Mobbing in der Schule: The scars remain

Die psychischen Spätfolgen von Bullying (Mobbing bei Kindern und Jugendlichen) hat eine neue Studie erneut bestätigt.

William Copeland e.a. berichteten vor einigen Tagen in JAMA Psychiatry über eine Studie, die über 20 Jahre hinweg durchgeführt wurde. 1420 Mädchen und Jungen im Alter von 9, 11 und 13 Jahren wurden seit 1993 alljährlich interviewt. Besonders wurde nach Erfahrungen mit Bullying  gefragt, sei es als Opfer, Täter, oder beides.

Diejenigen, die als Kinder Opfer von Bullying waren, zeigten ein deutlich erhöhtes Risiko für Depressionen und Angsterkrankungen.

Aber auch die Täter zeigten gegenüber Kindern ohne Bullying-Erfahrung eine erhöhte Gefährdung für eine psychische Störung, nämlich die antisoziale Persönlichkeitsstörung.

Am meisten betroffen war die Gruppe der so genannten Opfer-Täter („Bully/victims“). Das sind Kinder, die sowohl andere mobbten als auch Opfer von Mobbing wurden. Bei diesen fand sich auch die höchste Rate an Suizidgedanken. 32% dieser Frauen und Männer litten an Angsterkrankungen (gegenüber 6% in der Kontrollgruppe ohne Erfahrung mit Bullying in der Vorgeschichte).

Diese Studie belegt erneut eindrucksvoll die Folgen von Bullying im Kindes- und Jugendalter. Es handelt sich eben nicht um „normale“ Konflikte unter Heranwachsenden, in die man sich als Erwachsener (Lehrer, Erzieher etc.) besser nicht „einmischt“. Echtes Mobbing unter Kindern ist eine krank machende und traumatisierende Erfahrung, die bei ihrem Auftreten unterbunden werden muss.

Hierzu noch das „crumpled piece of paper“, das im Internet kursiert (wer Grammatikfehler findet, darf sie behalten :)):

crump

 

Peter Teuschel

11 Responses
  1. Ja, schon krass. Hab eine Freundin, die in der Schule gemobbt wurde. Sie hat es bis heute noch nicht richtig „verarbeitet“… und ist seelisch sehr zerstört dadurch.. Ich denke mir, für Erwachsene ist es schon so „unglaublich“, diesen (oft subtilen) Psychoterror anderer Personen „zu packen“… man glaubt ja gar nicht, WIE Menschen SEIN können… Da bricht deine Welt zusammen und der Boden unter den Füßen verliert sich – und das alles zugleich… Und obwohl wir im Allgemeinen im Erwachsenenalter schon „mehr ich“ sind, oft ein stabiles Leben und Weltbild haben, ein soziales Netz etc… bringt Mobbing einen dazu, dass man nicht mehr an das Leben glaubt.. sämtliches Urvertrauen verliert, und völlig zerstört wird.

    WIE SCHWER muss so eine Situation dann noch dazu für Kinder oder Jugendliche sein, die ohnehin mit dem Umbruch des Erwachsenwerdens, der Pubertät, und und und ausgesetzt sind, und dann noch solche psychische Gewalt ertragen müssen?

    Was ich sehr interessant finde, ist, dass Sie schreiben, dass Täter eine erhöhte Gefährdung für „antisoziale Persönlichkeit“ zeigen. Ich dachte/vermutete immer, dass Mobber einfach… eher die Durchschnittspersonen sind, die Gruppendynamiken für sich nutzen, und ihr mangelndes Selbstwertgefühl damit kompensieren… Aber offenbar gibts da schon Zeichen, dass es ziemlich gestörte Personen sind, die so handeln.. Irgendwie beruhigt mich das (dass es nicht „die ganz normalen“ so gemein mobben…), andererseits verunsichert es mich… weil ich mir denke:

    mein Gott, wie VIELE von den antisozialen Persönlichkeiten gibts eigentlich? Das scheinen ja schon Massen zu sein….

    Oder????

    • Bei den Kindern und Jugendlichen weiß man mehr über die Täter als bei den Arbeitsplatz-Mobbern. In der Tat sind es mehr die coolen Kings der Klasse, die mobben. Die mit dem schlechten Selbstwertgefühl sind oft mehr die Mitläufer, die Assistenten der Hauptmobber.

  2. Ich hab das Bild heute an eine Kollegin weitergeleitet. Die Puschels sind leider im Moment dabei, ganz wüst drei Mädchen zu mobben. Und wie Sie bereits dargestellt haben: Es sind die Coolen, die Beliebten, die dabei ganz vorne stehen.
    Heute gab’s das erste Gespräch mit dem Schulsozialarbeiter, der in den kommenden Wochen einmal/ Woche mit der Klasse arbeiten wird.
    Ich bin immer wieder aufs Neue fassungslos, auf welche Ideen selbst die vergleichsweise Kleinen (die sind so 11, 12) kommen; da wird im Internet drauflosgehauen, zum Suizid animiert, da werden Drohungen per SMS verschickt usw.

    • Die Puschels stell ich mir grad vor wie Mogwais – supersüß, aber fütter sie vor Mitternacht und du hast den Salat!

      Aber mal im Ernst ein paar Zahlen: In einer Studie in elf europäischen Ländern fand Analitis eine Bullying-Häufigkeit von 26,7% bei den acht- bis elfjährigen Kindern (19,9% bei 12-15J., 12,5 % bei 16-18 J.), das heißt die Puschels sind im besten Bullying-Alter. 🙂
      (Analitis F, Klein Velderman M, Ravens-Sieberer U, Detmar S, Erhart M, Herdman M, Berra S, Alonso J, Rajmil L; European Kidscreen Group. Being bullied: associated factors in children and adolescents 8 to 18 years old in 11 European countries. Pediatrics 2009; 123: 569–77.)

      Was die Cyber-Komponente angeht –> brave new world …

  3. Mogwais trifft’s ganz gut, auch optisch. 😉

    Die Häufigkeit bei den sehr jungen Kindern finde ich erschreckend.

    Ich wollte übrigens noch kurz etwas zu Ihrem Beitrag in Sachen Farsta-Methode sagen: In der Theorie liest sich das toll. Die Praxis an den Schulen sieht dann oft so aus: „Sie da, Lehrer X. Haben Sie grad schon was vor? Nein? Dann sind Sie jetzt unser neuer Mobbingbeauftragter. Lesen Sie sich ein. Und dann machen Sie mal …“
    Vielleicht nicht so extrem, aber in die Richtung geht es häufig. Ich erzähle Ihnen da ja nichts Neues, wenn ich sage, dass es oft an der Umsetzung hapert; dass es schwer ist, zeitnah mit kompetenten Leuten zu sprechen (auf den Termin mit dem Schulsozialarbeiter heute musste die Kollegin seit Weihnachten warten. Der muss nämlich drei Gymnasien mit jeweils weit über 1200 Schülern betreuen).

    • Genau so läuft es. Das Problem beginnt damit, dass das Thema nicht ernst genommen wird. Dem Alibi-Mobbingbeauftragten kann man nur viel Spaß wünschen. Wenns blöd läuft, kommt so ein Unsinn raus wie in dem Beispiel. Wenn das System nicht bereit ist, Nägel mit Köpfen zu machen, hat Lehrer X. keine Chance.
      Aber da erzähle ich Ihnen jetzt wohl ebenfalls nichts Neues …

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