Gutachter: Mal eine positive Erfahrung

Heute berichtet mir eine Patientin, sie sei zur Prüfung der Arbeitsunfähigkeit von Ihrer (privaten) Versicherung zu einem Gutachter geschickt worden. Hinaus aufs Land, was zwar bedeutete, dass sie mit dem Auto hinfahren musste, aber auch die Chance eröffnete, mal eine neue Gutachtererfahrung zu machen.

Der Gutachter empfing sie in seiner Praxis. Er erzählte, dass er nicht nur gutachterlich, sondern jeden Tag auch psychiatrisch und psychotherapeutisch tätig sei. Dies sei ihm wichtig, weil er so das Gefühl habe, am Puls der Zeit zu sein und sich nicht so sehr vom „wirklichen Leben“ zu entfernen.

Nach der gründlichen Untersuchung meinte der Gutachter, die depressive Störung sei durch die Schilderungen der Vorkommnisse am Arbeitsplatz gut erklärbar. Er gehe von einer weiteren dreimonatigen Arbeitsunfähigkeit aus, weil der Arbeitsplatz wohl nicht zu ändern sei. Sollte es die Patientin nicht schaffen, sich mit den Umständen am Arbeitsplatz zu arrangieren (wovon er ausgehe, weil das bei diesen Verhältnissen kaum jemand schaffe), so müsse man in drei Monaten sehen, welche weiteren Optionen dann noch zur Verfügung stünden. Bis dahin solle die Behandlung so weiterlaufen.

Mich freut es sehr, von solchen Kollegen zu hören, die auch in ihrer gutachterlichen Rolle nicht den Kontakt zur (Arbeits)realität verloren haben.

Schade, dass die so selten sind.

Peter Teuschel

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