Das Augenlicht ab 50

Im täglichen Kampf um die geistige Gesundheit im Großraum München bleibt dem heroischen Facharzt kaum Zeit, sich über die wichtigsten Tagesereignisse zu informieren.

Um hier Schritt halten zu können, sind Medien unverzichtbar, die das Wichtigste des Tages in knapper und übersichtlicher Form präsentieren.

Deshalb ist eine der zentralen Aufgaben der leitenden Arzthelferin die Bereitstellung der Münchner Abendzeitung zur frühestmöglichen Stunde. Das Hochfahren der Kaffeemaschine der Praxis-EDV und das diskrete Rascheln dieses informationsgesättigten Presseorgans bilden deshalb die Geräuschkulisse, wenn Dr. Teuschel im ersten Schein der Morgensonne die psychiatrierelevanten news of the day überfliegt.

So auch gestern. Die Titelseite der AZ berichtete über den Unmut Münchner Rentner und das bundesweite Fehlen des Bahnpersonals.

Elementar, aussagekräftig, aber überschaubar.

Dann fällt der Blick auf drei Fotos einer jungen Dame.

Aha! Die Wahl zur „Schönen Münchnerin“ steht an.

Der erste Patient verspätet sich, so dass noch Zeit bleibt, sich dieser lokalen Petitesse zu widmen.

Die bisherigen geschätzten 43 Jahrgänge schöner Münchnerinnen sind irgendwie an mir vorüber gegangen und ich beschließe, hier bildungstechnisch etwas aufzuholen.

Aha, denke ich mir, das also muss die Münchnerin auf dem Kasten haben, will sie als schön gelten:

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Jaja, wer „Schöne Münchnerin“ werden will, darf sich nicht nur eindimensional präsentieren:

Diese Bewerberin macht eine gute Figur beim Ballett und kann ihre Haare symmetrisch zum Standbein ausrichten.
Sie versteht es, schwindelfrei und einen Drink balancierend – diesmal mittelgescheitelt – auf einem Barhocker zu sitzen.
Zu später Stunde dann gelingt es ihr, im goldenen Abendschein ihres bescheidenen Apartments nicht nur ihre High Heels, sondern auch ihre – jetzt links gescheitelten -Haare im Einbeinstand zu präsentieren.

So ist das. Nicht nur für uns normal Sterbliche werden die Anforderungen immer höher, sondern natürlich vor allem und gerade für unsere Vorbilder, Idole und Identifikationsfiguren.

Mal sehen, wie dieses Paradebeispiel weiblicher Vielfältigkeit heißt.

 

Sarah Zahn, Jill Hommel, Viktoria Fischer.

 

Ups.

Okay, Korrektur.

Ballettbalance, Barhockerbalance, Wendeltreppenbalance, whatever.

Die schöne Münchnerin muss vor allem eines haben:

Den Charme mittellangbraunhaariger Klone.

 

Peter Teuschel

 

P.S. Sie haben gleich erkannt, dass das drei verschiedene Frauen sind?
Woran, bitte schön, woran???

 

alle Bilder:  ©Abendzeitung München

12 Responses
  1. Ihr Artikel ist grenzgenial!

    Ja… woran erkennt man, dass es DREI Frauen sind?

    Ich habs nicht gecheckt… erst als ich am Ende des Artikels die Auflösung fand… und gaaanz genau hinsah…

    Nichts gegen die Damen hier…

    Der Einheitsbrei, was „das Schönste“ ist, scheint immer schlimmer zu werden…

    Fragt sich nur: was ist aus den Blondinen geworden? 😉

  2. Hm … Ich hab’s auch nicht erkannt.
    Vielleicht lag das auch dran, dass ich dem, was Sie geschrieben haben, erstmal blind (sic!) vertraut habe. Mist.

  3. Hab’s auch nicht erkannt; für mich sehen die selbst nach Auflösung gleich aus. Naja bei mir beim Unisport sind auch drei blonde Mädchen, die ich auch nach einem Jahr kaum auseinanderhalten kann. Geht einigermaßen, wenn sie nebeneinanderstehen. Mit den Namen ist das noch „schlimmer“; weiß nicht – die Leute sind eben seit mehreren Jahren immer beim Training dabei und ich habe mich an sie gewöhnt, aber die Namen sind mir unbekannt. Immerhin weiß ich wie der Trainer heißt und noch ein anderer Mitspieler, das reicht vollkommen. Möchte mit denen Handball spielen und nicht mehr. Glaube bei mir ist das so ein generelles Desinteresse bzw. kann ich nicht sagen, ob ich nicht anders kann oder nicht will.

  4. Vielen Dank für diese nützliche Information. Ich werde meine seit kurzem in München lebende Schwester umgehend informieren, dass sie, wenn sie dort Erfolg haben möchte, dringend ihre Haarfarbe zu ändern hat. (Die Länge stimmt, immerhin.)

    Übrigens muss ich gestehen, dass mich doch ein gewisser Verdacht beschlich, dass es sich um drei unterschiedliche Frauen handelt. Warum? Die Haare. Auf Bild 1 deutlich länger als auf Bild 2, und auf Bild 3 wieder länger und heller.
    Schwierigkeiten bereiten mir da schon eher Menschen mit kurzen Haaren. Auf der Arbeit schwirren einige junge Männer herum, die alle dunkelblond und kurzhaarig sind und ein „Durchschnittsgesicht“ (was nicht abfällig gemeint ist) haben. Dazu noch die uniforme Arbeitskleidung und ich bin gänzlich verwirrt.
    Am Alter dürfte das nicht liegen. Oder ich bin mit meinen 24 Lenzen doch schon überüberreif „für mein Alter“.

    • Naja, wenn ich mir Ihren Blog so betrachte, glaube ich, dass Sie da einen ganz anderen und professionelleren Blick haben als ich.
      (Gefällt mir übrigens gut, mal was anderes zu lesen als Betroffenheit und Elend.)

      • Man sollte es nicht meinen, aber ich bin tatsächlich nicht der Typ Frau, der Veränderungen an Bekannten schnell erkennt. Die Frisur bspw. muss schon erheblich kürzer, dunkler/heller oder bunter werden, damit ich was bemerke. Also bemerk ich’s quasi nie. :mrgreen:
        Aber auf Fotos im direkten Vergleich ist das ja doch nochmal was Anderes.

        (Oh, Sie überraschen mich. Ein Mann mittleren Alters liest freiwillig meine Anekdoten über Nagellack und Lidschatten? Ich bin erstaunt. Aber herzlich willkommen, schauen Sie sich nur um. :))

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