Magnotta wünscht kein psychiatrisches Gutachten

 

 

Dem Anfang Juni in Berlin festgenommenen Luka Rocco Magnotta (1982 als Eric Newman geboren) wird vorgeworfen, seinen Freund Jun Lin in Kanada getötet und zerstückelt zu haben. Teile der Leiche habe er verspeist, andere per Post an verschiedene Parteien verschickt.

Wegen seiner Vorgeschichte als Pornodarsteller und Callboy wird er in der Presse als Porno-Killer oder auch Porno-Kannibale bezeichnet.

Erstaunlich ist, dass seine Anwälte auf sein Betreiben hin kein psychiatrisches Gutachten anfordern werden. Erstaunlich aber nur auf den ersten Blick.

Ein derartiges Gutachten würde sich mit der Frage beschäftigen, ob Magnotta an einer psychischen Störung leidet und unter Umständen für seine Taten nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Warum versucht Magnotta nicht, nach diesem Strohhalm zu greifen?

Ähnlich wie Anders Breivik in Norwegen scheint ihm nichts unangenehmer zu sein als für „verrückt“ erklärt zu werden.

Möglicherweise ist dies bereits ein Hinweis auf eine zu Grunde liegende schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung. Das bizarre Ausmaß der Tat erhöht den Täter in seinen Augen zu etwas Einmaligem, Unvergleichlichem, einer Art Teufel in Menschengestalt.

Diese Überhöhung funktioniert aber nur, solange nicht eine „schnöde“ und „banale“ geistige Störung als Ursache ausgemacht werden kann. Würde diese festgestellt, stünde der Täter in seinen Augen auf der gleichen Stufe wie eine Heerschar von „Irren“, die in forensich-psychiarischen Anstalten vor sich hinvegetieren. Mit der „Show“ und dem NImbus des Diabolischen wäre es schnell vorbei.

Durch das psychiatrische Gutachten würde das Leben von Magnotta in allen Einzelheiten aufgerollt werden, seine Kindheit, Jugend, Beziehungen, seine Ängste, seine Hoffnungen, eben all seine „menschlichen“ Eigenschaften würden für alle sichtbar werden. Möglicherweise will er genau das nicht. Er will die Rolle weiterspielen, die er sich ausgesucht hat, durch die er sich definiert und die ihm das Gefühl von Stabilität gibt. Insofern lässt sein Verhalten unter Umständen auch auf eine gewisse histrionische (früher als „hysterisch“ bezeichnet) Persönlichkeitskomponente schließen.

Es wird spannend sein, den Prozess zu verfolgen. Allerdings wird er wohl erst 2013 stattfinden.

 

Peter Teuschel

 

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