagen – im Wissen, dass 80 % aller Mobbingfälle mit Existenzverlust, oft Krankheit, bitterer Enttäuschung bis posttraumatischer Belastungsstörung einhergehen… ?
    Manchmal können wir helfen – im Sinne von Veränderung der Situation – durch welche kreativen Ideen und Gruppenberatungen auch immer…
    Aber sehr viel öfter können auch wir es nicht – im Sinne von Situationsveränderung.
    Das ist sehr bitter. Nicht nur für den Betroffenen. Auch für jeden, den es schon „vorher“ erwischt hat…, und der zur Gruppe kommt, um es zu verarbeiten…

    Das System können wir (nicht oder nur langsam) verändern..
    ABER
    Eines können wir immer: FEST an der Seite desjenigen stehen – egal, wie sich seine Situation auflösen wird. WIR SIND DA. AN SEINER SEITE. UND LASSEN IHN NICHT ALLEIN.
    Und tragen GEMEINSAM das große Unrecht, gegen das es so oft kein Mittel gibt – so gut es geht.

    Aber Ihr Rezept… das würd ich sooo gerne so vielen in unserer Gruppe überreichen!
    Das wäre sooo eine Supersache – könnte man Gerechtigkeit verschreiben… *träum*
    Eva

    zwei dinge verleihen der seele am meisten kraft:
    vertrauen auf die wahrheit und vertrauen auf sich selbst.
    lucius annaeus seneca (4 – 65 n.chr.)

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