Gegen Mobbing und Gewichtsdiktat – gar nicht gaga

Cyber-Mobbing kann tödlich sein

Dass sich Prominente für caritative Themen engagieren, ist nichts Neues.

Manchmal mag es den Eindruck haben, dass es mehr um die Publicity geht als um die Inhalte, aber seis drum. Lieber eine gute Tat mit Hintergedanken als keine gute Tat.

In den letzten Monaten ist mir Lady Gaga diesbezüglich aufgefallen.

Zuerst startete sie eine Kampagne gegen Cyber-Mobbing. Dies geschah anlässlich des Suizids eines ihrer Fans.

Jamey Rodemeyer nahm sich das Leben, nachdem er wegen seiner sexuellen Orientierung über einen langen Zeitraum im Internet geschmäht und beleidigt wurde. Zuvor hatte er sich gegen Mobbing im virtuellen Raum eingesetzt und eigene Videos ins Netz gestellt, die er als Unterstützung für ebenfalls Betroffene gedacht hatte:

Am 19.11.2011 wurde seine Leiche im Haus der Eltern gefunden. Bei seinem Suizid war er 14 Jahre alt.

Lady Gaga griff das Thema auf und äußerte sich mehrfach öffentlich zum Problem Cyber-Mobbing. Auf einem ihrer Konzerte widmete sie Jamey ein Lied. In die Medien kam sie in diesem Zusammenhang auch, weil sie mit Barack Obama über Möglichkeiten diskutierte, wie gegen Cyber-Mobber vorgegangen werden könnte.

Das Engagement von Lady Gaga war bemerkenswert, allerdings fiel es in eine Zeit, in der mehrere Prominente sich dazu bekannten, als Kind gemobbt worden zu sein (z.B. Demi Lovato). Bisweilen hatte ich den Eindruck, es gehöre fast zum guten Ton in Hollywood, sich als Mobbig-Opfer zu outen.

Offensiv gegen den Schlankheitskult

Ganz aktuell aber hat Lady Gaga auf unglaubliche Weise auf ein ganz anderes Thema reagiert. In den letzten Wochen gingen Meldungen durch die Medien, dass sie mehrere Kilogramm Gewicht zugenommen haben soll.

Klatsch-Presse  vom Feinsten. Genau die Meldungen, bei denen man sich denkt, wen interessiert das?

Meist stehen solche Spekulationen, in aller Regel untermauert durch Fotos niederer Paparazzi-Qualität, unkommentiert in der Presse und nach ein paar Wochen wird dann „die nächste Sau durchs Dorf getrieben“.

Nicht so in diesem Fall.

„Bis zum Alter von 15 Jahren litt ich unter Anorexie und Bulimie“, kommentierte die Sängerin die Meldungen. Jetzt sei sie froh, vom inneren Schlankheits-Diktat frei zu sein. Sie stehe zu ihren neuen Pfunden und sehe darin kein Problem.
Zur Untermauerung stellte sie auf littlemonsters.com Bilder ins Netz, die sie in Unterwäsche zeigen – ohne Retusche und mit genau den von der Regenbogenpresse beanstandeten Kilos „zu viel“.

Die Art der Darstellung ist schonungslos und mutig. Zu sehen ist hier eine normale Frau und kein Promi.

Ich meine, besser kann man seine Position als weltbekannte Musikerin nicht in den Dienst einer Sache stellen.

Lady Gaga als Kämpferin gegen Mobbing und anorektische/ bulimische Selbstversklavung.
Ich finde das super und nehme ihr ab, dass es hier um Inhalte geht und nicht nur um Publicity. Und wie gesagt, besser ein wichtiges Thema werbewirksam in die öffentliche Aufmerksamkeit gebracht als den üblichen Klatsch und Tratsch.

Peter Teuschel

6 Responses
  1. Ich stehe dem etwas ambivalent gegenüber: Einerseits finde ich Lady Gagas Engagement gut; andererseits fürchte ich das die Kamapgne wieder von den üblichen Hetzen gegen sehr schlanke Menschen (vor allem Frauen) begleitet wird (Stichwort: Magerwahnopfer, Hungerhaken, magersüchtiges Bulimie-Frettchen; Männer stehen auf Rundungen und wollen nicht mit Knochen spielen etc.)

    • Darunter leiden wirklich viele Frauen, die „einfach nur dünn“ sind. Sie werden misstrauisch beäugt und man unterstellt ihnen essgestörtes Verhalten oder sie erhalten „gute Ratschläge“, dass sie doch etwas mehr essen sollen.
      Die Dummheit ist eben nicht auszurotten.

    • Manche scheinen nicht zu kapieren dass Akzeptanz des Einen nicht automatisch mit Abwertung des Anderen einhergehen muss. Ich habs bei einer Essgestörten Bekannten mitgekriegt, die sich mit viel Selbstüberwindung im T-Shiert ins Cafe gesetzt hat und vom Nebentisch mit „Ist ja eklig, friss doch mal was!“ kommentiert wurde.
      Es wäre ja schon begrüßenswert wenn die Medien nicht jedes Kilo mehr oder weniger eines Prominenten gleich als Sensationsschlagzeilen der Marke „Magersucht?!“ oder „Ganz schön fett geworden, die Gute“ kommentieren würde. Da finde ich Gagas Reaktion an sich genial obwohl ich es an ihrer Stelle vielleicht noch etwas überspitzter gemacht hätte. Ich muss da an eine Youtuberin denken, die öfter Kommentare über ihre kleinen Brüste bekommen hat und diese in ein Lied verpackt hat („I have no Titties“ oder so ähnlich)

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