Kiffen erhöht das Psychoserisiko

Den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psychose kennen die meisten Psychiater aus ihrer täglichen Arbeit mit betroffenen Patienten. Jetzt hat eine Metaanalyse aus Maryland diesen Einfluss der Droge auf das Gehirn erneut bestätigt. Marconi und Mitarbeiter (s. Quelle unten) untersuchten 10 Studien mit insgesamt knapp 67 000 Personen.

Ein ausgeprägter Konsum von Cannabis erhöht demnach das Risiko, an einer Psychose zu erkranken, statistisch gesehen um das nahezu vierfache. Aber bereits ein mäßiger Drogengebrauch führt zu einer Verdoppelung des Psychose-Risikos.

Der guten Ordnung halber muss natürlich dazu gesagt werden, dass ein kausaler Zusammenhang aufgrund einer statistischen Korrelation alleine nicht hergestellt werden kann.
Tatsache aber ist: Wer ausgiebig Cannabis konsumiert, erhöht das Risiko, psychotisch zu werden, erheblich.

Für die Beratung von Patienten mit Cannabiskonsum sollte man diese Zahlen im Hinterkopf haben.

Peter Teuschel

Quelle

Beitragsbild © Petra Bork – pixelio.de

11 Responses
  1. osterhasebiene langnase Antworten

    Es ist sehr gut, wenn Ärzte ein paar Dinge im Hinterkopf haben (wenn auch kausal nicht unbedingt begründbar), so wie eben den Zusammenhang von Cannabiskonsum und Psychose. Dazu kann ich ein analoges (Gegen)Beispiel anführen, das zeigt was dabei herauskommt (Wahnsinn!), wenn sich Ärzte, der reinen Symptom- und Reparaturmedizin verschrieben haben: Junge Frau mit immer wiederkehrenden einseitigen Kopfschmerzen: Hausarzt überweist zu HNO-Arzt: o.B. überweist zu Neurologe: o.B. CT/MRT: o.B.Eine Physiotherapeutin bemerkt: Das könnte auch von der Pille kommen. Volltreffer! Wird denn für die Anamnese heutzutage gar nichts mehr bezahlt? Verlassen sich Ärzte nur noch auf ihren PC ohne ein Wissen/Denken in Zusammenhängen? Erfahrungswissen? Liegt es an den Multiple-Choise- Prüfungen? Oder steht der Patient immer weniger im Vordergrund bei der Behandlung? Nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere.

    • osterhasebiene langnase Antworten

      Das Ende der Geschichte: Um einen schnellen Termin beim Gynäkologen zu bekommen, musste die junge Frau erst nachweisen, dass sie keinen Gehirntumor und keine akute/chronische Nebenhöhlenentzündung hat, also die o.g. Befunde abliefern…Nach dieser Odyssee hat sie sich einen Heilpraktiker gesucht. Beipackzettel von Medikamenten zu lesen hilft auch, da stand aber leider nichts von einseitigem Kopfschmerz!

  2. Das Vorgehen der Ärzte in diesem Fall halte ich bei Kenntnis der hier genannten Fakten für absolut richtig. „Das könnte auch von der Pille kommen“ schließt weder einen Hirntumor noch einen behandlungsbedürftigen HNO-Befund aus.

    • osterhasebiene langnase Antworten

      Das ist doch sehr das Pferd von hinten aufgezäumt, Herr Dr. Teuschel! Man sollte zu erst den nahe legendsten Weg wählen (junge Frau+Pille) statt sofort mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Es ist extremer Ressourssenverschleiß (und zudem unnötige Angstmacherei)! und erklärt, warum jährlich 290 Milliarden Euro in unserem Gesundheitssystem in schwarzen Löchern verschwinden. Das können wir uns als Gesellschaft gar nicht leisten! Das ist Über-Medizin ohne gesunden Menschenverstand. Ich will das zumindest. Es ist kein Einzelfall, sondern die Regel. Da muss sich jeder persönlich die Frage stellen, ob er sich der Medizinmaschine noch anvertrauen möchte oder nicht. Es dient vor allem dem Profit der Ärzte.

      • Oje, das ist jetzt einfach Ärzte-Bashing, verbunden mit der Idee, als Nicht-Mediziner medizinische Themen kompetent diskutieren zu können. Da kann ich Ihnen in keinster Weise mehr folgen. Nur in einem gebe ich Ihnen Recht: Jeder muss wissen, ob er sich in die Hände eines bestens ausgebildeten Arztes mit großem Verantwortungsgefühl für die Gesundheit seiner Patienten begibt oder seine Gesundheit und sein Leben paramedizinischen Selbstberufenen anvertraut.

        • osterhasebiene langnase Antworten

          Tja, hier scheiden sich die Geister. Jedem das seine! Sie scheinen aber wirklich Idealist zu sein, was die Ärzteschaft/Gesundheitswesen v.a. in Bezug auf das Verantwortungsgefühlt betrifft. Leider werden Ärzte nicht wirklich kontrolliert, der MDK macht nur Stichproben. Bisher hatte ich persönlich auch Glück, aber was an Aufwand (Untersuchungen/Überweisungen) betrieben wird steht meist in keinem vernünftigen Verhältnis. Kompetenz möchte ich den Ärzten überhaupt nicht absprechen. Zwischen Verantwortungsbewusstsein, Absicherung-Wahn und Profit ist aber oft nur ein schmaler Grad. Die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt hinten und vorne nicht mehr. In diesem Gesundheitssystem stimmt so ziemlich überhaupt nichts mehr. Heilpraktiker sind keine paramedizinisch Selbstberufenen, aber natürlich können sie Ärzte nicht ersetzen.

          • osterhasebiene langnase

            Auf die Gefahr hin, hier als unwissend und vorlaut zu gelten, dennoch…so ging´s weiter mit der jungen Frau: der Gynäkologe riet ganz einfach zur Absetzung der Pille, denn Kondome würden auch völlig ausreichen. Die junge Frau war sehr erleichtert und froh. Finde ich persönlich grundsätzlich super, diese Einstellung, weil es vor allem das Verantwortungsbewusstsein stärkt. Respekt! Überrascht und verwundert hat es mich dennoch, denn noch „zu meiner Zeit“ (vor 30 Jahren) wäre die Beratung ganz anders ausgefallen. Da hätte man unbedingt die „todsichere“ Verhütung mit chemischen Mitteln empfohlen. Die Zeiten ändern sich manchmal wirklich.

  3. Danke für diesen Kommentar, der sich mit meinen eigenen Beobachtungen deckt. Ich hätte mir gewünscht, früher über diesen Zusammenhang informiert gewesen zu sein, dass hätte ein ganz anderes Licht auf die Geschehnisse, die ich mit einem Angehörigen erleben und die ich bezeugen musste, geworfen. Jene Geschehnisse liegen schon mehr als 15 Jahre zurück, aber ich erinnere mich noch heute daran, als wäre es gestern gewesen. Gewisse Wörter und Sätze, die von dieser Person
    immer wieder geäußert wurden, kann ich bis heute nicht vergessen. Bei Gesprächen mit Angehörigen habe ich erfahren, dass es auch diesen so ergeht. Damals habe ich da keinen Zusammenhang gesehen, ich merkte nur, wie sich der Zustand dieser Person schlagartig verschlechterte und es war schrecklich mit ansehen zu müssen, wie aus einem begabten, beruflich erfolgreichen und auch sehr kompetenten Menschen eine völlig andere Person zu werden schien. Eine, die ich kaum wiederkannte und die einfach nicht mehr mit Worten erreichbar schien. Sie ist nach diesem Vorfall nicht mehr die gleiche Person, hat auch geistig stark abgebaut, das hat mich tief erschüttert. Ich habe immer den Eindruck, dass die Intelligenz und die Begabung und alle damit verbundenen Fähigkeiten dieser Person, wie ausgelöscht sind. Das ist beängstigend und ich würde es auch als unheimlich bezeichnen, es macht Angst und es scheint unumkehrbar zu sein. Es ist bestimmt auch schwierig für einen Therapeuten den Ausbruch einer Psychose bei einem Patienten miterleben zu müssen, aber bei einem Angehörigen fällt es schwerer, den gefühlsmäßigen Abstand zu dieser Person wahren und ihr dadurch vielleicht besser helfen zu können. Diese Erlebnisse können in einer Familie zu Gefühlen von
    totaler Hilflosigkeit führen und insbesondere dann, wenn alles was getan wird, keine positiven Veränderungen bewirkt.
    Ich verspüre manchmal noch heute die Wut über meine damalige Unwissenheit, so war es auch nicht möglich, auf diesen Schicksalsschlag richtig vorbereitet oder gar besonnen und handlungsfähig zu sein. Danke, dass Sie mit dieser Information meine damaligen Wahrnehmungen bestätigt haben.

  4. Immer wieder höre ich von Cannabis-Befürwortern das diese Droge gar nicht so schlimm ist, und überhaupt, Alkohol sei so viel schlimmer. Ich habe mehrere Psychosen gehabt und wünsche das keinem. Jene die bedenkungslos kiffen und sich dabei noch gut fühlen, mir egal, aber dieses ständige gutheißen einer illegalen Droge im Hinblick auf die Spätfolgen halte ich für absolut weltfremd.
    In den Psychiatrien sind die meisten jungen Psychotiker Cannabis-abhängig gewesen oder noch betroffen. Das spricht ja wohl ebenfalls für sich.
    Einfach Finger weg von Drogen….

    • Manchmal habe ich das Gefühl, dass diejenigen, die da am lautesten mitdiskutieren, einfach keinen Einblick in diese Dinge haben. Die haben nie mit jemandem gesprochen, der unter massivem Cannabisgebrauch psychotisch geworden ist. Aber wenn etwas politisch „cool“ ist, dann springen halt alle auf diesen Zug auf, die ideologisch unterwegs sind. Und es stimmt, die Psychiatrien sind voll mit diesen Menschen.

  5. ein anderer Stefan Antworten

    Bin gerade eher zufällig über diesen Beitrag gestolpert. Mangels eigener Erfahrung kann ich zu Cannabiskonsum und den Folgen nichts sagen. Angesichts der jüngsten gesetzlichen Entwicklung hin zu einer begrenzten Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken muss man sicherlich differenzieren, da es ja offenbar begründete medizinische Indikationen für den Einsatz gibt.

    Was mich gerade bei Cannabis allerdings stört, ist die Diskussion hinsichtlich der Strafbarkeit des Konsums zu nicht-medizinischen Zwecken. Das Verbot nützt offenbar herzlich wenig, die Kriminalisierung der Konsumenten erscheint mir auch nicht hilfreich. Ein Verbot mit Gesundheitsgefahren zu begründen, halte ich für wenig zielführend und überzeugend – dann müsste man auch über ein Verbot für Alkohol und Nikotin nachdenken, wobei ich bei diesen beiden Substanzen nicht weiß, ob sie in der Medizin eingesetzt werden. Ein Verbot hätte hier offensichtlich wenig Aussicht auf politischen Erfolg, geschweige denn Durchsetzbarkeit. Die schädlichen Folgen des übermäßigen Konsums dieser beiden legalen Drogen dürften ja hinlänglich bekannt sein, bei Jugendlichen war ja in den letzten Jahren das „Komasaufen“ immer wieder Thema in den Medien. Die Grenzziehung legal/illegal erscheint mir hier willkürlich, am Gefahrenpotential kann ich es jedenfalls nicht festmachen. Aktuell wird gerade beim Nikotin ja massive Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit betrieben, mit strengen Auflagen, auf die erheblichen Gesundheitsgefahren hinzuweisen. Ich halte das für einen besseren Weg als Verbote und Strafen, die letztlich sowieso nicht funktionieren. Wenn man einen (Erst-)konsumenten davon abbringen will, halte ich klassisches Strafrecht für ungeeignet. Wäre da ein Auflage, mit Patienten zu reden, die durch den Konsum entsprechende Folgen erleiden mussten, nicht vielleicht ein besserer Ansatz? Oder etwas in der Art, natürlich nur, wenn sich Patienten finden, die dazu bereit sind.

    Der Konsum von Rauschmitteln gleich welcher Art ist gefährlich, daran besteht kein Zweifel. Es scheint mir aber so zu sein, dass der Mensch (hier begebe ich mich auf dünnes Eis) einen Hang zum Rausch hat. Viele nutzen dafür mehr oder minder schädliche Substanzen, bis hin zum „Schnüffeln“ an Lösungsmitteln, was m.W. zu irreparablen Hirnschäden führen kann. Andere kriegen ihren „Kick“ durch extreme Reize, das Phänomen Extremsport ist hier wohl zu nennen. Manche Menschen postulieren ja gar ein „Recht auf Rausch“. Berauschende Substanzen sind in der Menschheitsgeschichte ja schon lange bekannt und in Gebrauch. Vielleicht wäre hier eher eine Hilfestellung zum verantwortungsvollen Umgang mit Rauschmitteln sinnvoll, als ein pauschales Verbot und eine Tabuisierung. Alkoholkonsum als Gegenbeispiel wird gesellschaftlich erwartet und wird auch entsprechend ständig angeboten, so dass ein vernünftiger Umgang hiermit eigentlich ein wichtiges Ziel wäre.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.