Haudrauf der Woche: Lauren Green (Fox News)

HdW

Unglaublich, skandalös, der Gipfel der Unverfrorenheit!

Da wagt es doch tatsächlich ein Moslem, ein Buch über Jesus Christus zu schreiben!

Reza Aslan heißt der Mann und wenn ein Mensch islamischen Glaubens sich anschickt, über den Gründer des Christentums zu schreiben, kann ja nix Gscheids dabei rauskommen.

So zumindest ist die Einstellung von Lauren Green von Fox News. In einem Interview, das auf youtube abrufbar ist, gibt sie sich völliger Fassungslosigkeit hin.

Auch auf den Einwand des Autors, dass er als Wissenschaftler und Experte für Religionen schreibe und zufällig halt auch Moslem sei, insistiert sie auf der Frage, warum gerade er als Moslem !!! ein Buch über Jesus geschrieben hat.

Nun hat Reza Aslan mehrere Bücher geschrieben, darunter auch eines über die Geschichte des Islam.

So ganz absonderlich ist es in der Tat nicht, wenn ein Religionswissenschaftler über Religionen schreibt. Das Problem scheint zu sein, dass er Jesus als „troublemaker“ bezeichnet, als eine Art Störenfried also. Er begründet das damit, dass die Kreuzigung, die er als Fakt ansieht, ein Hinweis darauf sei, dass sich Jesus einiges zu Schulden habe kommen lassen, um diese Strafe zu erhalten.
In dem Interview weist Aslan auch auf seinen Annex von hundert Seiten an Literaturstellen hin, in dem er alle ihm bekannten Religionsforscher zu diesem Thema zitiert, ob sie nun seiner Meinung sind oder einer gegenteiligen. Beste wissenschaftliche Tradition, scheint mir.

Ich habe das Buch noch nicht gelesen und kann und will nicht über seinen Inhalt und die Thesen des Autors urteilen.

Die Argumentation von Lauren Green und ihr völliges Unverständnis, wie ein Moslem ein Buch über Jesus schreiben kann, ist aber schon fast gruselig, ebenso wie die Tatsache, dass sie auf keine seiner Ausführungen eingeht und gebetsmühlenartig (ja, echt) ihren Standpunkt wiederholt.

Naja, vielleicht sitzt ihr auch ein Vorgesetzter im Nacken, der sagt „Jesus ein troublemaker? Was erlauben Aslan!“ und ihr den Auftrag gegeben hat, den Ungläubigen mal eben rund zu machen. Wahrscheinlich aber nicht. Als „religion correspondent“ ist  die ehemalige „Miss Minnesota“ (1984) sicher für sich selbst verantwortlich.

Von mir bekommt Lauren Green jedenfalls den „Haudrauf der Woche“ für die Wiedereinführung der Inquisition:

UPDATE: (das ursprünglich hier verlinkte Video war nicht mehr erreichbar. Danke an Ego für den neuen link!)

Peter Teuschel

6 Responses
  1. Danke für den Buchtipp! Religionsübergreifende Literatur lese ich gerne.
    Aber es wird wohl noch etwas dauern bis es in deutscher Übersetzung erscheint.

    Allein der Begriff „Zealot“ im Titel provoziert! Die Zeloten (griechisch für Eiferer) zur Zeit Jesu waren in etwa das was heute Al Qaida oder die Hamas sind. Nur waren die Zeloten fanatische Juden und heute sind es fanatische Moslems die Terror ausübern. Beiden ist gemeinsam, sie wollten oder wollen einen Gottesstaat. Das nun dieser Begriff im Titel geführt wird, finde ich zweideutig. Den einen Grund habe ich gerade genannt. Da ist es für mich interessant zu beobachten wie sich Geschichte wiederholt und es spiegelt auch eine Art von Selbstkritik für alle Religionen wider.

    Der andere Grund ist der, das das neue Testament nicht umhin kommt, Jesus zumindest in der Nähe von Zeloten zu sehen. Es ist aus dem neuen Testament bekannt, das sein Jünger Simon, der Zelot genannt wurde (später dann Petrus) und auch Judas Ischariot soll den Zeloten nahe gestanden haben, oder war gar selbst einer. Inwieweit Jesus ein Zelot war, der dann zum Pazifisten wurde, darüber schweigt sich das neue Testament ziemlich aus. Die Zeloten warteten ihrem Glauben entsprechend auf das erscheinen des Messias, der sie von allem Übel, insbesondere den Römern befreien würde. So glaubte Judas diesen Messias in Jesus gefunden zu haben und er müsse ihn nur zwingen sich zu offenbaren, dann würde er seine göttliche Allmacht schon zeigen, wenn sein Leben davon abhinge. Also verrat er ihn.

    Das Jesus mit seinen eigenen Auslegungen der Tora ein „Troublemaker“ war, ist hingegen nichts Neues und wird auch von den Kirchen so zugeben.

    Hier ein (vielleicht) interessanter LInk zum Thema Zeloten:

    http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-nt/religioese-parteien/zeloten/

    • An sich sind es eher die Religionen allgemein, an denen ich mit zunehmendem Alter immer schlechter vorbei schauen kann. Aber in unserer westlichen Welt ist natürlich das Christentum Thema Nr. 1. Stimmt schon.
      In ihren Vorgaben, was gut und böse zu sein hat, ähneln sich Religion und Feminismus (so wie Sie ihn in Ihrem Blog kritisieren) aber in der Tat wie ein Ei dem anderen.
      Unterdrückungstendenzen provozieren eben Gegenströmungen, auch und gerade in den Blogs.

  2. Das im Artikel verlinkte Video scheint es leider nicht mehr zu geben, aber für alle, die auch suchen: Hier gibt’s es noch zu sehen. Dann werd ich mir jetzt mal anschauen, wovon hier die Rede ist…

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