Haudrauf der Woche: Hans-Werner Sinn

HdW

Ohne Umschweife: Ich mag sie nicht mehr hören, diese Menschen, die den „Wert“ eines Menschen errechnen. Egal ob für den Staat, den Arbeitgeber oder sonstwen.

Jeden Tag sitze ich mit Patienten zusammen, deren Arbeitsleistung in Einheiten gemessen wurde. Das mag solange in Ordnung sein, solange auch andere Kriterien in diese Bewertung mit einfließen. Zum Beispiel Erfahrung, Weitblick, Umsicht, Menschlichkeit.

Den Rückgang dieser Werte am Arbeitsplatz spüren all diejenigen, die sich in ihrer Tätigkeit in Akten pro Tag, Telefonate pro Stunde oder Veröffentlichungen in der Presse messen lassen müssen. Und die daran leiden, erkranken, untergehen.

Der Fetisch der Zahlen wird dieses Land der Dichter und Denker zugrunde richten.

Wenn es nicht gelingt, dass aus all dem Leid, das die Anbetung des Geldes anrichtet (denn das steckt dahinter), der Mensch als solcher sich erhebt und vehement die Menschlichkeit als Wert wieder einfordert, dann werden wir bald alle eine Digitalanzeige auf der Stirn tragen, die ihn wiedergibt: Unseren Wert, dargestellt in grünen Leuchtziffern. Unseren Wert, tagesaktuell von Oekonomen errechnet, deren Gehirn wie ein Computer funktioniert: Effizient, emotionslos, kalt.

"Mammon" von George Frederick Watts (1885)

„Mammon“ von George Frederick Watts (1885)

Hans Werner Sinn, der Chef des ifo-Instituts, hat errechnet, dass jeder Migrant den Staat 1800 Euro mehr kostet als er bringt. Die Rechnung mag mathematisch korrekt sein, aber wollen wir allen Ernstes solche Bilanzen?
Was bringt/ kostet ein Patient mit chronischer Schizophrenie, ein Arzt, eine Hausfrau, ein Fußballspieler, ein Mobbing-Opfer? Und welchen Schluss ziehen wir daraus, wenn die Zahlenbilanz eines Menschen negativ ist?

Gedanken und Ideen können die Welt verändern, sagt John Keating im „Club der toten Dichter“ zu seinen Schülern. Stimmt, aber eben auch zum Schlechten.

Hans-Werner Sinn erhält den „Haudrauf der Woche“ für seinen Beitrag zur Messung des Wertes eines Menschen.

Peter Teuschel

P.S. Lesenswert die Replik von Sascha Lobo auf facebook

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7 Responses
  1. Da haben Sie ja ganz unzeitgemäße Wertvorstellungen, lieber Herr Teuschel. Gerade als Psychiater sollten Sie schon wissen, was ein Patient wert ist, gell! Die richtige Information finden Sie hier:

    //blog.krankes-gesundheitssystem.com/#post5

    Alles Gute für 2015!

    Ihr Christian Nunhofer

  2. weiß einfach nicht, wie da raus aus dieser Spirale, wo der Mensch in dieser Art bewertet wird, das wird immer so bleiben………… trotz blog wie dieses…..ich bin vielleicht zu pessimistisch, glaubs eher nicht…….
    Habe mich gerettet, indem ich vorzeitig freiwillig aus dem Schulsystem ausgeschieden bin, das Schüler, Lehrer und Eltern willkürlich kaputt macht………ja willkürlich !!!! Zumindest in Hessen, Schuldezernenten, Landesregierung schämt Euch……meine unterirdische Rente ist mir egal….aber ich möchte nicht, dass es nur um mich geht, was machen alle anderen…….????
    Danke, dass es dieses blog gibt, aber trotzdem : es macht mich traurig, dass auch Gewerkschaften nichts bewirken können……einfach ausgeliefert: so ist es ………..man schaue sich das Drama in Förderschulen an, die ja keiner sehen mag…….jetzt wird inkludiert ohne Sinn und Herz …und Verstand………das Thema Gewalt in Schulen gibts ja nicht……Darf es nicht geben…
    Schulleiter schweigen aus Angst………ach…ich hör lieber auf……sorry bitte, Herr Dr. Teuschel
    und danke, dass es Sie gibt……….

  3. Kein System, das so festgefahren unter falschen Kurs, dem nach ‚Vitus, altius, fortius‘, unterwegs ist wie das Unsrige, das die Entmenschlichung und Entrechtung zur obersten Doktrin hat, lässt sich ändern. Es muss ersetzt werden. Die Geschichte lehrt uns, das Unmenschlichkeit nur mit drastischen Maßnahmen zu besiegen ist. Und sie lehrt uns ebenfalls, daß diejenigen, die sich als Heilsbringer profilieren und dabei das Heil auf Kosten anderer bringen wollen, genauso unmenschlich sind und pervers wie das, was sie angeblich abschaffen wollen.
    Die Veränderung muss in uns beginnen. Sie muss beginnen mit dem Grundsatz ‚incende quod adorasit‘, verbrenne, was du anbetest.

  4. Das trifft ganz gut – der Mensch reduziert auf Zahlen, Akten, Telfonate. Reduziert durch Betriebsverbesserungssystem, die in Wahrheit alle krank machen und auch den Betrieb. Weil er das wertvollste verliert, was zur Verfügung steht. Die Menschen, die sich persönlich für den Betrieb einsetzen. Das tun sie aber nur, wenn sie als Menschen und nicht als Zahlen gesehen werden.

    lg
    Maria

  5. Ich möchte hier gerne auf Fritz Lang
    und denn Film Metropolis hinweisen

    Die Mensch Herz Maschine
    und ihr Mittler

    Ein Stummfilm der was zu sagen hat!

    Guten Rutsch

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