Bücherflut und Beschaulichkeit: Die Frankfurter Buchmesse 2015

Ein Ort für Agoraphile

Mit über einer viertel Million Besuchern ist die Frankfurter Buchmesse die größte ihrer Art in der Welt. Sie ist in erster Linie eine Veranstaltung für Fachbesucher, also Verlage, Agenten, Presse, Autoren. Sie alle können hier ihr Programm vorstellen, Fachgespräche führen und natürlich auch den einen oder anderen Vertragsabschluss tätigen. An den letzten beiden Tagen ist die Messe dann auch für alle anderen Besucher geöffnet. Dann kommen Buchliebhaber, Schulklassen, Agoraphile und alle, die einfach mal Messeluft schnuppern wollen.

Gut, wahrscheinlich hats jeder gemerkt. Agoraphile gibts in dem Sinne nicht. Das wären Menschen, die sich in der Masse sehr wohl fühlen. Aber vielleicht gibts die ja doch. Zum Beispiel mir gefällt das durchaus, wenn viele Menschen unterwegs sind, um einem gemeinsamen Hobby zu frönen. Anderen ist das vielleicht unangenehm, aber ich mag das. Wenn es sich in Grenzen hält. Wie zum Beispiel in der Allianz Arena. Aber am letzten Wiesn-Wochenende aufs Oktoberfest gehen, das ist selbst mir dann doch zu krass.

In diesem Jahr wollte ich mir auch mal einen Überblick über diese berühmte Messe verschaffen, das Ganze auf mich wirken lassen und ein paar Gespräche führen. Ich hatte mir sagen lassen, dass der erste Messetag da nicht schlecht sein soll, weil es noch nicht so wahnsinnig zugeht. Trotzdem muss man mit einigem Vorlauf alle Termine vereinbaren, denn für Agenten und Lektoren besteht die Messe aus meist halbstündigen „slots“, die fest eingeplant sind.

Kalt, bombastisch, intim

Auf dem Weg zur Messe war es kalt. Sehr kalt. Aber da ich wenn möglich alle Distanzen zu Fuß überwinde, musste ich da wohl durch. Die Temperatur in den Hallen war dann um einige Grad höher. Tausende von Menschen erzeugen Wärme. Wenn ich zwischendurch kurz nach draußen ging, war sie wieder da, die Frankfurter Kälte.

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Auf dem Weg vom Hotel zur Messe

 

Im Eingangsbereich verteilen sich die Besucher noch.

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Drinnen sieht es dann schon anders aus.

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Das Areal der Buchmesse hat irrwitzige Ausmaße. Die Hallen haben jeweils mehrere Stockwerke, in denen das literarische Leben nur so pulsiert.
Hinzu kommt der Außenbereich mit mehreren Zelten.

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Hier kann man allerdings auch ganz überraschend ruhige und beschauliche Orte finden, zum Beispiel im „Lesezelt“.

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Lesung im Lesezelt

Die Buchmesse ist international. Nicht deutschsprachige Nationen sind allerdings in einem etwas abgelegeneren Bereich der Messe untergebracht, weswegen dort auch nicht so viel Publikum hinkommt.

Cool down: Gastland Indonesien

Jedes Jahr gibt es ein Gastland, das sich in großem Stil präsentieren kann. Heuer ist das Indonesien. Die Gestaltung der Halle ist sehr gelungen., Es gibt Gewürzstände zum Riechen und foodstalls zum Schmecken. Das Licht ist gedämpft, die Klänge sind diskret und asiatisch. Hier „kommt man runter“.

 

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Die Botschaften teils heftig, die Darstellung harmonisch: Der indonesische Bereich.

 

Hier war der beste Ort für meinen ersten Termin, ein Gespräch mit meiner wunderbaren Agentin Rose Bienia.

 

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Agentin und Autor: Zeit nicht nur für ernste Themen

Danach ging es wieder hinein in den Trubel.

Anregende Gespräche

Mit Ulrike von Stenglin von Ullstein traf ich mich im Bereich der „literary agents“. Hier gibt es seit 9/11 strenge Sicherheitskontrollen, was mich beeindruckt hat, weil es im Gegensatz zu der ansonsten sehr freien Atmosphäre der Messe stand. Unser Standplatz an der Garderobe mit „shabby view“ auf einen Lastenaufzug war aber nicht im Visier der Kontrolleure.

Christine Treml von Klett-Cotta empfing mich ganz traditionell am schönen Verlags-Stand. Wir diskutierten darüber, ob „Psycho-Ratgeber“ durch frei verfügbare Internet-Angebote in der Krise stecken und welche Schlüsse die Verlage daraus ziehen könnten. Den Stand verließ ich mit vielen Anregungen und Ideen.

Zuletzt war ich noch am Stand von Schattauer. Mit Wulf Bertram, Dieter Bergemann (nebst charmanter Gattin), Albrecht Luscher, Stefanie Engelfried und einem Kollegen namens Moet verging dieser letzte Termin wie im Flug.

Leider war dann schon Zeit zum Abschiednehmen, so dass ich manches nicht mehr realisieren konnte, zum Beispiel einen Besuch bei den Bloggern von resonanzboden am Ullstein-Stand.

Büchermenschen sind gute Menschen

Nach gefühlt gelaufenen 20 km schleppte ich mich von dannen. Die überwältigenden Eindrücke hatten mich in eine Art Trance versetzt und die durchgehend gute Stimmung auf der Messe ließ ein spezielles Gefühl zurück: Wo viele Bücher sind und viele Menschen, die Bücher lieben, da ist es schön, da fühle ich mich wohl!

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Abendstimmung: Ade Messe, bis nächstes Jahr!

Peter Teuschel

Alle Bilder ©Peter Teuschel

One Response
  1. Vielen Dank, Herr Dr. Teuschel für den interessanten Bericht und die Bilder.
    Besonders schön ist das Foto mit Ihnen und Ihrer Lektorin.
    Ich wäre fast auch wieder hingegangen. Aber diesmal hatte es mich zum Internationalen Literaturfestival in Berlin hingezogen. Das kann ich sehr empfehlen. Es gab spannende Themen und Diskussionen, z. B. über Stadtentwicklung 2030 aus der Perspektive „von unten“. Hochspannend. Oder eine Lesung mit jungen Autoren, die über das Thema Heimat geschrieben hatten.

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