Bachblüten gegen Schulmobbing: Was für ein Unsinn

Dass sich mit esoterisch verbrämter Pseudomedizin wie Bachblüten, Kraftsteinen oder Geistheilung Geld verdienen lässt, ist ja nichts Neues.

Dass sich die Hersteller der Bachblüten gerne in psychische Gefilde begeben, beschreibt sehr schön das Informationsnetzwerk für Homöopathie INH in diesem Artikel.

Natürlich könnte man über all diese Dinge täglich fünf Beiträge verfassen, aber das Leben ist kurz und besteht nicht nur aus der Abwehr menschenverdummender Paramedizin. Zumal ich die Erfahrung gemacht habe, dass ein persönliches Gespräch, wie ich es jeden Tag in meiner Praxis führe, schnell mit vielen dieser teils bizarren Vorstellungen aufräumen kann. Wenn also jemand erstmal bis zum Facharzt vordringt, bleibt meist nicht viel übrig von abwegigen Heilsversprechen.

Warum ich heute dennoch etwas über Bachblüten schreibe, dafür ist diese Anzeige verantwortlich:

Mobbing in der Schule ist ein wirklich schwieriges und ernst zu nehmendes Thema. Es betrifft natürlich in erster Linie die betroffenen Kinder (und zwar sowohl die gemobbten wie die mobbenden), dann die Eltern, die Lehrer, Schulpsychologen, Schulsozialpädagogen, aber auch die Institution Schule an sich. Medizinisch sind die Folgen schulischen Mobbings immer bedeutsam und können gerade auf psychiatrischem Gebiet gravierend sein. Depressive und ängstliche Syndrome, sozialer Rückzug und schwere Selbstwertkrisen bis hin zu Suizidalität sind potentielle Folgen des Mobbings und zwar nicht nur für die Gemobbten, sondern auch für die Mobber!

Jetzt stelle ich mir Eltern vor, deren Kind in der Schule drangsaliert, ausgegrenzt oder in eine bestimmte Ecke gedrängt wird. Die normale Reaktion wird wohl sein: „Was können wir tun?“ Es gilt jetzt vor allem, das Kind zu unterstützen, aber in gleicher Weise ist es wichtig, der Institution Schule das abzuverlangen, was am Arbeitsplatz bei Mobbing regelhaft missrät: Die Schikanen zu ächten und mit wirksamen Mitteln zu bekämpfen! Das betroffene Kind wird sich in keinem Fall alleine zur Wehr setzen können, sofern es sich um „echtes Mobbing“ handelt.

Und an diesem Punkt setzen diese obskuren Bachblüten ein. Die beabsichtigten Wirkungen (Selbstwertgefühl stärken, Kontakt mit Freunden halten, sich nicht schämen) können weder durch Einnahme von Bachblüten noch durch sonst irgend eine von außen zugeführte Substanz  erzielt werden! Sollte sich der Kinderpsychiater entscheiden, dem Kind z.B. medikamentös unter die Arme zu greifen, so dient dies dem Schutz der Psyche des Kindes und bekämpft Depression und Angst. Alle anderen Ziele wie Selbstwertgefühl etc. müssen durch sinnvolle Gespräche und fördernde Unterstützung erreicht werden.
Besonders entlarvend ist ja die Idee, diese Tropfen könnten dazu beitragen, „eine positive Einstellung“ zu haben. Wie soll ein gemobbtes Kind das schaffen? Das ist übles Blabla. Mobbing zu überstehen ist ein Kampf und kann, wenn dieser erfolgreich ist, über die positive Erfahrung zu einer besseren Selbstwahrnehmung (und einer besseren Wahrnehmung der unterstützenden Handelnden, z.B. der Eltern) führen.

Aber wer, um alles in der Welt, wird sein Kind unterstützen, indem er ihm diese sinnlosen Tropfen verabreicht?

Liebe Eltern gemobbter Kinder: Ihr seid jetzt wirklich gefordert, für euer Kind einzutreten, an der Schule einen riesigen Aufstand zu machen, eurer Tochter oder eurem Sohn zu zeigen, dass ihr hinter ihr bzw. ihm steht. Aber spart euch die Kosten von 39 Euro für eine absolut überflüssige Bachblütenmischung. Dafür kann man z.B. wunderbar ins Kino gehen und den neuesten Superheldenfilm anschauen.

Peter Teuschel

Bild: © Nomad_Soul – Fotolia.com

3 Responses
  1. oh ja.. sie wissen schon gar nicht mehr, wie sie mobbingopfer noch abzocken sollen – hauptsache – die täter werden nicht benannt!! zum erbrechen ist das!

  2. Das ist ja wirklich der Hammer, so einen Blödsinn zu verzapfen. Man sollte echt bei so einem Placebo gegen Mobbing den Anwalt einschalten und die mal vom Markt entfernen.

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