das bittere herz

Aus dem schönen Gedichtband „Hinüber“ von Harald Grill (Vorsicht: Man sollte des Bayrischen mächtig sein), wahlweise auch nachzulesen im nicht minder schönen Buch „Niederbayern“ von Hubert Ettl (Hrsg.):

 

AUSFAHRT HENGERSBERG
(nach stephen crane) 

an da tankstell
hab i oan gsehng
nackert wia r a viech is a gwen
aafm blankn beton is a ghockt
hat sei herz in de händ ghaltn und
hat gfressn davo

sag i zu eahm
schmeckt s freind

moant er
bitter is s

bitter

aber i mag s
wal s bitter is
und wal s mei herz is

 

Und hier für die Nicht-Bayern das Vorbild:

In the Desert
(by Stephen Crane)

In the desert
I saw a creature, naked, bestial,
Who, squatting upon the ground,
Held his heart in his hands,
And ate of it.
I said, “Is it good, friend?”
“It is bitter—bitter,” he answered;
“But I like it
“Because it is bitter,
“And because it is my heart.”

 

Peter Teuschel
Quellen:
Harald Grill: „Hinüber“, edition lichtung, lichtung verlag 1996
Hubert Ettl (Hrsg.): „Niederbayern“, edition lichtung, lichtung verlag 1997
Stephen Crane in: „Twentieth-Century American Poetry“, Blackwell Publishers, 2004
Bild: ©Peter Teuschel
7 Responses
  1. Was daran die bemerkenswert künstlerische Leistung ist, ein Stephen Crane Gedicht zu übersetzen und es minimal abgewandelt einzubayerm, erschließt sich mir nicht ganz. Das ist normales gutes Handwerk, wie es Millionen Übersetzer jeden Tag machen.

    • Die Übersetzungsarbeit ist es nicht, da das Gedicht von Crane ja nicht so schwierig zu übersetzen ist.

      Da Harald Grill sonst keine Adaptationen vornimmt (zumindest kenne ich keine weiteren Übersetzungen in seinem doch recht umfangreichen Werk), stellt sich die Frage, warum er es gerade bei diesem Gedicht gemacht hat.

      Und da muss ich schon sagen, dass er ein spezielles niederbayerisches Lebensgefühl getroffen hat und den Schauplatz „Ausfahrt Hengersberg“ wirklich sehr gut gewählt hat.

      Als gebürtiger Niederbayer fühle ich mich jedenfalls deutlich mehr durch die bayerische Version angesprochen als durch das Original.

    • “ …in diesem roten Dreck von Dingen ..“

      tja, so siehts halt aus in uns.
      Schöne Übersetzung.
      Da schreibt der Crane übers Bloggen als hätte ers selbst getan.

      Und was die Ehrlichkeit und die Herzensdinge angeht: Solange das Internet von marodierenden Horden heimgesucht wird, die sich im Schutz der Anonymität auf alles stürzen, was sie treten, schlagen und beschmutzen können, wäre ich auch sehr zurückhaltend, das Innerste nach außen zu kehren.

      Jeder „Bewahrer des Feuers“, der im Internet bloggt, sollte „The Road“ von Cormac McCarthy gelesen haben. Das web als apokalyptische Weite.

  2. osterhasebiene langnase Antworten

    Jetzt weiß ich wenigsten, warum ich nicht auf der Autobahn fahr, sondern lieber mit dem Zug…haha…
    Harald Grill, der ja aus Hengersberg stammt (kenn ich gut), hat hier sehr treffend sein Heimat-Gefühl beschrieben…bitter eben, …sehr bitter.
    Heimat ist nicht zwingend da, wo man herkommt, sondern im Herzen, da wo es gut ist, wenn man ein gutes Herz behalten hat – trotz allem.

    • osterhasebiene langnase Antworten

      …Heimat in Niederbayern – kenn ich gut – da wo du ausgezogen wirst/bis, wenn du nicht rechtzeitig ausziehst und wegbeamen hilft auch nicht auf der Autobahn …und dann nur noch das verbitterte Herz als Nahrung hast, bis es aufgezehrt ist…
      Da hilft nur wegbewegen, das Bewusstsein mitnehmen und das Herz hüten an einem sicheren Ort. Ich liebe die Gedichte von Harald Grill, meinem Heimatdichter, der dageblieben und trotzdem fortgegangen ist…!!!Manch andere sind zwar fortgegangen aber mit verbittertem Herzen da geblieben. Genau deswegen ist er für mich ein wahrer Held und hat den Friedensnobelpreis verdient.

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