Haudrauf der Woche: Der Fake-Kundendienst auf facebook

HdW

Stefan Raab, Oliver Pocher, Jan Böhmermann, Joko und Klaas haben einen Standard gesetzt. Wer als cooler Comedian was gelten will, muss möglichst wirkungsvoll Leute der Lächerlichkeit preisgeben.

Ich habe hier schon mal darüber gebloggt, wie sich scheinbare coolness und lustvoll pubertär inszenierte uncorrectness als gelebte Empathielosigkeit entpuppen. Unter dem Deckmantel gezwungen auf jugendlich getrimmter Respektlosigkeit wird alles durch den Kakao gezogen, was einen schnellen Lacher verspricht: Passt die Quote, erhält der Gag auf Kosten anderer seine Daseinsberechtigung.

Findet man das stellenweise nicht lustig, läuft man schnell Gefahr, als humorloser Geselle und moralinsaurer Spielverderber gehandelt zu werden.

Ganz aktuell finden sehr viele auf facebook die Aktionen des so genannten „Kundendienstes“ sehr witzig. Ein Fake-Account, der auf ernst gemeinte, aber skurrile Beschwerden von Kunden aller möglichen Dienstleister schräge, krasse oder bizarre Antworten gibt.

Das liest sich dann beispielsweise so:

Screenshot 2015-07-17 00.04.51

Schizophrene, Depressive und Paranoiker als Busfahrer der Wuppertaler Stadtwerke. Ihnen sollte man sich nur mit Schrittgeschwindigkeit nähern, sie nicht mit Blitzlicht fotografieren und einen Sicherheitsabstand von einem Meter halten.

Mann, ist das witzig!

Closeup portrait, senior mature unhappy, annoyed, sick business man putting finger in mouth showing something sucks, isolated white background. Negative human emotion, feeling, facial expression, sign

Psychisch kranke Menschen als Spaßobjekte. Depressive als potentiell Gewalttätige (Germanwings lässt grüßen). Schizophrene als Wesen, die (auf dem Niveau eines Tieres) bei Blitzlicht durchdrehen. Und alle als gefährliche Irre, denen man nicht näher kommen soll als einen Meter.

Da sieht man mal wieder, was Aufklärung und Anti-Stigma-Kampagnen bewirken:

Nichts, nada, nothing!

Ein billiger Lacher auf Kosten von Menschen, die einer Minderheit ohne Lobby angehören: Das hat schon den „Haudrauf der Woche“ verdient!

Peter Teuschel

P.S. Als kleiner Nachtrag noch die Reaktion des Preisträgers:

Screenshot 2015-07-18 00.19.40

 

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58 Responses
  1. Symptome einer Werteverlustgesellschaft, die es verlernt hat, andere wertzuschätzen. Kein Wunder, wenn bei vielen sog. Prominenten die Wertschätzung für sich selber finanziell veräußerlich ist (Dschungelcamp etc.).

  2. osterhasebiene langnase Antworten

    Bei allem Respekt für die Menschenwürde psychisch kranker Menschen: Ein großer Schwerpunkt bei der Heilung (sofern man diese anstrebt) sollte meines Erachtens auch auf dem „Krankheitsgewinn“ und der Übernahme von Verantwortung von Seiten des Kranken sein. Nur mit Empathie, die sicher ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung ist, ist keine Heilung möglich – aber ich bin nicht vom Fach, weder Psychologe noch Psychiater und dennoch Betroffener. Von daher kenne ich auch die Finessen psychisch kranker Menschen, die darin besteht, Nahestehende in ihren Dienst zu stellen und „auszubeuten“ bis diese quasi zusammenbrechen.

  3. Unfassbar!!! Die Antwort auf Ihre Reaktion verdeutlichen diese unreflektiere Respektlosigkeit und Kritikunfähigkeit ja geradezu – könnte man gleich noch einmal draufhauen.
    Es steht unmissverständlich, dass diese Dame damit ihr Geld verdient, wirklich to puke.

    @osterhasebiene langnase

    „Von daher kenne ich auch die Finessen psychisch kranker Menschen, die darin besteht, Nahestehende in ihren Dienst zu stellen und “auszubeuten” bis diese quasi zusammenbrechen.“

    Wenn das bewusste Finessen wären, dann müsste den psychisch kranken Menschen auch mit aller Konseqenz bewusst (logisch) sein, dass die Zusammengebrochenen ihren Dienst irgendwann nicht mehr ausführen können. Dann wären die psychischen Kranken nicht krank, sondern Simulanten.

    Die Worte Finessen und ausbeuten finde ich in diesem Zusammenhang echt unangebracht.

    • Diese gesellschaftliche Tendenz unserer Zeit hält sich schon eine Zeit lang. Sie geht einher mit einer gewissen Haltung „ist mir doch egal“. Was damals rigide, strikte und menschenverachtende Verfolgung und Tötung von Menschen war, hat heute das Gesicht der Lächerlichkeit, Verdummung und (Selbst-)Verachtung erreicht. Vielleicht ein gewagter Vergleich? Dennoch: Intoleranz wandelt sein Gesicht. Was damals tötlicher Ernst war, ist heute verharmlosende Gleichgültigkeit. Beides sind Formen der Intoleranz.

        • Mit der Tendenz meine ich den großen Anteil an „ist-mir-doch-egal-Menschen“ und die „Lächerlich-Macher“, die es früher so nicht in der Menge gab. Das ist m. E. der jetzige Zeit“Geist“. Auch die Koma-Trinker sind eine Erscheinung der Gegenwart. Natürlich gab und gibt es Intoleranz, aber die Erscheinungsweise ist anders, was nicht heißt, dass das eine besser wäre als das andere.
          Ob man wirklich heute nicht mehr behauptet, man habe von nichts gewusst, bezweifle ich. Ich denke, auch diese wird es immer wieder geben. Egal wie viel die Medien zeigen.

          • Ich hatte das schon verstanden, denke jedoch, dass es solche Menschen schon immer gab.
            Andere der Lächerlichkeit preiszugeben, zu diffamieren, um seine eigene Unsicherheit zu kaschieren oder sich abzugrenzen, ist keine Erfindung des Internetzeitalters. Ohne die große Masse der „Ist-mir-doch-egal-Deutschen“, wäre es wohl beim „Zweiten Reich“ in der Geschichte geblieben und wir hätten heute noch einen Kaiser, Hotte Seehofer würde auf Schloß Neuschwanstein mit der Resi Dieren 🙂

            Ob die Menge früher größer war, mag ich nicht beurteilen, zumal die Anzahl der jungen Leute demographisch abnimmt.
            Heute trauen sie sich möglicherweise eher in der Masse der Dummheit öffentlich anonym aufzutreten als früher – man fällt ja im Moment nicht groß aus dem gesellschaftlichen Rahmen 😉
            Und wenn sie meinen, sich äußern zu müssen, haben sie zumeist nicht nicht wirklich etwas zu sagen.
            Siehe Haudrauf-Thema:

            Was heute Koma-Saufen, Ecstasy, Christal sind, waren früher Opium, Morphium. Laudanum, LSD, Ashram. Selbst den alten Ägyptern waren Trunkenheitsrituale bis zum Umfallen nicht unbekannt.
            Jede Gesellschaft kreiert ihre eigenen Drogen, um der Realität zu entfliehen.

            Gemeint war: Jeder kann behaupten, er hätte von nichts gewusst – das Internet vergißt jedoch nie – es ist somit beweisbar.

          • @Sophie:
            Vorab zur Information. Meine Antwort ist nicht „links rausgerückt“ erschienen, wo sie eigentlich hin sollte. Also als allgemeine Antwort zum „Hau drauf“. Ich bin versehentlich ins falsche Antwort-Feld gerutscht.

            Ich stimme vollkommen zu, dass es schon immer solche Menschen gegeben hat, die andere diffamieren, um seine eigene Unsicherheit zu kaschieren etc. Natürlich ist dies keine Erfindung des Internetzeitalters. Was ich meine und schon sehr lange beobachte, ist, dass der ANTEIL zugenommen hat, der sich eine „Ist-mir-doch-egal-Haltung“ zugelegt hat, die sich auf verschiedenen Ebenen zeigt und nicht unbedingt nur bei jungen Menschen. Es ist m.E. eine allgemeine gesellschaftliche Veränderung, wobei ich auch den bereits benannten Werteverlust und die „Lächerlich-Macher“ damit im Zusammenhang sehe.
            Erst kürzlich hatte mir eine Frau gesagt, dass es ihr vollkommen egal ist (wörtlich!), dass sie Übergewicht hat. In der Unterhaltung mit ihr wurde eine gegen sich selbst gerichtete Verrohung in der Haltung deutlich (bedeutet aber nicht, dass alle Übergewichtigen verroht sind! Es gibt durchaus sehr feinfühlige im Umgang mit sich selbst und anderen.) Diese gesellschaftliche Tendenz gab es früher in DIESER Form nicht. Das ist das Gesicht der Lächerlichkeit, Verdummung und (Selbst-)Verachtung, wie schon erwähnt. Auch wenn es diese Verhaltensweisen (Verrohung, lächerlich machen, Verachtung etc.) schon früher gab, ist die Erscheinungsweise immer etwas anders. Damit meine ich, dass sich IM KERN nichts geändert hat, lediglich „das Gesicht“ hat sich gewandelt. Demnach ist das Thema Intoleranz unverändert vorhanden, wie z.B. bei Witze-Machern, die eine Zurückweisung des Witzes nicht annehmen und darüber nachdenken, sondern in Angriff übergehen, mittels gemäßigter Worte wie „verbittert“ bis hin zur rohen Sprache, wie „Stock im Arsch“.

    • osterhasebiene langnase Antworten

      Psychisch Kranke tun es unbewusst, aber sie tun es dennoch. Wenn man als Kind mit einem psychisch Kranken aufwächst, stellt sich irgendwann die Frage: ich oder du. Es wird ein existenzieller Überlebenskampf. Solange Einsicht von Seiten des Kranken besteht, dass eine Behandlung nötig ist, kann man diese Empathie auch aufbringen und den Kranken unterstützen.

      • Unbewusstes Handeln ist nicht auf „Krankheit“ beschränkt. Das wäre zu einfach. Die Frage „ich oder du“, ist nicht die einzige Möglichkeit, die überlegenswert ist.

        • osterhasebiene langnase Antworten

          Es gibt chronische Überforderungs-Situationen, da funktioniert nur noch der Überlebensinstinkt. Denken kann man nur aus einer gewissen Distanz. Die muss man sich aber erst hart erarbeiten und erleiden. Unbewusstheit findet man überall, sie muss aber nicht destruktiv sein. Wäre man immer nur bewusst, wäre das Leben vielleicht gar nicht mehr schön. Ich genieße meine Unbewusstheit, aber die Grundeinstellung muss stimmen.

          • Wie können Sie Unbewusst-sein genießen, wenn Ihnen der unbewusste Vorgang (Gedanken/Taten) gar nicht klar ist? Genuss ist etwas aktiv Erlebbares und damit bewusst.

          • osterhasebiene langnase

            Selbst-Vergessenheit ist Genuss. Das sind die seltenen Momente. Kunst entsteht z.B. aus Unbewusstheit. Der Kopf ist nur der Aufpasser. Dazu gehört auch sowas wie Psychohygiene. Den Narzissten gebe ich gerne zurück an @Sophie, wobei Narzissmus gar nicht mal ein schlechter Anfang ist, nämlich Beschäftigung mit sich selbst (was will ich, wo stehe ich, wer bin …) Alles fängt beim Ich an und endet bestenfalls beim Du, doch wer nicht bei sich anfängt, endet auch nicht dort. Empathie ist nur da ehrlich, wo auch die Ressourcen vorhanden sind. Sonst endet diese wiederum in Terror. Daher wäre es ein Geschenk, wenn sich psychisch Kranke therapeutische Hilfe holen und ihre Krankheit nicht auf dem Rücken nahestehender Bezugspersonen austragen. Das zerstört Beziehungen unwiederbringlich. Und im übrigen schadet eine Portion Humor keinesfalls, vor allem sich selbst gegenüber.

          • @osterhasebiene langnase

            Ich bedauere, dass Du Dich von meinen Zeilen so angegriffen fühlst.
            Das war ganz bestimmt nicht meine Absicht.
            Dich als malignen Narzissten zu bezeichnen, würde ich mir niemals anmaßen.
            Da ich Dich nicht kenne, kann und will ich überhaupt keine Bewertung jeglicher Art über Dich abgeben.
            Ich dachte, es käme unmissverständlich rüber, dass Hitler damit gemeint war.

            Aus Deinen Zeilen lese ich heraus, dass Du schlimme Dinge erlebt haben musst, das tut mir aufrichtig leid. Kinder sollten so etwas niemals erleben müssen. Leider ist die Realität oft anders und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Du Dich dabei gefühlt haben musst: Hilflos, ohnmächtig, einsam, von aller Welt verlassen, wütend. Diese Gefühle sind mir durchaus nicht fremd.

            Bitte respektiere, dass ich trotzdem zu Vielem was Du schreibst, eine völlig andere Meinung haben kann, von der ich Dich überhaupt nicht überzeugen möchte. Wenn Dich etwas an mir stört, dann kannst Du mir das auch ganz direkt sagen.
            Wenn Du möchtest, dass ich Dir kein Feedback gebe, hast Du unbestritten das Recht, es hier zu äußern.

            Dennoch würde ich mich freuen, weiterhin an Deinen Gedanken teilhaben zu dürfen.
            Ich fände es allerdings schön, wenn Du öfter die Ich-Form benutzen könntest, dann kämen solche Missverständnisse meinerseits mitunter gar nicht auf.

      • Gerade diejenigen psych. Kranken, die Aufgrund eines verlorenen Realitätsbezuges die Einsicht in die Krankheit und somit ein adäquates Verantwortungsgefühl fehlen, bedürfen meinem Erachten nach der größten Empathie. Und nicht nur das, sie brauchen ganz besonders die Hilfe und Unterstützung psychisch gesunder Menschen, wenn sie nicht in der Lage sind, sich diese selbst zu organisieren.

        Dass „man“ diese als Kind wegen mangelnder Reflektionsfähigkeiten noch nicht aufbringen kann, ist mir durchaus verständlich. Es bedeutet jedoch nicht, dass jeder“man“ als Erwachsener empathielos ist.

        „Krankheitsgewinn“ geht mit einem extraordinär erhöhten Maß an Gesundheitsverlust – kognitive Einschränkungen, Alltagsfähigkeit, soziale Ausgrenzung und Rückzug – einher, der sich in keiner Weise aufwiegen lässt.

        Für mich besteht ein erheblicher Unterschied, ob jemand aus Krankheitsgründen oder aus purer Boshaftigkeit verantwortungslos und menschenverachtend handelt, was nicht heißt, dass ich Unterschiede in der Bewertung der Konsequenzen solchen Verhaltens mache und sie gutheiße.

        Viktor Frankl hätte sicherlich nicht nur mit Hitler, sondern auch einer Vielzahl geistig gesunder Menschen, keinen Kaffee getrunken; wohlmöglich hätte ihm eine langwierige Psychoanalyse empfohlen, was sich bei malignen Narzissten oft als sinnloses Unterfangen darstellt. Realistischer, Hitler hätte sich nicht mit Viktor Frankl an einen Tisch gesetzt.

        Was er getan hätte, weiß ich nicht und darüber zu spekulieren, bringt mich persönlich nicht weiter.

        Ich denke, Empathie ist ein völlig anderes Gefühl als Sympathie. Wohl dem, der über die Fähigkeit verfügt, das eine vom anderen zu unterscheiden und auch zu empfinden.

        • osterhasebiene langnase Antworten

          Liebe Sophie,

          danke, dass Du Dir soviel Gedanken und Mühe gemacht hast, mir zu antworten. Ich habe mich gar nicht so angegriffen gefühlt wie Du denkst, denn ich stehe voll und ganz hinter dem, was ich hier schreibe und es ist mir auch bewusst, dass das Internet nichts vergisst. Das finde ich aber auch gerade sehr spannend und heilsam, denn ansonsten könnte ich alles ja auch in ein geheimes Tagebuch schreiben. Das hätte aber für mich nie diesen therapeutischen Effekt. Ich stehe auch zu meinem Narzissmus, weil ich finde dass Narzissmus überhaupt immer noch zu Unrecht einen zu negativen Ruf hat. Da steckt enorm viel Potential drin. Was will ICH/was will ICH nicht – sich selbst wichtig nehmen ist in unserem Land immer noch verpönt. Dabei wollen wir im Grunde alle mehr oder weniger das Gleiche: Frieden, sinnvolles Tun, Teilhabe… nur trauen wir uns noch immer zu wenig, zu unseren Wünschen zu stehen und diese einzufordern. Aber auch ich will Dich nicht von meinen Ansichten überzeugen.
          Danke, dass Du mich darauf hinweist, dass ich so oft „man“ sage. Es ist mir selbst unangenehm, aber ich möchte nicht immer von mir reden und so benutze ich es in der Bedeutung etwa von „beispielhaft“. Natürlich ist alles, was ich hier sage nur von mir, aus meinem Hirn entsprungen.
          Dass ich einiges mitgemacht habe stimmt, es zeigt sich natürlich auch in meinen oft etwas schrägen Ansichten, was psychisch kranke Menschen betrifft (wobei ich den Ausdruck psychisch Kranke überhaupt nicht mag, weil die Definition so schwierig ist) Was ich erlebt habe ist das, wenn psychisch Kranke Macht bekommen, wenn das Gestörte zur Norm und zum Gesetz erhoben wird und wenn psychisch schwer Angeschlagene die Eintrittskarten in die Familie verteilen. Ich habe mich gefühlt, wie der Depp vom Dienst und habe überhaupt nichts mehr kapiert. Verkehrte Welt. Der Vergleich mit Hitler ist da nicht mal so weit hergeholt. Über das Geplärre von Hitler lachen wir heute auch und denken, wie konnte so eine Witzfigur nur soviel Macht bekommen. Daher stammt vielleicht auch meine etwas kritische Haltung dem allzu Intellektuellen gegenüber, denn am Intellekt fehlt(e) es diesen Personen bestimmt nicht. Am Gemüt fehlt es und an der Seele.
          Ich freue mich auch weiterhin über Feedback von Dir und diskutiere gerne mit Dir, sofern dies nicht persönlich beleidigend ist. (was ich aber bisher noch nie so empfunden habe) Allerdings würde ich mich auch über noch genauere Begründung Deiner Ansichten freuen, denn ich kann Dir nicht immer ganz folgen.
          So, bestimmt habe ich wieder einiges vergessen zu sagen und es fällt mir später noch ein. Auf jeden Fall bin ich nicht so ein zartes Pflänzchen, wie Du vielleicht denkst, schon eher Unkraut.

          Viele Grüße
          Osterhasebiene

  4. Ich habe mir nun diesen Spaß erlaubt ! Ein Kontaktformular tut das übrige, und nun werden wir sehen !

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich denke einmal, das dieser Artikel, den ich bei Herrn Dr. Peter Teuschel gelesen habe, nur ein Fake ist.
    Ein Fake der durch einen nicht kompetenten MA entstanden ist.
    Leider, und so leid es mir auch tut, war ich von solchen Krankheiten ebenfalls betroffen.
    Aber wie mir scheint IHR Unternehmen auch. Ansonsten würden Sie solche Darstellungen nicht zulassen.
    Ich hoffe in Ihrem Sinne das es hier nicht nur um einen Spaß geht sondern dieser MA mit den Konsequenzen zu rechnen hat.
    Ansonsten werde ich mir den Spaß erlauben, Ihren Schriftverkehr in der Huffington Post zu veröffentlichen, und aufzuzeigen, wie die Stadtwerke Wuppertal mit so etwas umzugehen zu Pflegen !!!

    Mit nicht ganz freundlichen Grüßen

    Matthias Buck

    • osterhasebiene langnase Antworten

      Tun Sie, was Sie nicht lassen können. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen ob lustig oder unlustig. Wenn Sie nur eine Seite der Medaille sehen wollen, dann ist es so. Ich glaube nicht, dass V. Frankl mit Hitler nochmal einen Kaffee getrunken hätte. Allen kompetenten Psychotherapeuten dieser Welt wünsche ich das allerbeste und gönne ihnen ihren verdienten Lohn. Allen psychisch Kranken wünsche ich Heilung und ein gutes Leben.

  5. Man, da hat jemand aber einen gewaltigen Stock im Arsch. Es geht bei dem Witz darum auf lustige Art und Weise zu rechtfertigen warum der Busfahrer sich auf- und davon macht, nicht um sich über kranke Menschen lustig zu machen. Man muss schon ziemlich verbittert sein um so einen Spaß negativ zu interpretieren und als Behinderten-Bashing auszulegen.

    • Hallo Test,

      stimmt Sie haben recht. Wie konnte ich das ganze nur überlesen mit meinem
      „Stock im ARSCH „.
      Ich habe Ihn in der Zwischenzeit entfernt und mich nach noch einem größeren umgesehen. ):

      Der Busfahrer stammt ja aus einer Nervenheilanstalt. Ein ehemaliger Patient.
      Sie haben ja erst welche eingestellt. Er leidet ja unter Depressionen oder etwas was man als Spaß bezeichnen darf.

      Dann ist der HAU DRAUF ja total übertrieben. Wusste das denn Herr Dr. Teuschel gar nicht ?

      Somit müsste man den Stadtwerken Wuppertal einen Pokal verleihen, für die Anstellung und Beschäftigung Psychischer Kranker Menschen.

      Bitte Herr Dr. Teuschel, einen POKAL !!!!! Und einen Tusch: Täterertääääääääää (: (:

      Wahnsinn das es schon solche Unternehmen in Deutschland gibt.
      Ich hoffe in naher Zukunft stellen Sie noch mehr solcher Spaßvögel ein.
      Ein sehr vorbildliches Unternehmen.

      Bald werden unsere Kliniken leer sein und der Krankenstand von Psychischen Kranken gesenkt werden. Gott sei Dank, da er seit 1997 kontinuierlich nur ansteigt.

      Armer Dr. Teuschel und seine Kollegen. Als Busfahrer können Sie leider nicht umschulen
      Sie haben ja die Kranken Spaßvögel geheilt.

      Vielleicht als Fahrkartenkontrolleur und Aufpasser das alle anderen Fahrgäste die Anleitung auch einhalten? (:

      Und die Anleitung selbst ? 1m Abstand usw.?
      Toll das es so etwas gibt. Ist das denn ganz NEU ?

      Schlagt diesen MA für eine Gehaltserhöhung vor, und sein Unternehmen für den Friedensnobelpreis. Sie haben sich es redlich verdient. Bei der Preisverleihung möchte ich gerne dabei sein.
      “ Man die tun was „……

      Ach so. Meine Frage und der Vorwurf richtet sich an das Unternehmen, nicht an seine Angestellten.
      Deshalb meine Reaktion und meine Antwort auf das alles hier.

      Ein gut geschulter MA durch das Unternehmen selbst würde so etwas nie als Antwort benützen.

      Denn, Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken.

      Nur leiden werden darunter nur die davon Betroffenen, nicht die, die so etwas als „SPASS“ verstehen.
      Oder meinen man müsste das ganze als „WITZ “ anschauen.
      Ein sehr Trauriger Witz, bei dem auch mir das Lachen vergangen ist.

    • Hallo Test,

      ich frage mich wirklich, was es mit „Verbitterung“ zu tun hat, wenn man einen Gag auf Kosten anderer (und v.a. Schwächerer) nicht lustig findet.
      Ebenso frage ich mich, wieso Sie Scherze auf Kosten psychisch Kranker mit „Behinderten-Bashing“ gleichsetzen.
      Klar – nicht jeder hat den selben Humor, nicht jeder verfügt über dasselbe Maß an Mitmenschlichkeit oder Reflektiertheit und das Internet ist leider auch eine mülltrennungsfreie Zone, in der sich jeder austoben kann.

      Vielleicht haben Sie in der Kundendienst-Antwort auch einfach überlesen, dass der Spaß exakt darin bestehen sollte, den Busfahrer als psychisch krank zu deklarieren?
      Selbstverständlich geht das ganz konkret gegen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, gegen wen denn sonst?
      Hier Kritik zu üben heißt nicht, einen „Spaß negativ zu interpretieren“, wie Sie es darstellen, sondern ihn als schlechten Scherz zu entlarven und anzuprangern.

      Mal angenommen, Sie wären Legastheniker: fänden Sie es dann lustig, wenn andere sich über die Ausdrucksweise und damit das Unvermögen von Legasthenikern lustig machen würden, wo Sie persönlich doch damit kämpfen und darunter leiden? Und wäre es nicht ein Schlag ins Gesicht, wenn fast 1000 weitere Personen (so wie bei dem WSW-„Witz“) dafür noch ein „Gefällt mir“ verteilen?

      Ich verleihe Ihnen jedenfalls meinen persönlichen „Hau-drauf“ für Kommentare!

      Manche Anmerkungen zu diesem Beitrag von Dr. Teuschel sind spekulativ, einige besserwisserisch, manche mussten offenbar einfach aus persönlichen Gründen „mal raus“, auch wenn es mit dem ursprünglichen Thema nur noch schemenhaft zu tun hat – aber Ihre Bemerkung schlägt dem Fass wahrhaft den Boden aus.

      Ich hoffe trotzdem für Sie, dass Sie nicht in einem Bereich, in dem es Ihnen weh täte, zum Opfer eines billigen Massen-Spotts werden, auch wenn Sie vermutlich dann Ihre gestern geäußerte Meinung ändern würden.

  6. Selbstkritsch hätte ich solche oder eine ähnliche Antwort auch ausreichend witzig gefunden:

    „Guten Tag,

    ich Rücksprache mit unsererm Mitarbeiter, haben wir mit Erschrecken feststellt, ihm zu wenig Pinkelpausen einzuräumen.
    Wir werden uns diesem „ruinösen“ Problem schnellstmöglich annehmen.

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.“

    ╝╔

    (ob ihr allerdings noch zu helfen ist, da bin ich mir nicht so sicher)

  7. Mir ist aufgefallen, dass Begriffe immer mal wieder unterschiedlich verstanden werden und dies teilweise zu Missverständnissen führt. Deshalb habe ich die Idee bekommen – vorausgesetzt Herr Teuschel stimmt zu – dass auf der „Weide“ eine Übersicht mit Begriffsdefinitionen nützlich wäre. Keine fertige Liste, sondern eine sich mit der Zeit aufbauende „Schwarze-Herde-Wiki“-Übersicht mit Definitionen. Herr Teuschel, was halten Sie davon? Und die schwarze Herde?

    Schöne Grüße
    maro

    • Welche Begriffe meinen Sie denn?
      Ein „Schwarze-Herde-Wiki“ ist an sich eine interessante Idee, aber was kommt da rein?
      Die bisherigen Diskussionen zeichnen sich ja dadurch aus, dass hier sehr diszipliniert und konstruktiv miteinander „gesprochen“ wird. Alle Missverständnisse auf der Ebene der normalen Sprachlichkeit werden wir durch ein Wiki nicht eliminieren können, sondern nur durch die hier sehr hohe Diskussionskultur.
      Vielleicht führen Sie die Wiki-Idee noch einmal etwas näher aus. Und dann wäre schon wichtig, was die Herde darüber denkt.

      • Um die Klärung von allen Missverständnissen auf der normalen Sprachlichkeit geht es mir nicht, mehr um allgemeingültige Definitionen, die verschieden verstanden wurden (werden). Das hätte den Vorteil, dass „gelb“ gelb ist und nicht als „blau“ umgedeutet oder verstanden wird. Da hier in der Regel die Themen komplexer sind, würden gemeinsam verstandene Begriffe die Diskussionen unterstützen. Aber natürlich sollte das die Herde insgesamt ansprechen und den Nutzen wollen. Ich diskutiere auch ohne „Wiki“ gerne weiter. Es war eine Idee. Die Umsetzung muss selbstverständlich nicht sein.

        • osterhasebiene langnase Antworten

          „Wiki“ kann selbstverständlich jederzeit zur Hilfe herangezogen werden, ich lese da auch oft nach. Doch finde ich das „Eigene-Gedanken- Entwickeln“ noch viel spannender, auch auf die Gefahr hin, dass sich der Schreiber mal „vergaloppiert“. „Wiki“ haben sich ja auch nur andere ausgedacht oder von anderen abgeschrieben. Es kommt doch letztlich darauf an, dass wir das was wir sagen nicht als DIE „Wahrheit“ verkaufen, sondern im potenziell anderen eine wie auch immer geartete Resonanz erzeugen, die zum Weiterdenken anregt. Tatsächlich habe ich mich mal mit einer Freundin eine Zeitlang gestritten, ob ein bestimmtes Haus gelb oder grün gestrichen war. Wir konnten uns nie einigen.

          • Reiten will gelernt sein, dann klappt’s auch mit dem Galopp. 🙂

          • osterhasebiene langnase

            Oh, danke @maro, Sie werden zu meiner großen Lehrmeisterin. :)Gelernt habe ich grade so viel, dass ich mir schon einiges zutrauen darf…

    • @maro

      Im Momemt wüßte ich auch nicht, was damit gemeint sein könnte. Bin gespannt.

      Vielleicht „Schwarze-Herde-FAQs“? 🙂

      • Außerdem fällt mir gerade auf, dass wir hier auf der Schräglage diskutieren …
        Die Wiki-Geschichte sollten wir dann vielleicht doch auf der schwarzen Weide, pardon, Herde besprechen.
        (Jetzt komme ich schon mit den Blogs durcheinander, tststs)

        • Hauptsache nicht in Schräglage … 😉

          Apropos FAQs – trügt mich mein Eindruck, dass man auf einen Kommentar jeweils nur 3 Antworten geben kann, weil sonst der „Einzug“ nicht mitspielt?
          Ich sehe dann stets nirgends einen „Antworten-Button“ unter der letzten Antwort.
          Muss ich dann wohl im Voraus bedenken, wo die Antwort am Besten plazieren.

        • Z. B. Begriffe wie Mitgefühl im Unterschied zu Mitleid. Also auch Begriffsdifferenzierungen. Jede/r, die/der will, könnte einen Begriff, der erklärt werden soll, in eine Spalte der Liste eintragen und auf der anderen Spaltenseite wird die Erklärung eingetragen. Der Begriff kann solange ungeklärt stehen bleiben, bis jemand eine Erläuterung/Definition einsetzt. Natürlich nicht auf der Blogseite. Komplexe Krankheitsbegriffe sind eher wegen größerem Erklärungsbedarf ungeeignet. Sie, Herr Teuschel, könnten die Begriffsklärung, falls erforderlich, nachbessern. Klar, wäre das für Sie mit etwas Arbeit verbunden, aber vielleicht würde es sich in Grenzen halten. Es macht ja auch nur Sinn, wenn das mehrere interessiert.

  8. osterhasebiene langnase Antworten

    Ich finde es auch interessant, wenn jemand einen Begriff nicht „korrekt“ verwendet. Das hat auch seine Aussagekraft. Außerdem ist Sprache was lebendiges und Wörter werden eigentlich immer verschieden gebraucht, je nach Kontext. Wenn jemand was nicht versteht oder genauer wissen will, dann kann er ja gezielt nachfragen. Ist ja kein Problem. Oh, jetzt hab ich schon wieder so eine unakademische Meinung, sorry. Bei der Gelegenheit möchte ich auch noch anmerken, dass Diskutanten nicht immer alles wissenschaftlich belegen müssen und mit „todsicheren“ Links untermauern, sondern ruhig auch mal selbst einen Gedanken entwickeln dürfen, auch wenn´s mal daneben geht. Dafür sind ja andere da, die stopp sagen können.

  9. Ich denke, als erstes wäre es wichtig, die Frage (ob oder ob nicht), wirklich ins Weidegehege zu verschieben und dort eventuell einen neuen Blog-Thread zu erstellen, damit sie weiterhin öffentlich diskutiert werden kann.
    Mittlerweile sprengen die Beiträge das eigentliche Haudrauf-Thema 😉

    Wäre das möglich Hr. Dr. Teuschel?

      • Lieber Hr. Dr. Teuschel,

        alles kein Problem, lassen Sie sich Zeit.

        Sie wissen doch Schafe sind geduldig und trotten ihrem „Leithammel“ gemächlich hinter her.
        Es geht ja niemand verloren, außer manchmal das 100. Schaf 😉

        Ich wünsche Ihnen gute Besserung und baldige Genesung. 🙂

        Beste Grüße, Sophie

      • Auch von mir gute Besserung! Die Thread-Eröffnung hat ja wirklich Zeit.
        Beste Genesungs-Grüße, maro

  10. osterhasebiene langnase Antworten

    Lieber Herr Dr.Teuschel,

    gute Besserung und Genesung auch von mir. Sie sollten nicht so viel arbeiten, wenn ich das als HP anmerken darf. Gönnen Sie sich eine Auszeit. Schönes Wochenende
    LG osterhasebiene

  11. Danke für die Genesungswünsche! Leider zieht sich die Sache ziemlich hin und die Viren haben den Kampf noch nicht aufgegeben.
    Nichtsdestotrotz habe ich jetzt auf http://www.SchwarzeHerde.de im Forenbereich ein neues Diskussionsforum für solche Anregungen und Ideen eröffnet. Bitte deshalb dort weiterdiskutieren!

  12. Beim Lesen dieses Artikels musste ich an das Buch “Scham die tabuisierte Emotion“ von Stephan Marks denken der schreibt: “ Der Nationalsozialismus vermochte die verbreiteten Schamgefühle
    der deutschen Bevölkerung aufzugreifen und seinen Anhängern Schamabwehr anzubieten und zu legitimieren: Gelegenheiten, die Würde anderer Menschen zu verletzen. Dabei lassen sich ideal-
    typisch zwei Phasen unterscheiden: (1) öffentliche Beschämungen von Juden (potenziellen oder
    tatsächlichen) Regimegegnern im Vordergrund, die (2) zunehmend durch „kalte“ Verachtung
    und strukturelle Erniedrigung ergänzt worden“ (Seite 106 – 107).
    Er schreibt weiterhin: “Gleich nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler begannen die
    Funktionäre von NSDAP, SA und SS Übergriffe gegen kritische und jüdische Bürger zu organisieren. Wesentlicher Bestandteil dieser Aktionen waren öffentliche Beschämungen, wie sie für vormoderne Gesellschaften charakteristisch sind“. (Seite 107)
    Solche öffentlichen Beschämungen wurden im Buch beschrieben, unter anderem die einer jungen Frau, die wegen einer Liebesbeziehung mit einem französischen Kriegsgefangenen (“Rassenschande“) stattfand und bei der es heißt: “Auf den Photographien dieser Aktionen sind – mit Ausnahme der Gedemütigten – viele lachende Gesichter zu sehen. So auch auf dem Foto der Menschenmenge, die an einem Tag im August 1940 auf dem Ulmer Markplatz zuschaute, wie die 19 – jährige E. R. wegen sogenannter “Rassenschande“ auf einem erhöhten Podest angeprangert und ihre Haare abgeschnitten wurden“. (Seite 108)
    Der Autor schreibt, das so die Abfuhr von Schamgefühlen öffentlich inszeniert wurden und das dies entlastend auf die Beschämenden wirkte, die ihre eigenen Schamgefühle (zumindest vorübergehend) “loswurden“, weil diese auf die beschämte Person “da vorne“ projiziert werden konnte. Der Autor schreibt dazu: “Daher das “ scham-lose“ Lachen der Beteiligten. Durch das Lachen wurde eine positive Bindung an den Nationalsozialismus hergestellt. Dies trug mit dazu bei, das das “Dritte Reich“ in den Erinnerungen nicht weniger alter Menschen bis heute als eine “schöne Zeit“aufbewahrt ist; “man“ hatte ja seinen Spaß bei der Sache“. (Seite 109)
    Als ein Beispiel für öffentliche Beschämung über das Medium Internet, möchte ich den Fall von Ben Wettervogel, der beim Morgenmagazin das Wetter ansagte, nennen. Über sein Schicksal “Der Fall Wettervogel – stoppt Cybermobbing“ wurde im Stern berichtet und in dem Artikel heißt es: “Es ist so einfach. Zuhause auf dem Sofa abhängen, die Wohnung ist warm, die Glotze läuft. Man muss nur zugucken. Und man kann ablästern. Öffentlich. Jeder hat einen PC, sekundenschnell ist die eigene Meinung in den Sozialen Netzwerken gepostet. Dort wartet schon die Community der Mitlästerer, die sich eine lustvolle Schlacht liefert um die härteste Zeile, den gemeinsten Spott, das brutalste Urteil. Andersdenkende, Zurückhaltende, Sanftmütige: Bitte nicht stören! In dieser Gruppe bezog Ben Wettervogel nach jedem vergeigten Auftritt im Morgenmagazin Prügel. Aber nicht nur dort. Es gab auch eine “Ersetzt Ben Wettervogel“ Facebook Gruppe. Was die Kritik für Wettervogel besonders schwierig gemacht haben muss: Sie war zum Teil berechtigt. Ja, er hatte ein Alkoholproblem. Er wurde immer fahriger, bewegte sich eckig, verhaspelte Moderationen. Darüber schrieben einige. Andere schnitzten Giftpfeile daraus. “Wetterstammel“ war noch einer der harmlosesten Schmähungen“.
    So ist es uns heute wie damals möglich, die Abfuhr von Schamgefühlen öffentlich zu inszenieren. Zudem wirkt das auch noch entlastend auf die Beschämenden, die also ihre eigenen Schamgefühle auf diese Weise (vorübergehend) “loswerden“ können. Vielleicht sollte man sich das manchmal selbst in Erinnerung rufen und nach dem Motto: „Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch
    keinem andern zu“ handeln. Der Fall von Ben Wettervogel zeigt, wie Menschen über ihre Schwächen angegriffen und am Ende sogar in den Selbstmord getrieben werden können. Dass man selbst über diese Schwächen angreifbar ist (und es auch immer bleibt) wird hierbei gern vergessen. Es hat sich leider nicht viel verändert, auch heute noch werden in unserer „Schamgesellschaft“ Menschen öffentlich beschämt, damit die Beschämenden auf deren Kosten ihre eigenen Schamgefühle
    vorübergehend “loswerden“ können.

    • Hallo Frida,

      danke für den tollen Kommentar.

      Mir scheint diese Art von Geschichte wiederholt sich ständig und wird nur zu neuen unerträglichen Geschichten.

      Das wirft die Frage auf, ob man immer davon ausgehen kann, dass Menschen sich verändern können, wenn sie in ihrer Kindheit lernen, dass ihre Scham tabuisiert wird und dieser erst erträglicher wird, wenn man andere beschämt.

      Diskrimieren heißt schlicht nur Unterscheiden. Diese Internet-Claquere unterscheiden sich leider selbst nicht von einander, vielmehr ist es das einzige, was sie verbindet – grenzenlose Dummheit und Verachtung. Wo das im Moment in Deutschland hinführt, ist nicht zu übersehen.

      Beste Grüße Sophie

  13. @Sophie, Herr Teuschel, Maro und Osterhasebiene langnase

    Danke für die freundlichen Worte. Ich wollte Sie mit meinem Kommentar unterstützen, weil Sie sich auf Ihrer Website für die Menschlichkeit einsetzen und das nicht selbstverständlich ist. Es hat mich gefreut, dass auch ich einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte und Sie meinen Kommentar nützlich
    finden.

    Ich möchte noch hinzufügen, dass auch ich die Worte von Britta Steffen beeindruckend fand, sie zeigte mit ihrer Einsicht, Selbsterkenntnis und dem souveränen Umgang mit einer Niederlage, dass sie sich
    ihrer eigenen Schwächen sehr wohl bewusst ist und sich in diesem Falle sogar öffentlich dazu bekannte. Zwar wurde sie im Gegenzug von Franziska van Almsick dazu „ermahnt“ das nicht zu tun und damit vielleicht auch ein wenig beschämt, aber warum sollte sie sich für diese Einsicht, Selbsterkenntnis und den souveränen Umgang mit einer Niederlage schämen? Es erfordert Mut und
    viel Kraft sich öffentlich zu seinen Schwächen und einer Niederlage zu bekennen, dafür muss sie sich wirklich nicht schämen und daher wirkt sie auch so sympathisch und menschlich, jedenfalls auf mich.

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