4 Jahre Schräglage: Ein Blog mitten in der Pubertät

Kaum zu glauben, aber die Schräglage ist jetzt schon vier Jahre alt.

Ein guter Zeitpunkt für zwei Blicke zurück und einen nach vorne.
Bei Hunden sagt man ja landläufig, dass ein Hundejahr sieben Menschenjahren entsprechen soll. Wie ist das bei Blogs? Nach meiner Einschätzung ist die Schräglage mitten in der Pubertät. Gehe ich also von einem gefühlten Blog-Alter von 16 Jahren aus, so würde ein Blogjahr vier Menschenjahren entsprechen.

Gestartet ist die Schräglage mit der Absicht, über Themen der Psychiatrie und Psychotherapie zu berichten.Im Vordergrund sollte das Thema Mobbing stehen und das prägte auch die ersten Artikel. Wie das so ist bei organischem Wachstum, kamen „von ganz alleine“ andere Themen hinzu, beispielsweise forensische, was mich selbst etwas überrascht hat. Auch wenn Mobbing-Beiträge immer wieder einen gewissen Raum einnahmen, waren es doch auch mehr und mehr praktische Themen aus der ärztlichen Sprechstunde, die ihren Weg in den Blog fanden.
Im Laufe der Jahre öffnete sich der Blog aber immer mehr auch für andere Bereiche. Ich habe Buchbesprechungen aufgenommen, habe auch über meine eigenen Bücher berichtet und den „Haudrauf der Woche“ als Preis ausgelobt.
Irgendwann hat sich auch mein faible für Besonderes und Absonderliches „am Wegesrand“ urbaner Strukturen in den Blog geschlichen und die Reihe „Psycho München“ ist entstanden. Der Psycho-Stadtbummler hat seither seinen festen Platz in der Schräglage.

Meinem Bedürfnis nach „neuen Tapeten“ habe ich vor einigen Wochen nachgegeben und bin nach fast vier Jahren mit dem Theme „Twenty Ten“ auf „Agama Pro“ gewechselt. Das Bild mit mir selbst als schrägem Fänger dicker Brummer wurde abgelöst von einem echten Schwergewicht.
Dieses durch den Elefanten repräsentierte Größenwachstum führt dazu, dass die Ladezeiten immer länger werden und ich derzeit einen Umzug auf einen anderen, schnelleren Server erwäge.

Wenn ich so mit ein paar Schritten Abstand auf meinen Blog schaue, so hat er sich aus seiner ihm von mir verpassten Rolle als „Psychiatrie-Blog“ herausentwickelt und seine eigene Persönlichkeit angenommen. Aber wie das so ist mit Pubertierenden, scheint mir jetzt manchmal die klare Linie zu fehlen.

Es ist schon interessant zusehen, welches Eigenleben so ein Blog entwickeln kann, wenn man ihn ohne großen „Beschnitt“ in alle Richtungen wachsen lässt. Ein strubbelköpfiges Wesen ist er geworden.

© freischnauze - fotolia.de

© freischnauze – fotolia.de

Platzt die Schräglage thematisch aus ihren Nähten? Sollte ich mich an den Klickzahlen orientieren und mehr Themen bloggen, die viele Leser auf die Seite ziehen oder lieber meinen Spaßbloggereien frönen? Sollte ich drei oder fünf Blogs daraus machen, alle thematisch besser abgegrenzt oder soll ich die Schräglage weiter wachsen lassen mit der Gefahr, dass sich alles immer mehr verzettelt? Ich weiß es nicht.

Ich stehe vor meinem eigenen Blog und staune, freue mich und bin gespannt, wie lange die Pubertät noch andauert. Und was danach kommt.

Peter Teuschel

Titelbild: © freischnauze – fotolia.de

9 Responses
  1. 1. Dem Leser, dem die Bücher „zulaufen“, ich kann ihm in gewisser Hinsicht zustimmen. Ich hätte es eher so ausgedrückt, daß ich, was meine Person betrifft, zufälligerweise (das müßte auch noch genauer unter die Lupe genommen werden) Bücher über den Weg laufen , die meinem derzeitigen Gedankengang entgegenkommen oder ihn fördern. Zufall? Ich weiß es nicht. Jedenfalls – nicht wirklich esoterisch ausgerichtet – glaube ich z.B. zwischenzeitlich, daß sich mein Hund mich und ich ihn gesucht habe.Vielleicht gibt es echt noch Kräfte zwischen Himmel und Erde, die wissenschaftlich noch nicht erforscht, aber dennoch wirksam sind (dazu hätte ich noch ein Beispiel, ich weiß aber nicht, ob es von Interesse ist.
    2. Ich, aber nur für meine Person plädierend, möchte ich gerne, daß es nicht zuviele verschiedene „Schräglagen-Blogs“ gibt. Es gäbe in der Tat zig tausend Schräglagen, ich denke nur (man möge mir diesen Einwurf verzeihen) an die unselige Gesundheitspolitik. Jeder Tag gibt mindestens
    eine gottverdammte Schräglage von sich. Man würde sich verzetteln, bleiben wir also bitte bei den topheißen und wichtigen Themen oder den nicht hinzunehmenden Schweinereien. Justina

    • Nein, aber jetzt glaube ich zu wissen, was Sie meinen. Durch den Umzug des Blogs zu einem anderen Host sind einige Artikel verlorengegangen. Die Texte konnte ich rekonstruieren und neu eingeben, aber die Kommentare sind leider weg. Das tut mir leid, aber ich konnte es nicht verhindern.

  2. Lieber Peter, herzlichen Glückwunsch zu vier Jahren Schräglage! Ich hoffe, es werden noch mindestens zehn mal so viele. Je schräger je lieber! Liebe Grüße, Wulf

  3. Guten Tag,

    Ihren Blog habe ich heute morgen entdeckt, als ich mich damit beschäftigte, den Besuch gestern bei einem Gutachter zu verarbeiten.

    Ich bin immer wieder froh, wenn ich solche Seiten entdecke, wie die Ihre. Denn einige der Beiträge und Kommentare zeigen mir, dass ich mit meinen Anschauungen und Eindrücken doch nicht so falsch liege, wie mir gern attestiert wird. Noch dazu, wenn jemand kritisch Dinge betrachtet, ist es eine Freude, diese Sachen zu lesen.

    Was das „Du“ oder „Sie“ angeht, so glaube ich, dass diese Gewohnheit, dass alle sich im Internet duzen, aus den Kindertagen des Internets stammt. Da das Internet jedoch mittlerweile verdammt erwachsen geworden ist, kann man ruhig auf die allgemeinen Umgangsformen des täglichen Lebens gehen und das „Sie“ benutzen. Selbst bei Facebook wird mittlerweile die Anrede „Sie“ benutzt. Diese Zwangsduzerei ist mir suspekt, einmal abgesehen davon ist mit „Sie“ auch eine Distanz zum Gesprächspartner verbunden, die manchmal sehr nötig ist.

    Ich hoffe, noch vieles von Ihnen zu lesen.

    Grüße aus der chaotischsten Stadt Deutschlands, JS

    (P.S.: Gibt es irgendwo eine Editierfunktion für Kommentare, mein schmerzmittelbenebeltes Gehirn hat im Vorbeitrag ein paar Fehlerchen produziert)

    • Vielen Dank für die lobenden Worte!

      Eine Editierfunktion gibt es nicht, bei „groben“ Schnitzern müssten Sie also einen neuerlichen Kommentar verfassen. Auf Antrag kann ich dann den ersten löschen. Wenn Sie es bemerken, bevor der Kommentar freigeschaltet wurde, kann ich den Kommentar auch schon vorab aus dem Verkehr ziehen.

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