Haudrauf der Woche: Rick Falkvinge (Piratenpartei)

Zugegeben, manchen Haudrauf der Woche bräuchte ich gar nicht erst vergeben.

Manche Aktionen oder Aussagen meiner Preisträger sind so dermaßen daneben, dass ohnehin schon die ganze Internet-Gemeinde aufheult. Da ist es dann schon fast Opportunismus, wenn ich noch den Haudrauf hinterher werfe.

Andererseits zwingt mich ein schierer Reflex dazu, Zeitgenossen, die aus lauter fehlgeleiteter Intellektualität wirklich Unglaubliches absondern, in die Liste der keulenschwingenden Prolls aufzunehmen.

So einer ist der ehemalige Vorsitzende der schwedischen Piraten-Partei  Rickard Falkvinge.

„Drei Gründe, warum der Besitz von Kinderpornografie im kommenden Jahrzehnt wieder legalisiert werden muss“ beschrieb der 40jährige in seinem Blog am letzten Wochenende.

 

Einzelheiten seiner Argumentation will ich gar nicht darstellen, grob gesagt argumentiert er mit Informations- und Redefreiheit des Internets.

Die Wege der menschlichen Logik bei von jeglicher Empathie abgekoppelter Rationalität sind manchmal nicht mehr nachvollziehbar.
Ein bekanntes Beispiel sind die Äußerungen einiger Intellektueller, die terroristische Gewaltakte wie die Attentate von 9/11 in die Nähe von Kunstwerken rückten.
Karlheinz Stockhausen, Anselm Kiefer und Damien Hirst waren zu unterschiedlichen Zeiten in die Schlagzeiten geraten, weil sie einen der größten Gewaltakte der letzten Jahre nach aesthetischen Grundsätzen beurteilten, die man vielleicht für einen Blockbuster heranziehen kann („das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos“ – so Stockhausen eine Woche nach den Anschlägen).

Für mich ist das ein gutes Beispiel, wohin der bewusste Verzicht auf die Akzeptanz einer allen Menschen gemeinsamen Basis des Mitgefühls führt: Zu seltsam grotesken und verzerrten Statements einer pseudointellektuellen Sicht auf die Dinge, die für mich etwas zutiefst Unmenschliches hat.

Stockhausen, Kiefer und Hirst haben sich von ihren Aussagen distanziert, möglicherweise waren sie kurzfristig einer Faszination apokalyptischer Gewissenlosigkeit erlegen.

Rick Falkvinge scheint mir nicht das Format der drei genannten Künstler zu haben, aber auch er hat sich in der Eiswüste seiner empathiebefreiten Argumentation verirrt.

So sehr die Ebenen der nicht vorschnell wertenden Betrachtung und der abseits üblicher reflexhaft angewendeter Moralbegriffe stattfindenden Analyse immer wieder hilfreich sind, um Distanz und Überblick zu schaffen, so wenig taugen diese rationalen Elemente ohne verpflichtende empathische Dimension.

Für die in seiner Argumentation erkennbare Ausblendung dessen, was Kinderpornographie bedeutet, erhält Rickard Falkvinge von mir den „Haudrauf der Woche„.

Peter Teuschel

2 Responses
  1. An zweien seiner Argumente war aber tatsächlich etwas dran, wobei es natürlich zu weit gegriffen ist, da gleich die komplette Legalisierung zu fordern. Wenn schon der Besitz von dem Scheiß strafbar ist, und mir gelangt durch Zufall so etwas in die Hände, kann ich nicht zur Polizei gehen, um Anzeige zu erstatten, weil ich mich selbst strafbar gemacht habe.
    Außerdem, wenn eine Minderjährige (sexuell aufreizende) Fotos von sich selbst ihrem gleichfalls minderjährigen Freund schickt, fällt das gleichfalls unter den Giftparagraphen. Und das finde ich traurig.

    • Da gebe ich Ihnen völlig Recht.
      Wenn er das so formuliert hätte, hätte man die Problematik gesehen. Mit dem Keulenschlag „Legalisierung des Besitzes von Kinderpornos“ liegt er aber weit außerhalb dessen, was man diskutieren kann.
      Bei einem anderen Thema könnte man das ja noch als ungeschickt ansehen, bei Kinderpornos gibt es aber diesen Ermessensspielraum nicht, da steht seine Aussage jetzt als absolutes no go da.

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