Haudrauf der Woche: Bernd Lucke (AfD)

HdW

Über Thomas Hitzlspergers Coming-out ist schon viel geschrieben worden. Die einen finden es gut, dass er sich als erster (Ex)-Fußball-Profi als schwul geoutet hat, die anderen meinen, er hätte es schon früher tun sollen und wieder andere finden es überhaupt nicht gut, weil sie Schwulsein insgesamt nicht gut finden.

Zur letzteren Fraktion gehört offensichtlich auch der Vorstand der neuen Partei AfD, deren Mitglieder sich als „Euro-Skeptiker“ bezeichnen und die bei der letzten Wahl um ein Haar in den deutschen Bundestag eingezogen wäre.

Bernd Lucke findet Hitzlsperger Entscheidung nicht mutig. Begründung: 12 Jahre, nachdem Klaus Wowereit sich geoutet habe, brauche es nun wirklich keinen Mut mehr, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen.

Bernd Lucke (Bild: dpa)

Bernd Lucke
(Bild: dpa)

Außerdem hätte er „es gut gefunden, wenn Herr Hitzlsperger sein Bekenntnis zu seiner Homosexualität verbunden hätte mit einem Bekenntnis dazu, dass Ehe und Familie für unsere Gesellschaft konstitutiv sind.“

Also: Wenn mal einer gesagt hat, dass er schwul ist, ist es für jeden anderen kein Problem mehr, sich dazu zu bekennen. Egal ob der eine Politiker ist und der andere Profi-Fußballer. Geht beides mit „P“ an, ist also das selbe. Eh klar.

Und wenn einer schon unbedingt schwul sein muss, dann gehört es sich nach Herrn Lucke, zumindest darauf hinzuweisen, dass das ja eigentlich staatsschädigend ist. Hm, wie war das denn mit Ehe und Familie? Können nicht Schwule seit geraumer Zeit auch heiraten? Und Kinder adoptieren?

Ach was, so kompliziert will die AfD doch in Deutschland nicht denken. Die sind gegen den Euro. Und gegen unkonstitutive Schwule.

Für die Untermauerung der Erkenntnis, dass man nur lange genug warten muss, bis Personen des öffentlichen Lebens ihre wahre Gesinnung zeigen, erhält Bernd Lucke von mir den „Haudrauf der Woche„.

Peter Teuschel

5 Responses
  1. Ja – da haben Sie recht. Er hat ja wirklich den Haudrauf verdient! 😉

    Sehr schön im Gegensatz dazu fand ich auch den Bericht in ZEIT online von Herrn Oliver Fritsch:
    http://www.zeit.de/sport/2014-01/hitzlsperger-homosexualitaet-schwul-littmann-corny

    Auszug:
    Darüber hinaus wünsche ich mir, dass sich die Journalisten intensiver und dauerhaft damit befassen. Sie sollten den Versuch unternehmen, uns Schwule besser kennenzulernen, sie sollten nach Lebenswegen fragen, auch mal Schwulenbars besuchen. Homosexualität fällt nicht vom Himmel. Manch Schwuler braucht viele Jahre, bis er seine sexuelle Identität gefunden hat.

    Danke für diesen Bericht!
    Kleine Infos sind auch bei uns zu finden „HOMO sapiens“
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/homo-sapiens/

    nicht zu lieben sollte das einzige sein,
    das mit einem tabu belegt wäre.
    anäis nin

  2. Die AfD ist inzwischen eine genauso verlogene Partei wie alle anderen auch. Den Anspruch den sie gehabt hat kann und will sie nicht einlösen. Daher werden nun hier christlich-konservative Versatzstücke in die AfD Ideologie integriert. Lucke wird das Thema total egal sein, aber irgendwie muss man ja seinen Wählern gefallen….

  3. Scheinbar outet sich da auch gerade einer…Der Professor bewegt sich langsam in die rechte Ecke, in der viele ihn schon immer vermutet haben. Außerdem hat er sich noch ein Ei gelegt, denn wenn Ehe und Familie, wie er sagt, konstitutiv sind, dann sind es natürlich verheiratete homosexuelle Paare mit Kind ( auch Ehe und Familie !! ) ebenfalls.
    Man beachte auch des Professors Wortwahl während des Wahlkampfes:“ seine Partei habe die Demokratie ertüchtigt…nach so viel an Entartungen von Demokratie..“
    Wie sie immer wieder aus ihren Löchern kriechen, sobald es irgendwo nur leicht nach „Herrenrasse“ riecht; wie Kakerlaken,Kellerasseln,und Kanalratten sind sie einfach nicht auszurotten, da darf man nie aufhören aufzupassen und man darf sich leider auch kaum sicher sein, dass die Halbwertszeit immer kurz ist.

Leave a Reply

Kommentar verfassen