Mordfall Peggy: Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet

Vor einigen Tagen habe ich hier das Buch „Profiler & Co“ besprochen, in dem es unter anderem um die Problematik bestimmter Verhörmethoden geht.

Passend zu diesem Thema wird jetzt einer der spektakulärsten und umstrittensten Prozesse neu aufgerollt: Der Mordfall Peggy.

Peggy Knobloch (Bild: Polizei)

Peggy Knobloch
(Bild: Polizei)

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neunjährige Peggy Knobloch verschwand 2001 auf dem Heimweg von der Schule spurlos.

2004 wurde der damals 26jährige Ulvi Kulac für den Mord an dem Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt. Grundlage hierfür war ein Geständnis, das später widerrufen wurde. Kulac hat einen IQ von 68 und muss demzufolge als deutlich intelligenzgemindert angesehen werden.

Zur Verurteilung trug auch wesentlich bei, dass ein Zeuge ausgesagt hatte, Kulac hätte ihm gegenüber die Tat zugegeben. Diese Aussage wurde später ebenfalls widerrufen.

So bestanden von Anfang an große Zweifel, ob mit Ulvi Kulac der richtige Täter ermittelt und verurteilt worden war.

Heute, am 9.12.2013, wurde vom Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet (auf der Seite auf „intern“ klicken). Hierfür gab es zwei Gründe:

  • Die erwähnte bewusste Falschaussage des mittlerweile verstorbenen Hauptbelastungszeugen.
  • Das Vorliegen einer Tathergangshypothese zum Zeitpunkt der Vernehmung von Ulvi Kulac.

Was hat es mit dem zweiten Punkt auf sich?

Der bekannte Forensiker Hans-Ulrich Kröber hatte seinerzeit ein Gutachten über Kulac erstellt, das sich mit dem Wahrheitsgehalt von dessen Geständnis beschäftigte. Kröber argumentierte, dass die These, Kulac sei in seinem Geständnis von Polizeibeamten beeinflusst worden, daran scheitere, dass der Polizei keine Tathergangshypothese vorgelegen habe. Auf deutsch: Die Beamten hätten Kulac nichts einreden können, das sie selbst nicht wussten. Jetzt aber zeigte sich, dass offensichtlich den Beamten durchaus eine Hypothese zum Tathergang bekannt war, es also nicht auszuschließen sei, dass sie den Angeklagten in diese Richtung suggestiv beeinflusst hätten.

Das oben zitierte Buch beschäftigt sich mit umstrittenen Verhörtechniken. Unter anderem wird die Dauer eines Verhörs für das Zustandekommen falscher Geständnisse angeschuldigt. So fand sich nach einer Studie von Drizin und Leo aus 2004 bei erwiesenermaßen falschen Geständnissen eine Verhördauer von im Mittel 16,3 Stunden(!).

Außerdem soll bei Kulac die so genannte Reid-Methode zum Einsatz gekommen sein. Diese Verhörtechnik besteht darin, den Vernommenen bei Leugnung immer mehr unter Druck zu setzen und gleichzeitig die Konsequenzen eines Geständnisses zu bagatellisieren.

Ich weiß nicht, ob Ulvi Kulac der rechtmäßig verurteilte Mörder von Peggy Knobloch ist.

Die Wiederaufnahme des Falles werde ich aber mit großem Interesse verfolgen.

Peter Teuschel

One Response
  1. Kindermorde sind wirklich eines der abscheulichsten Verbrechen…
    Es ist unvorstellbar… wozu Menschen fähig sind…
    Wenn das Geständnis (ohne Anwalt) und nach stuuundenlangen Verhören wahrlich das einzige ist… ist das für eine lebenslange Haft wahrlich sehr dürftig… Ich möchte kein Gerichtspsychiater sein… Aber auch kein Richter…
    Was mir auffällt…. aus der Geschichte geht hervor, dass er sich (angeblich) des sex. Missbrauchs an 20 Jungen schuldig gemacht hat…So grauslich das klingt.. – aber… warum plötzlich dann ein Mädchen…?
    Wenn er es nicht war, heißt das, der Mörder ist gut davongekommen… und hat vlt. schon einige weitere Taten verübt… Es kann auch vor lauter Polizei“eifer“ vorkommen, dass jemand zu Geständnissen genötigt wird, Hauptsache, man hat EINEN Täter. Es scheint auch immer wieder vorzukommen, dass die Ermittlungen nur auf eine Person gehen… weil man meint, der/die ist es… Und ganz vergisst, in andere Richtungen zu ermitteln…

    Aber.. abgesehen von dem Verfahren und der Wiederaufnahme:
    Gedenke ich Peggy und ihren Eltern.
    Und dass sie nie gefunden wurde… was auch für die Eltern ganz furchtbar sein muss.

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