Mehmet Scholl: So rum gehts auch

Als langjähriger Spieler beim FC Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft war Mehmet Scholl bekannt für seine unkonventionellen Ideen auf dem Spielfeld. Er fügte sich ungern in ein taktisches Konzept und verließ sich gerne auf seine spontanen Einfälle.

Dadurch war er stets unberechenbar.

Auch abseits des Platzes machte er durch überraschende Statements oder gar freche Bemerkungen von sich reden.

Für seinen Spruch „Hängt die Grünen solange es noch Bäume gibt“ musste er vor vielen Jahren eine hohe Strafe beim Verein zahlen.

Scholl beendete seine aktive Karriere im Jahr 2007. Danach war er (mit Unterbrechungen)  als Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern in der Regionalliga aktiv.

Gleichzeitig steht er in Diensten der ARD als Experte bei DFB-Länderspielen. In dieser Funktion waren wieder einige Sprüche von ihm zu hören, darunter der Fußball-Spruch 2012 über den Einsatz von Mario Gomez: “ „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“.

Auch Platz 2 belegte Mehmet Scholl 2012 mit der Aussage: „Algorithmus – das sage ich jetzt nicht, um mit einem Fremdwort zu imprägnieren“.

Nicht alle hatten Freude mit Scholls Engagement bei der ARD. Die Verantwortlichen beim Verein monierten, dass die Funktion als Experte bei der ARD und die Trainertätigkeit beim FCB nicht gut zusammen passten – möglicherweise waren ihnen die Kommentare zu bissig, weil sie sich auch kritisch mit Bayern-Spielern auseinandersetzten.

Tja, dachte ich damals, freche Sprüche und FC Bayern, das geht wohl nicht. Also wird Mehmet Scholl wohl einen Gang zurückschalten und braver sein.

Das tat er auch zunächst, auf die krasseren Sprüche vor laufender Kamera verzichtete er .

Jetzt aber kam er mit einer ziemlichen Überraschung rüber. Er habe das alles falsch eingeschätzt, berichtete er, FC Bayern und TV-Experte, das gehe wohl wirklich nicht zusammen.

Deshalb verzichte er auf seine Tätigkeit als Bayern-Trainer und wolle seinen Vertrag mit der ARD erfüllen.

Was mich daran so überrascht (und gefreut) hat, ist dass sicher keiner damit gerechnet hat, dass er seine Entscheidung auch in dieser Richtung treffen könnte. Anstatt den gehorsamen Sohn zu geben und auf Rummenigges und Hoeneß´Geheiß brav seinen Dienst beim Verein zu tun und auf die flotten Sprüche zu verzichten, macht er es genau anders rum!

Was mir daran gefällt ist das Prinzip: Wenn man vor einer Entscheidung steht, lohnt es sich, nicht nur die nächst liegende, sondern auch die ungewöhnlichere Wahl zu überprüfen. Nicht reflexartig das tun, was vielleicht die meisten erwarten, sondern genau hinschauen, ob nicht der andere Weg einer ist, auf dem man sich weniger verbiegt und sich eher treu bleiben kann.

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das alles für Mehmet Scholl eine Rolle gespielt hat.

Aber als Vorbild für die Freiheit von Entscheidungen hat er mich beeindruckt.

Um Bertolt Brecht zu zitieren: Es geht auch anders. Aber so geht es auch.

 

Peter Teuschel

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