Mobbing „kein Fall fürs Gericht“?

Bild: © Thorben Wengert / pixelio.de

 

Als Leser der „Welt“ kann man sich mit einer Leserfrage die Einschätzung eines Fachjuristen zu eigenen Problemen holen. Leider ist das nicht in jedem Fall hilfreich:

Mobbing ist nichts für das Gericht

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Eckert rät davon ab, im Falle von Mobbing juristische Schritte einzuleiten. Er empfiehlt stattdessen, „dass die Betroffenen miteinander sprechen und nicht (beim Chef) übereinander“.

Wenn ein Gespräch keine Lösung bringe, könne man den Chef oder den Betriebsrat immer noch einschalten. Diese hätten die Aufgabe, den Mitarbeiter zu schützen. Dass der Fragesteller bereits in seiner Frage geschrieben hat, dass sich der Chef nicht in der Verantwortung sieht, bleibt leider unberücksichtigt.

Die Antwort ist als solche sicher nicht schlecht, nur leider nicht auf diese Frage. Sie beschreibt sinnvolle Strategien zum Umgang mit allgemeinen Konflikten am Arbeitsplatz. Ist es bereits zum Auftreten von Mobbing gekommen, braucht die oder der Gemobbte vor allem eines: Unterstützung, auch juristische!

Es ist nicht ersichtlich, ob es sich bei dem Konflikt, den die Frage anspricht, tatsächlich um Mobbing handelt. Nachdem der Fragesteller sich aber gemobbt fühlt, sollte man doch etwas darauf eingehen und die juristischen Möglichkeiten auch für diesen Fall vorstellen.

Das Problem ist, dass Michael Eckert laut seiner website vor allem Arbeitgeber vertritt.

Nichts gegen Arbeitgeber-Anwälte und schon gar nichts persönlich gegen Herrn Eckert, der auf der Homepage der Kanzlei ganz sympathisch rüberkommt.

Aber sollte man beim Thema Mobbing nicht einen Juristen befragen, der sich damit auskennt?

 

Peter Teuschel

 

 

7 Responses
  1. Sie sprechen mir aus der Seele:
    Wissen Sie, was ein Mobbingbetroffener letztens schilderte?
    Er wurde böse rausgemobbt aus der Firma (war sogar offiziell, dass der Chef angestellt wurde, ihn und noch andere zu eliminieren). Der Betrieb hatte in gewisses Parteibuch. Die Arbeitnehmer und Gewerkschaftsvertretung hat auch dieses gewisse Parteibuch. Dort sagten sie ihm: Keine Chance vor Gericht, außerdem sei nicht Wesentliches zu entdecken, dass nicht korrekt wäre (!). Das Mobbingopfer, dass nebstbei auch zwei Kinder und eine Frau zu versorgen hat, ging irritiert zum Anwalt.

    Und wissen Sie, was DIESER gesagt hat?

    Es hätte keinen SINN, gerichtlich vorzugehen. Mit dem Dienstverhältnis sei es wie mit einer EHE (!).

    Wenn einer nicht mehr will, soll man es lassen …. (!!)

    Ich würde sagen – dieser Anwalt kommt auch in die von Ihnen beschriebene Kategorie!!!

    Und: Wissen Sie, WIE schwer es ist, einen Anwalt zu finden, der überhaupt Gemobbte VERTRITT! Ich habe den 3. Anwalt durch Glück gefunden, zwei andere haben abgelehnt (keine „Zeit“)… Aber die hatten erst keine Zeit mehr, als sie im 1. Gespräch meinen Fall kennenlernten…. (schriftliche Absage per Mail – nicht mal ein Telefonat!!).

    Das systemische und strukturelle Ungleichgewicht ist schlicht untragbar BEI DER AKTUELLEN GESETZESLAGE!!!

    Siehe auch BLOG:
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/blog/

    Reden, wollen und fordern nach dem Antimobbinggesetz tut sie ja brav..

    ABER TUN tun sie nicht!!!!!

    Verbundene Grüße aus Graz,
    Eva

  2. ..unglaublich, der Artikel weist sogar dem Leserbriefschreiber die Schuld zu, als hätte er beim Chef „gepetzt“ und über die Kollegen hergezogen.
    Als würde man eine vergewaltigte Frau nach der Rocklänge zum Tatzeitpunkt ausquetschen.

  3. Leider nicht unglaublich!
    Es ist wirklich schwer, sich als Opfer jemanden zur Seite zu holen, der einen unterstützt. Anwälte vertreten zumeist nur die Arbeitgeberseite. Ich unterstelle hier mal ganz kalt den Juristen, das diese vorzugsweise Arbeitgeber unterstützen, weil diese dafür besser zahlen als es jede Rechtschutzversicherung eines Arbeitnehmers tun würde. Der Verfahrenswert wird nach dem Einkommen berechnet und das bedeutet für die Anwälte dann, viel Arbeit für wenig Geld.

    Auch außer Ihnen Hr.Dr. Teuschel, kenne ich keinen praktizierenden Arzt der sich so mit dem Thema auseinandersetzt wie Sie es tun. Ohne Sie wäre diese Welt noch ein bischen härter.
    Vielen Dank, das wir zumindest Sie als aufbauende Stütze haben.

    • Liebe Frau Ruth!
      Ja, es ist WIRKLICH schwer, Anwälte für Gemobbte zu finde – insbesondere, weil in Ö das Wissen zu Mobbing mEn NOCH um 10 Jahre zurück ist – im Vergleich zu D.. Wir haben in Ö nicht EINEN einzigen Verein zu Mobbing (!!). Nichts – außer eine kleine handvoll SHGs gibts im ganzen Land keinen… Ich meine einen Verein, der AKTIV für Bewusstseinschaffung zum Thema Mobbing sorgt. So Vereine, die Opfer betreuen und daran verdienen, gibt es schon 1-2. Aber das wars…

      Zu den Anwälten: Ich hatte das RIESENGLÜCK, dass es einen Anwalt gibt, der sich SEHR für Mobbingopfer einsetzt! Und das ist Ing. Mag. Siarlidis – der hat vor 2 (!) Jahren schon einen Fall angenommen und bis zum OGH vertreten, und gewonnen! Das sensationelle Urteil wurde sogar über die Ö Grenzen bekannt…

      http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/ogh-urteil-12-2012/

      Und ich hab das Glück, dass er in Graz ist und meinen Fall sofort angenommen hat!
      Es gibt auch Ausnahmen – dem Himmel sei Dank!

      Zu den Ärzten: Wir arbeiten aktiv am Aufbau eines Netzwerkes mit kooperierenden Ärzten ö-weit… Aber es ist schwierig 😉 Aber… immerhin, ab und zu bekommen wir eine Rückmeldung, und Austausch, und dann hauts hin!

      Dr Teuschel ist ein absoluter Segen für alle Mobbingopfer und ein totaler Vorreiter auch mit seinen Büchern! Überhaupt das ERSTE Buch zu Mobbing aus ärztlicher Sicht hat Dr. Teuschel geschrieben!! Und… das erste BULLYING Buch aus ärztlicher Sicht ebenso!!

      Da können wir noch dazu sehr froh sein, dass geschätzter Herr Dr. Teuschel auch einen so tollen BLOG hat.. wo wir uns austauschen dürfen!!! Das hat mir so IMMENS geholfen in der schweren Zeit nach meinem Mobbing, wo ich noch Krankenstand war und so schwer traumatisiert war. Der Blog war eine Zeitlang MEIN SINN des Lebens und hat mich hier auf der Welt gehalten…

      Und dafür… werd ich immer dankbar sein…

      Herzlich
      Eva

      • Mittlerweile wurde „das Thema geschlossen“. Kommentare sind hierzu nun nicht mehr möglich.
        Hat wohl nicht so geklappt mit dem Artikel, wie sich das der Journalist und der Hr. RA Eckert vorgestellt hatten. Es steht einzig und allein der Kommentar von Hr. Dr. Teuschel drin. Immerhin, der war schnell genug!
        Schön wäre es hier schon gewesen, hätte der Hr. RA Eckert die Courage gehabt, wo er schon mal angefangen hatte, sich nun dem Thema Mobbing auch zu stellen.
        Vielleicht hätte es eine Sichtweise zu dem Thema ändern können?
        So bleibt mir nur der Eindruck, das Hr. RA Eckert seinen Namen in einer großen Zeitung hat plazieren wollen!

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