#Movember hat auch eine psychische Dimension

 

Vor zwei Tagen habe ich unter dem Hashtag #Movember ein altes Portraitbild von mir auf Facebook hochgeladen. Natürlich hat das in erster Linie Heiterkeit ausgelöst und das ist bei solchen Meisterwerken früher Fotokunst ja auch nachvollziehbar.

Stabsarzt Dr. Teuschel 1987

Darüber soll aber nicht die ernste Bedeutung dieses Hashtags vergessen werden.

Im #Movember lassen sich Männer, die etwas auf sich halten, einen Oberlippenbart stehen. Wieso und warum?
(Nachdem ich das ganze Jahr Bart trage, musste ich ein altes Foto bemühen.)

Diese Aktion soll Aufmerksamkeit auf männertypische Gesundheitsthemen lenken. In erster Linie denkt man dabei an Prostata- und Hodenerkrankungen. Die Botschaft heißt: Jungs, passt auf euch auf. Nehmt die Besonderheiten eures Geschlechts ernst. Verhaltet euch nicht so, als wärt ihr unverletzlich (auch wenn das euer Lebensgefühl ist).

Für mich als Psychiater hat #Movember aber auch eine psychische Dimension.

Nach wie vor fällt es – zumindest nach meinen Erfahrungen in der Praxis in den letzten 20 Jahren – Frauen deutlich leichter, psychische Probleme zu erkennen, zu akzeptieren und sich fachmännische Hilfe zu holen.
Die Schwelle, sich bei Depressionen oder Angststörungen zu outen und zum Facharzt zu gehen (oder sich dem Hausarzt zu öffnen) ist bei Männern immer noch deutlich höher. Dadurch verzögert sich die Behandlung manch eines meiner Geschlechtsgenossen unnötig. Hinzu kommt, dass manche psychischen Störungen bei Männern einfach anders „aussehen“ als bei Frauen. Zum Beispiel sind depressive Männer häufiger aggressiv als Frauen.
Über die Ursachen und Einflussfaktoren dieser Geschlechtsunterschiede möchte ich mich hier gar nicht auslassen, das würde sicher ein Buch füllen.

Aber #Movember heißt für mich auch ganz klar:

Liebe Männer, keiner verlangt von euch , dass ihr allen Ernstes Superman seid. Angst ist ebenso ein Männerthema wie gestörter Schlaf, Niedergeschlagenheit und das Gefühl, ein völliger Versager zu sein. Alles nichts „Unmännliches“.

Schwierig wird´s nur, wenn ihr euch mit diesen Themen zurückzieht, euch mit all den coolen Jungs vergleicht, die scheinbar nichts aus der Ruhe bringt und deshalb Wochen, Monate oder Jahre verstreichen lasst, bevor ihr euch traut, zum Facharzt für Psychiatrie zu gehen.

Das ist Blödsinn.

Wenn der Schuh psychisch drückt, macht einen Termin aus. Legt die Karten auf den Tisch. Männlich ist nicht, sich zu verstecken. Männlich ist, aus dem Schatten herauszutreten und zu sagen: „So, hier bin ich, Doc. Was machen wir jetzt?“

Das fände ich echt stark.

Peter Teuschel

2 Responses
  1. „Wenn der Schuh psychisch drückt, macht einen Termin aus. Legt die Karten auf den Tisch. Männlich ist nicht, sich zu verstecken. Männlich ist, aus dem Schatten herauszutreten und zu sagen: ‚So, hier bin ich, Doc. Was machen wir jetzt?'“

    Das fände ich echt stark.

    #ichauch 🙂

    Ein sehr enger und und vertrauter Freund von mir, hat es in letzten halben Jahr geschafft, diesen Schritt zu gehen. Es ist so toll mitzuerleben, wie er sich „selbst“ befreit und entblättert. Mal in kleinen, mal in Riesenschritten. Der „schrumplige Trauerkaktus“ fängt wieder an zu blühen und dafür ist er sehr dankbar, dass er das wieder leben und fühlen kann.

    Danke, dass Sie mit Ihrem Blog dazu beitragen, solche Unterschiede in der Bewertung und Behandlung psychischer Erkrankungen geschlechterspezifisch darzustellen und uns therapieerfahrende Frauen indirekt dazu auffordern, „unseren Männern“ Mut zur Therapie zu machen.

    Herzlichst Sophie im Movember

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