Mobbing in der Schule: Ein ausgezeichnetes Interview

Der User Tam Tam hat mich auf ein ausgezeichnetes Interview mit dem Kinder- und Jugendpsychologen Prof. Herbert Scheithauer aufmerksam gemacht, das anlässlich des derzeit laufenden DGKJP-Kongresses in München geführt wurde.

Bei den immer wieder aufs neue festzustellenden Vorurteilen, wenn es um Mobbing geht, der nicht auszurottenden Ignoranz dem Thema gegenüber und der in 9 von 10 Fällen im falschen Sinn verwendeten Begrifflichkeiten müsste ich eigentlich jeden Tag eine Definition von „Mobbing“und „Bullying“ posten. Deshalb bin ich froh, jetzt mal einen anderen (zum Thema Mobbing an Schulen) zitieren zu dürfen:

„Man muss unbedingt wissen, wie man richtig interveniert. Opfer werden häufig noch einmal viktimisiert, indem man in Frage stellt, was sie einem erzählen. Eltern glauben dem eigenen Kind nicht, sie oder auch die Lehrer machen die Opfer quasi noch dafür verantwortlich, dass sie gemobbt wurden.“

„An Schulen muss deshalb klar strukturiert auf Mobbing reagiert werden. Man weiß inzwischen sehr gut, welche Hilfen in Schulen funktionieren und was nicht zu empfehlen ist.“

„Wichtig ist eine klare Haltung der Lehrkräfte: Mobbing wird nicht geduldet!“

Bullying

„Wenn es zu Mobbingvorfällen kommt, ist es wichtig, dem Opfer zur Seite stehen: „Wir sorgen dafür, dass Dir so etwas nicht noch einmal passiert und wir stehen zu dir“.“

„Dem Täter sollte klar gemacht werden, dass er sofort damit aufhören muss und dass es negative Konsequenzen für ihn haben wird, wenn er weiter macht.“

„Angst, Depression und Traumatisierung sind häufig die Folgen von anhaltendem Mobbing.“

Zum Cybermobbing: „Opfern muss klar gemacht werden, dass sie überhaupt nichts dafür können, wenn sie Opfer von Gewalt oder Mobbing geworden sind. Opfern nicht unabsichtlich die Schuld zuweisen, indem man sagt „hättest du nicht, dann wärst du nicht…“ „was hast Du da gemacht?“ Jeder kann Opfer von Shitstorms und falscher Nachrede werden. „

Alle diese Aussagen gelten sinngemäß in gleicher Weise auch für Mobbing am Arbeitsplatz. Mobbing ist per definitionem durch eine Täter-Opfer-Beziehung geprägt, hat nichts mit „in die Opferrolle flüchten“ zu tun und kann krank machen.

Peter Teuschel

Bild: © Luis Louro – Fotolia.com

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2 Responses
  1. Das Interview hatte mich sehr angesprochen, als ich es entdeckte.
    Vor allem die Darstellung und die Informationen was darin enthalten sind.
    Im vergleich zu Mobbing gibt es nur den einen Unterschied : KEINEN.
    Danke für die Veröffentlichung. 🙂

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