Haudrauf der Woche: Firma NOCH

HdW

In den unendlichen Weiten des Internets stößt man immer wieder auf echte Schnäppchen, die jedes Käuferherz höher schlagen lassen. Ich meine, seien wir doch mal ehrlich, wir leben in einer Überflussgesellschaft. Wir können uns nahezu alles leisten und wir …

Wie bitte? Stimmt gar nicht?

Nun gut, es gibt natürlich schon Menschen, die sich jetzt nicht alles sofort kaufen können. Aber …

Was? Auch nicht richtig?

Okay, es gibt tatsächlich auch welche, die können sich gar nichts leisten. Es gibt Menschen, die sind so arm, dass sie nicht mal ein Dach über dem Kopf haben. Die nennt man Obdachlose.

Nur: Auch wenn die sich nichts kaufen können, heisst das noch lange nicht, dass wir sie nicht kaufen können!

Screenshot www.noch.de

Screenshot www.noch.de

 

Hat schon was, so ein Obdachlosen-Set, oder? Gedacht ist es ja wohl als Deko für die Modelleisenbahn. Aber jetzt kommt ja bald die Kripperl-Zeit und da kann ich mir die Obdachlosen auch gut vorstellen, vielleicht geschmackvoll zwischen die Hirten drapiert. Sich am Weihnachtsstern wärmend. Im Schlafsack bei Ochs und Esel. Die heiligen drei Könige um einen Euro anhauend.

Nicht schlecht. Ich bin gespannt, was die Firma NOCH als nächstes rausbringt. Behinderte vielleicht. Unfallopfer. Tote. Ein Gräber-Set?

Was wir uns alles kaufen können. Mann, gehts uns gut.

Der Haudrauf der Woche für die Geschmacklosigkeit des Jahres geht an die Firma NOCH.

Peter Teuschel

19 Responses
  1. Lieber Herr Teuschel,

    die Firma NOCH hat sich Ihren Haudrauf wirklich verdient und verlangt nach einem zweiten – noch über Nacht hat die Firma ihre Produktpalette umgehend um Ihre Ideen erweitert!

    Unter der Rubrik „Arbeitsleben“ finden sich alle Ihre Vorschläge zur Steigerung der Geschmacklosigkeit! Ein Set zu „Verkehrsunfall“ ist ebenso im Angebot wie „Beerdigung“ und „LKW-Fahrer und Beifahrer (ohne Beine)“.

    Am besten man begräbt diesen Teil des Sortiments unter Bergen von Artikelnummer 09366 (Gleisschotter, dunkelgrau).

    Viele Grüße von Rosalita.

    • Ups, da hätte ich mal besser recherchieren sollen. So schnell wird aus Satire Wirklichkeit. Ist schon beachtlich, mit welchen Accessoires man heute seine Modellbahn-Idylle noch idyllischer machen kann. Gruselig.

  2. Sehen wir es doch einmal aus archäologischer Sicht.
    Wenn in 35000 Jahren die Wissenschaftler der dann einer hochkultur angehörenden Gruppe im Schutt unserer Städte wühlen – alles durch einen Sieb werfen und fieberhaft nach Hinweisen zum Alltagsleben unserer (Hoch)kultur suchen – dann werden sie diese Figuren aus dem Eisenbahnzubehörshop als DIE Schlüsselfunde wertschätzen.
    Kaum Daten auf Festplatten, Handys oder USB-Sticks werden die Zeitenwende überleben – und wenn…niemand hat dann wohl das passende Betriebssystem. Es werden diese „Kultgegenstände“ sein, die in einem verschütteten Hobbykeller gefunden werden – die unsere Zivilisation erklären.

    Daher sollten noch weiter Figuren ins Sortiment aufgenommen werden.
    Die Merkel mit Raute.
    Hooligans und Salafisten beim prügeln.
    Banker, die das Geld verzocken.
    Politessen beim Strafzettelschreiben.
    Wiesnbesucher beim pinkeln in den Vorgärten…usw.

    Gerne können Vorschläge an die Firma NOCH gemailt werden.

    Satire off. ;-)))

  3. Ja, wahrlich, fehlen nur noch die Figuren mit Down-Syndrom (sind ja eh bald ausgerottet wg pränataler Diagnostik), Contergan-Kinder und die mit dem Epileptiker-Helm.

    Für so viel Realitätssinn fehlen einem fast die Worte.

    Danke für den Haudrauf der Woche!

  4. Die Firma NOCH

    bekommt das Prädikat“TOURETTE OHNE ANSTAND“

    ein neuer Name muß her
    „DOCH WIR SIND DAS SCHEISSORGINAL KAUFT UNS DAS AB,UMTAUSCH AUSGESCHLOSSEN“

  5. Najaa. Ich will das jetzt nicht schönreden, aber Modellbahn ist für viele eben nicht „Idylle“, Kitsch, heile Welt, sondern die möglichst realistische Darstellung der Realität (in der gewählten Zeit). Und so wie da in früheren Zeiten Kriegsruinen und Trümmerfrauen dazugehören, so tun es in der heutigen halt Recycling-Container und Obdachlose. Das muß man nicht schön finden, aber das ist ein anderes Thema.

    Daß man das als Außenstehender nicht unbedingt so versteht und dann, wie Sie, aber mehr noch wie Ihre Kommentatoren hier, in den falschen Hals bekommen kann, versteh ich aber auch.

    Mir kommt aber bei einer kitschigen Heile-Welt-Idylle-Modellbahn viel eher das Essen hoch.

  6. Und Pfandgutsammler nicht zu vergessen – unentbehrlich für jedes postdemokratische
    Stadtbild auch in IIGH0NZTTIetc.

  7. hmm … meine morbide Seite fände so ein Gräberset und evtl. auch das Unfallset sehr interessant … damit hätte ich als Kind die Eisenbahnunfälle viel besser simulieren können mit den Lego-Männchen. Schade 🙁

  8. Wie selber basteln?! Ohje – das könnte wirklich horrormäßig enden ^^ … Ich nehme in dem Fall nur die Gräber. Dann fängt das Spiel zu dem Zeitpunkt nach dem Unfall an, in dem die Verunglückten längst beerdigt worden sind. … So passt es wieder.

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