Haudrauf der Woche: Jens Spahn (CDU)

HdW

Es gibt kaum einen unsinnigeren und unpassenderen Begriff als den des so genannten „Gesundheitsexperten“.

In der Politik sind es derzeit vor allem zwei Herren, die von der Presse so tituliert werden: Karl Lauterbach von der SPD und Jens Spahn von der CDU.

Während Lauterbach vor allem durch seine Dauerpräsenz in Talkshows von sich reden macht, hält sich Spahn meistens etwas mehr im Hintergrund. Inhaltlich geht es beiden vor allem um eines: den ökonomischen Aspekt des Gesundheitssystems. Dazu passt es natürlich, dass Jens Spahn gelernter Bankkaufmann ist. Lauterbach ist Arzt, ohne jemals als solcher gearbeitet zu haben. Von Krankheit, Gesundheit , Patienten, Klinik, Praxis und anderen unwesentlichen Dingen des Gesundheitswesens besitzen beide gewisse theoretische Kenntnisse.

Waschechte Ökonomen also. Dass dieser Teilaspekt der Medizin sie in den Augen vieler bereits zu Gesundheitsexperten macht, ist ein Indiz dafür, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, dass Politiker zunehmend alles in der Medizin unter finanziellen Aspekten sehen und menschliche Belange eine immer geringere Rolle spielen.

Gerade hatte Jens Spahn eine wirklich eindrucksvolle Idee, wie man den Krankenkassen sparen helfen könnte:

„Die stark steigende Zahl jugendlicher Komatrinker, die in deutschen Krankenhäusern eingeliefert werden, ist nicht hinnehmbar.“

Stimmt. Und wie lösen wir dieses Problem?

Man müsse die Eltern in die Pflicht nehmen, so Spahn. Einige müssten wohl an ihre Verantwortung erinnert werden. Also schlägt er vor, die Eltern jugendlicher Komatrinker mit 100 Euro an den Behandlungskosten zu beteiligen. Das Geld könne direkt an die Kasse gezahlt werden.

Nein, der Vorschlag stammt nicht aus dem Fasching, sondern wurde am Aschermittwoch gegenüber der Rheinischen Post gemacht.

Von all den immer wieder auftauchenden Vorschlägen, bestimmte Patientengruppen wie Übergewichtige, Raucher oder Risikosportler an ihren Behandlungskosten zu beteiligen, ist das nicht der originellste, aber sicher einer der schrägsten.

Nicht nur, dass die Ursachen für jugendliches Trinkverhalten komplexer sein dürften als dass man sie auf reine Erziehungsmängel zurückführen könnte.

Nicht nur, dass der Staat hemmungslos Werbung für Alkoholika gestattet und über die Alkoholsteuer kräftig an jeder Pulle mitverdient.

Nicht nur, dass unser Gesundheitssystem (zumindest bis zum heutigen Tag) nach dem  Solidaritätsprinzip aufgestellt ist.

Nein, wer so argumentiert, müsste noch vor den Eltern alkoholisierter Jugendlicher andere zur Kasse bitten, allen voran Arbeitgeber, die durch Mobbing und andere unerträgliche Verschlechterungen der täglichen Arbeitsbedingungen die immer größere Zahl psychischer Störungen durch Arbeitsplatzprobleme verschulden. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Wenn Jens Spahn sein Expertentum im Gesundheitswesen demnächst dadurch unter Beweis stellt, dass er sich an diese kapitalen Hirsche wagt anstatt die Eltern pubertierender Komatrinker aufs Korn zu nehmen, dann nehme ich ihn wieder zurück: Den „Haudrauf der Woche„, den ich ihm heute verleihe.

Peter Teuschel

 

 

 

 

3 Responses
  1. Er muss ja so argumentieren. Was ist seine Alternative? Er müsste ja dann kritisch Stellung beziehen zur Haltung seiner und deren Schwesterpartei Alkohol gegenüber (CSU-Parteitage ohne Bier? Das ist in der Schöpfungsgeschichte nicht vorgesehen!); zum Umgang mit Werbung für Alkohol; zum öffentlichen Bild vieler Sportler, die von Brauereien gesponsert werden; in diesem Zusammenhang auch zu vielen Sportereignissen und Fernsehsendungen, die ebenfalls von Brauereien unterstützt werden, und das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
    Hinzu kommt, dass sich lt. spiegel.de die Einnahmen durch Steuern auf alkoholische Getränke im letzten Jahr auf 3 Milliarden Euro belief.
    Darauf verzichtet man doch wirklich ungern.
    Ist doch viel praktischer, am anderen Ende anzupacken: Man hat die Steuereinnahmen und zusätzlich spülen die Eltern der Jugendlichen noch ein wenig Geld ins Krankenkässchen.

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